Bin ich die zweite Geige?

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Dieses Thema enthält 7 Antworten und 6 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Pinocchio vor 4 Monate, 3 Wochen.

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  • #7839

    Julia Jaeger
    Teilnehmer

    Ich lebe mit meinem Lebensgefährten in verschiedenen Wohnungen. Der Umstand macht mich bislang nicht unglücklich. Wir haben zusammen eine einjährige Tochter. Er noch zwei Kinder mit seiner getrennten Ehefrau, ich einen Sohn aus einer früheren Beziehung. Alle sind älter als zehn. Mein Sohn steht am Anfang seines Abiturs.

    Eigentlich kann ich glücklich sein. – Darf mich nicht beschweren. Er hört mir zu. Versucht alles besser zu machen… So sein Versprechen. Die Realität ist leider nüchtern gesehen eine andere. Ich lächle der Diskussion wegen alles weg. Gelobe mir, dass es nur besser werden kann. Frage mich gleichzeitig wo mein Problem ist.

    Mein Schatz ist selbstständiger Dienstleister. Er arbeitet im Sommer viel, und in den dunklen Jahreszeiten weniger. Und trotzdem ist er für mich gefühlt nie da. Das stimmt mich traurig. Denn diese Qualitätszeit fehlt auch meiner Tochter.

    Wenn man das liest, fragt man sich warum ich unsere Tochter als meine bezeichne.
    Ganz einfach: Denn er hat seine Töchter.
    Sein erstes Kind ist sein Sonnenschein. Betonung liegt auch immer auf „Papakind“. Seine zweite Tochter ist ein Problemkind und schreit nach Nähe und Aufmerksamkeit. Jedes zweite Wochenende hat er sie bei sich zu Hause. Der Versuch uns mit gemeinsamen Aktivitäten zusammen zu bringen ist gescheitert. Die Große sieht mich als Rivalin, in der Nähe ihres Vaters und die Schwester buhlt nach Aufmerksamkeit in dem sie sich bei jeder Gelegenheit in den Mittelpunkt stellt. Er lässt es zu. – Deswegen habe ich mich von diesen Treffen gelöst.

    Jedes andere Wochenende sollte dann wenigstens UNS gehören. Mir und meiner/ unserer Tochter. (Mein Sohn toleriert und mag ihn, macht aber sein eigenes Ding)
    Nun ist es so, dass unsere Wochenenden mit Büroarbeit oder Treffen mit Freunden nicht stattfinden. Ausflüge und Aktivitäten die er mit seinen Kindern macht, erleben wir als junge Familie nicht mit ihm.
    Wir waren zwar zusammen als kleine Familie im Urlaub den ich gebucht habe, aber die Freude nach Nordsee und uns war wohl nicht das was er sich erwünscht hat. Am vorletzten Tag knallt er mir das auch an den Kopf, wie ein fratziges Kind. „Ist mir zu kalt hier, du willst nur unterwegs sein… Ich freue mich auf den Urlaub mit den beiden Großen auf den Kanaren!“

    Da war er jetzt auch in den letzten zwei Wochen Urlaub machen. Natürlich vermisst er mich und die Maus ganz furchtbar, was mir wiederum den Kragen hat platzen lassen. Denn der Urlaub ist was anderes wie unser Urlaub. Er kann relaxen, entspannen – all das was man für 4000€ erwarten kann. (Habe ich erwähnt dass ich unseren Urlaub hart erspart bestritten habe???)

    Ich habe ihm aus Wut gesagt dass ich nächstes Jahr auch alleine mit meinen zwei Kindern Urlaub machen werde. Er sei ausgeschlossen. Wir (Mein Sohn und ich) sind gerne unterwegs, erleben was und erkunden unsere Umgebung. Wenn er Club Urlaub vorzieht, soll er ihn mit seinen zwei Kindern machen.
    Zum Dank bekam ich die Quittung anhand von sämtlichen Urlaubsbildern von Elite Tochter Nummer eins, dass sie ganz glücklich seien mit ihrem Papa.

    Und das ist genau mein Problem. Für ihn sind das seine Kinder. Aus einer Ehe die lange gehalten hat, bis sich seine Frau trennen wollte.

    Mich die er als größte Liebe seines Lebens bezeichnet, sitze nur gefühlt in der Warteschleife.

    Wenn ich ihm das sage, bekomme ich nur die Antwort, ich sei eine fabelhafte Mutter und bekäme ganz anders wie seine Exfrau alles alleine hin. Seine Töchter brauchen ihn. Es wäre gerade keine leichte Zeit für sie. Er bittet mich um Verständnis.

    Er umschmeichelt mich immer wieder so sehr mit Worten, dass ich manchmal selbst glaube nur Eifersüchtig auf die Elite zu sein. Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht? Wie geht ihr damit um, wenn die Kinder aus der ersten Beziehung mit Zeit und Materialien bevorzugt werden?

    Ich gebe mir wirklich viel Mühe, habe mir Zeit alleine für seine Kinder genommen um sie zu verstehen, aber ich komme immer wieder an den Punkt wo ich denke: Dann ist es halt so.
    Einheit gegen Einheit. Aber das wird auch irgendwann meine Jüngste verstehen. Mit meiner Befürchtung sich von ihrem Vater evtl ungeliebt zu fühlen. Oder empfinde ich zu subjektiv?

  • #7841

    LillyChantilly
    Teilnehmer

    Natürlich, liebe Julia, empfindest du subjektiv. Und natürlich bist du auf die bevorzugte Tochter eifersüchtig. Ich finde da auch nichts dabei.
    Ich gehe auch nicht mehr zu Treffen mit, wo sich dieses Kind ständig in den Mittelpunkt drängt, und ich stundenlang nicht mal beachtet werde.
    Ich finde auch, du hast das Recht, jedes zweite Wochenende für eure Familie einzufordern. Wenn er das mit Büroarbeit voll belegt, und für euch nur die Reste seiner Zeit übrig bleiben – während er den Lieblingstöchtern all seine Zeit und Aufmerksamkeit frei hält – natürlich wird sich die gemeinsame Tochter zurecht zurückgesetzt fühlen.
    Er setzt euch auch zurück, und redet dir das schön mit Komplimenten und bittet um Verständnis.

    Meine Meinung ist, dass du und die gemeinsame Tochter jetzt seine „Hauptfamilie“ sein sollten. Das ist die intakte Familie, und er vernachlässigt sie sträflich.
    Wie läuft denn das bei den Elitewochenenden bei euch? Kommen seine Töchter euch übers ganze Wochenende besuchen? Macht er dann Dinge nur mit denen? Das geht gar nicht! Du und eure gemeinsame Tochter hören ja nicht auf zu existieren, nur weil die da sind!

    Das mit dem Urlaub finde ich auch extrem respektlos. Weiß er, dass du dir den Urlaub hart erspart hast?

    Ich habe das Gefühl, der Mann weiß gar nicht zu schätzen was er hat, und macht sich seine Familie kaputt. Mit seinem Verhalten macht er dich eifersüchtig auf seine Töchter.

    Hast du ihm deine Gefühle schon mal ungeschönt erklärt? Eine klare Ansage gemacht, dass das so nicht weiter geht; dass du dir erwartest, dass er der richtigen Familie den Vorzug gibt, und nicht der Ex-Familie? Mit Konsequenzen in den Raum gestellt: „Wenn du uns weiterhin so behandelst, gehen wir.“

    Ich kann mir vorstellen, dass er das übliche Ausredenbündel verwendet, warum er seine Töchter bevorzugt. Ich würde ihm dann in Aussicht stellen, dass ich für die gemeinsame Tochter auch diese Bevorzugung will, und man das nur als Ex bekommt, wäre das das erste was leicht zu ändern wäre…

    Kopf hoch…und denk dran: auch wenn du eifersüchtig auf die Elite bist, sie kann eigentlich nichts dafür. Es ist leichter, auf die eifersüchtig zu sein, als sich einzugestehen, dass der Empfänger für die Wut der eigene Partner ist.
    Aber hier darfst du dich trotzdem gerne über sie auslassen. Sich plump in den Mittelpunkt drängende Kinder sind nur die halbe Geschichte…leider gehört da immer ein Spaßpapa dazu, der das ganz niedlich findet, und für das „arme Trennungskind“ alles andere fallen lässt.

  • #7847

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Julia,

    puhhh…

    „Eigentlich kann ich glücklich sein. – Darf mich nicht beschweren. Er hört mir zu. Versucht alles besser zu machen… So sein Versprechen. Die Realität ist leider nüchtern gesehen eine andere. Ich lächle der Diskussion wegen alles weg. Gelobe mir, dass es nur besser werden kann. Frage mich gleichzeitig wo mein Problem ist.“

    Oh doch, du darfst dich beschweren. Ihr habt eine gemeinsame Tochter, die du offenbar allein groß ziehst. Er wohnt in einer eigenen Wohnung wo er regelmäßig seinen großen Töchtern alles hinterher trägt, während er sich mit eurer Tochter nur wenig beschäftigt und an den Wochenenden alles mögliche andere vorhat. Wenn seine Töchter nicht da sind, also unter der Woche, ist er dann bei dir oder auch bei sich?

    Gut, nun ist eure Tochter erst 1 Jahr alt und Männer können mit so kleinen Kindern oft noch nicht soviel anfangen, aber das ist trotzdem kein Grund, sich nicht zu kümmern, keine Ausflüge mit euch zu machen und auch noch über den gemeinsamen Urlaub zu schimpfen.

    Ich höre in vielem von dem was er sagt, leere Worte. Er vermisst euch ja sooo schrecklich… ja ne ist klar, deswegen fährt er auch 2 Wochen mit den großen Töchtern alleine weg. Du bist so eine tolle Mutter, du schaffst das alleine, seine Ex ja nicht… Ähem ja, das mag stimmen. Also ganz bestimmt bist du eine tolle Mutter UND er ein Vater, der sich aus der Verantwortung für euer gemeinsames Kind zieht und vordergründig nur für die großen, armen Trennungskinder da ist. Und an dem was LillyChantilly schreibt finde ich harte aber wahre Worte:
    „Ich würde ihm dann in Aussicht stellen, dass ich für die gemeinsame Tochter auch diese Bevorzugung will, und man das nur als Ex bekommt, wäre das das erste was leicht zu ändern wäre…“

    Bei uns ist es manchmal ähnlich. Mein Mann nimmt sich viel Zeit für seinen Sohn wenn er da ist, machen auch immer mal wieder alleine was. Für unsere Tochter nimmt er sich manchmal nicht mal 5 min am Tag ohne nebenbei noch was anderes zu machen… er sieht sie ja immer. Er hat damals selbst mal gesagt, wäre die Trennung nicht gewesen, hätte er unter der Woche bzw. generell nicht soviel Zeit mit seinem Sohn verbracht. Ich meine, das sagt doch alles. Manchmal denke ich auch, wir müssten uns mal trennen, damit er merkt, dass ihm seine Tochter fehlt und er es im Alltag verpasst hat, Zeit mit ihr zu verbringen. Sie ist gerade in einer schwierigen Phase, aber das ist für mich noch lange kein Grund sich nicht mit ihr zu beschäftigen. Im Gegenteil. Gerade braucht sie einfach etwas mehr Aufmerksamkeit.

    Was euch betrifft, plant ihr denn eigentlich irgendwie zusammenzuziehen oder soll das weiter so laufen mit 2 Wohnungen? Wenn ihr an der Beziehung festhalten möchtet, solltet ihr euch ggf. Hilfe von außen holen. Jemand der vermittelt, der dem anderen die Gefühle ohne Vorwürfe mitteilen bzw. erklären kann.

    Dass du Eifersüchtig auf die Töchter bist, verstehe ich und doch liegt das Problem, wie auch schon LillyChantilly schreibt nicht bei den Töchtern, sondern beim Vater. Er gibt dir das Gefühl, dass seine Töchter wichtiger sind.

    Ich wünsche dir viel Kraft…
    LG Daka.

  • #7857

    Josi
    Teilnehmer

    Liebe Julia,ich bin Vollzeitstiefmutter und muss daher auch so Einiges einstecken.Der Sohn meines Mannes lebt seit seinem 10. Lebensjahr,nun seit 5 Jahren,bei uns.Die Mutter stellte ihn vor unsere Türe und ging ihrer Wege,kümmert sich mal,mal nicht.Nun hat auch mein Stiefsohn viele Eigenareten mit denen ich mehr oder weniger klar komme.Mein Mann sieht Vieles anders als ich,vielleicht auch logisch,denn das eigene Kind sieht man immer anders,sieht über Fehler hinweg.Bis jetzt finden wir immer wieder eine gemeinsamen Linie,jeder muss mal nachgeben.Aber wenn es so wäre wie bei dir,dann wäre ich weg und zwar ganz schnell.Denn man kann nicht immer nur 2.Geige sein,das hält keiner aus.Erkläre ihm deine Denkweise,sage ihm wie verletzt du immer wieder bist,aber sage ihm auch,dass du nicht gewillt bist für immer so weiter zu leben.Nur wenn er spürt,dass es dir wirklich ernst ist,mit deinen Aussagen und du auch eine Trennung in Erwägung ziehst,wird er sich vielleicht ändern.Und wenn nicht?Ganz ehrlich,dann hast du nichts verloren,denn Liebe ist das dann nicht.Viel Kraft,geh deinen eigene Weg mit deinem Kind.L.G.Jana

  • #7859

    Donnaserpente
    Teilnehmer

    Hallo Julia,

    ich habe den Worten der anderen nichts hinzuzufügen. Außer, dass ich Deine Geschichte ganz furchtbar traurig finde. Ich wünsche Dir viel Energie, um das alles zu meistern.

    Alles Gute,
    Donna

  • #7860

    Julia Jaeger
    Teilnehmer

    Danke für Eure ehrlichen Worte. Ich habe ihm gesagt was ich fühle und empfinde, und was auch dieses Verhalten von ihm in mir auslöst.
    Er hat mir sehr still zugehört. Gemerkt dass ich am Rande bin, die Beziehung wirklich zu beenden. Ich habe ihm schriftlich ausgerechnet wieviel Zeit er mit der Kleinen verbringt. Wieviel mit den Großen. Dass wenn ich morgens, mittags und abends alles regle, ihn nicht nach getaner Arbeit zum Kuscheln brauche. Ich habe ihm bewusst gemacht, dass ich auf meinen Sohn mehr zählen kann. Was ich auch kann, weil er ein wundervoll verantwortungsbewusster Mensch ist. Aber das ich mir das doch von meinem Partner wünsche.

    Nach Tränen in den Augen, musste er erst einmal verschwinden. Als er zurück kam, hat er meine Wut und Trauer aber verstanden und mir Recht gegeben. (In meinen Augen noch nicht wirklich)

    Er verwöhnt die Kinder aus einem schlechten Gewissen heraus. Möchte ihnen noch solange gönnen, mit der Ansicht, dass sie ja eh bald eigene Wege gehen werden und ihn nicht mehr brauchen.
    – Als ich ihm gesagt habe, dass unser Kind aber irgendwann die Trennlinie ziehen wird und er sie dadurch definitiv verlieren wird (und das mit mir zusammen), sind seine Gefühle gänzlich zusammen gebrochen.

    Ich habe mich nach meinen Worten von ihm verabschiedet und bin in meine Wohnung gefahren. – Damit er in der Nacht nachdenken konnte.

    Heute hat er sich frei genommen um mit uns Zeit verbringen zu können. Unsere Tochter hat sich ihn vergnügt geschnappt und stundenlang auf dem Teppich gespielt. Er war erstaunt was sie schon kann, wiederum traurig was er alles verpasst hat.

    Die nächsten Tage möchte er frühzeitig Feierabend machen und mit der Kleinen ein Abendritual einführen wo er eine Rolle spielt. Diese Zeit soll ich für mich nutzen, ggf. um auch mit meinem Sohn was unternehmen zu können.

    Seine großen Kinder, die er alle zwei Wochen betreut, wird er weiterhin „kulturell“ verwöhnen um das Defizit der Mutter auszugleichen. Er würde sich zwar freuen, wenn ich daran teilnehmen würde, kann aber verstehen dass ich mich unter Ausnahmen wie Weihnachten und Geburtstag dagegen entscheide.

    Da ihre Mutter mich nicht leiden kann, und es den Kindern immer wieder spüren lässt mich nicht mögen zu dürfen, wird das wohl in dem Alter in denen sich die Kinder befinden auch keinen Sinn ergeben.
    Sie sind am Anfang ihrer Pubertät und mit sich selbst genug beschäftigt.

    Im Oktober, nach Ende meiner Elternzeit, werden wir zusammen ein Haus anschauen wo er seine Arbeit mit Familie verbinden kann. Wie es dann mit seinen Töchtern sein wird, mag ich mir nicht ausmalen. Dass sie sich an meine Regeln halten müssen, werde ich ihnen dann schon bewusst machen. Sie werden die gleichen Aufgaben wie mein Sohn machen müssen, und am Tisch essen wie alle anderen.
    Das habe ich ihm im Vorfeld schon bewusst gemacht. 😉
    Möchte ja keine Missverständnisse haben.

    Ich möchte die Beziehung wirklich nicht vorschnell beenden oder aufgeben. Aber zu einer Beziehung gehören Zwei. Und dieses ständige buhlen möchte ich nicht mehr. Ich bin eine eigenständige Person und brauche das nicht.

    Und meinen Urlaub werde ich definitiv getrennt von ihm machen. Ich möchte mir keine Gedanken machen, sondern entspannen.
    Ich bin gespannt ob er es schafft sich zu ändern. Ich wünsche es mir wirklich. Ich möchte das unsere Tochter selbstbewusst groß wird, und nicht von Anfang ihrer Kindheit an Selbstzweifel haben muss.
    Sie soll keine Rivalen als Geschwister haben. Und ich möchte auch nicht die Rivalin für seine Töchter sein. Vielleicht schaffen wir es noch uns anzufreunden. Irgendwie eine Patchwork Family zu werden.
    Wünsche euch was 🙂 Julia

    • #7864

      Daka
      Teilnehmer

      Liebe Julia,

      du bist einen ersten, wichtigen Schritt gegangen und hast dich geöffnet. Er hat dir zugehört. Das ist ein guter Anfang. Ich hoffe und wünsche dir, ihr schafft es gemeinsam, daraus etwas zu machen.

      Halte uns gerne auf dem laufenden…über Fortschritte oder Rückschritte (die es sicher auch hin und wieder geben wird), bleib dran und arbeitet an euch und eurer Beziehung…

      Alles liebe,
      Daka.

  • #7892

    Pinocchio
    Teilnehmer

    Liebe Julia
    Ich habe deinen ersten Bericht gelesen und wollte antworten, musste dann zum kleinen und später kam ich nicht mehr dazu. Nun hat sich da sehr viel getan bei Euch! Ich gratuliere deinem Freund für seine Einsicht! Und dir für den Mut, ihm die Augen zu öffnen. Ihr seid auf dem richtigen Weg. Nun wird es viel Gegenwind geben und die Kämpfe können sehr perfid sein. Ihr habt die eigentliche Herausforderung noch vor Euch! Tochter 1 wird ihren Platz nicht ohne weiteres hergeben und ich bin sicher, dass auch sie ihre pubertäre Intelligenz nutzen wird um gnadenlose hinterhältige Spiele aufzuführen um ihren ersten Platz an Vaters Seite zu verteidigen. Dies wird den Vater enorm schmerzen und manches mal wird er wanken.
    Du weisst jetzt, was dein Freund wirklich will: er möchte mit dir glücklich sein. Das ist die Zielrichtung, die ihr verfolgen sollt.
    Behalte du dieses Ziel im Herzen, sei dir dieses Ziels gewiss: Du BIST die Liebe seines Lebens. Aber dräng es ihm nicht auf. Lass ihm Zeit, hab Geduld und lecke die Wunden der Verletzungen, welche die Eifersucht zurückgelassen hat. Fokussiere dich NICHT auf seine Kinder! Solange du eifersüchtig bist, wirst du dich in jeder Handlung der Tochter 1 bedroht fühlen. Trotzdem sollst du Grenzen setzen, aber nur wenn es konkret um dich und/oder eure Tochter geht. Das Ganze ist eine Gratwanderung und wird belastend sein. Suche jemanden, der/die deine Wut über Tochter 1 verstehen kann. Es tut gut, seinen Frust loszuwerden, aber nicht bei deinem Freund, denn er braucht Unterstützung in seiner Trauer über die „Veränderung“ seiner Kinder. Diese waren schon vorher so, aber da sie alles bekamen. Was sie verlangten, gab es ja keine Probleme,bzw fiel es nicht auf. Im Leben ist es nunmal so, das man zurückstehen muss. Der Tochter selber wird es auch gut tun, nicht Vaters „Geliebte“ zu sein, sondern selber eine Beziehung zu einem nicht-verwandten Menschen zu führen. In jeder Beziehung gibt es ‚geben und nehmen‘ und das scheint das Unangenehme an diesen Beziehungen zu sein.

    Erstmal würde ich den nächsten Urlaub festlegen. Was wünscht ihr Euch? Was wünschst du? Was wünscht sich dein Freund?

    Gemeinsame Wohnung: würde ich noch nicht machen, angesichts der Probleme, die auf euch zukommen werden. Aber das müsst ihr selber wissen.

    Unterstütze ihn in seinem tiefen, inneren Wunsch, Glücklich zu sein. Er wird des öfteren noch verwirrt werden. Das schlechte Gewissen geht nicht einfach weg.

    Ich wünsche dir viel Kraft und sehr viel Geduld, aber auch Freude mit deinen Liebsten. Versuche nicht eifersüchtig auf seine Tochter zu sein. das raubt dir nur die Kraft. Irgendwann wird er sie nämlich durchschauen, weil sie zu weit ging. Das kann Jahre dauern.
    Fokussiert euch auf eure schönen Momente! 🙂

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