Akute Hilfe benötigt

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Dieses Thema enthält 1 Antwort und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Daka vor 3 Monate.

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  • #7163

    chrissy2017
    Teilnehmer

    Hallo zusammen, ich habe vor einigen Monaten schon einmal einen Beitrag geschrieben. Heute benötige ich dringend Hilfe. Habe das Gefühl, ich werde verrückt.
    Ich bin 32 und seit 1,5 Jahren in einer sehr glücklichen Beziehung mit einem Vater eines 4 Jährigen Jungen, der bei uns lebt. Seine Mutter sieht er alle zwei Wochen am Wochenende und in den Ferien unregelmäßig.
    Anfangs hatte ich Probleme, meine Gefühle richtig zu deuten. Ich habe oft Ablehnung verspürt und konnte mit den Annäherungsversuchen des Kindes nicht richtig umgehen. Ich habe Liebe erwartet, die sich aber nicht eingestellt hat, zumindest nicht so, wie erwartet. Das hat in mir sehr großen Druck aufgebaut. Irgendwie hat sich die Lage dann aber entspannt und wir haben ein sehr enges Verhältnis aufgebaut in den letzten Monaten.

    Da mein Partner und ich beide berufstätig sind, haben wir uns die Tätigkeiten, was den Kleinen angeht aufgeteilt. Ich bringe ihn morgens in den Kindergarten und mache ihn auch fertig, mein Freund geht dafür früher arbeiten und holt ihn ab.
    Eigentlich war das auch alles kein Problem, auch wenn natürlich sporadisch der Papa nicht arbeiten sollte oder der Papa ihn bringen sollte. Eine kurze Erklärung, dass ich das durchaus verstehe, dass es aber nciht geht, hat dann auch ausgereicht.

    Wir haben uns im Alltag arrangiert und es wurde viel gekuschelt, geschmust und die Tatsache, dass ich ja „nur“ die Stiefmutter bin hat eigentlich keine Rolle gespielt.
    Mein Freund war nun 3 Tage unterwegs und direkt im Anschluss war der Kleine bei seiner Mutter übers Wochenende, ohne dass er seinen Vater noch einmal gesehen hat. Wir haben uns in den drei Tagen gut verstanden. Sogar schöne Dinge zusammen gemacht.
    Als er dann von seiner Mutter zurück kam, war irgendwie alles anders. Als Begrüßung gabs für mich einen Tritt vor das Schienbein, vollkommenes Ignorieren von dem was ich gesagt habe folgten.
    Der Papa musste ihn ins Bett bringen und lediglich das morgendliche in den Kindergarten wurde akzeptiert. Direkt am nächsten Tag wurden im KIGA Fotos für die Eltern gemacht. ALs Muttertags/Vatertags Geschenk. Mein Freund war dort, ich musste arbeiten. Die Mutter des Kleinen war nciht dort.
    Er hat für jeden Elternteil ein Foto mit nach Hause bekommen und hat mir dann beim Frühstück am nächsten Tag um die Ohren gehauen „Das eine Foto sei Für Mama und ihren Freund und das andere NUR für Papa. Nicht für dich. Für dich habe ich nichts gemacht.“ Das hat er ungefähr 5 Mal wiederholt, bis der Stachel so richtig tief saß. Ich habe mit erstickter Stimme geantwortet, das sei in Ordnung und habe mich auf Toilette verzogen um zu weinen.

    Heute sollte unbedingt Papa ihn zum KIGA bringen. Ging aber nicht. Als wir dann dort waren, kam er auf meinen Schoß zur Verabschiedung, da hab ich ihm gesagt, dass ich es schön finde, dass ich ihn bringen konnte, obwohl er eigentlich ja wollte das Papa das macht. Da meinte er „Ja, aber du stinkst. Papa stinkt nicht.“

    Ich bin gerade beruflich noch sehr gestresst und das wirft mich jetzt total aus der Bahn. Ich weiß, dass ich es nicht persönlich nehmen sollte. Dass es wahrscheinlich eine Phase ist. Dass ich mich zurückziehen sollte und ihm Freiraum geben sollte etc. Nur, es beschäftigt mich den ganzen Tag. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Ich recherchiere nach Therapieplätzen für mich, nach Beratungsstellen für mich und meinen Freund und zweifle gerade meine komplette Persönlcihkeit an.
    Was habe ich falsch gemacht, wieso reagiert er so, was muss ich tun etc.

    Meinem Freund tut das alles sehr leid, er sagt ich soll es nciht ernst nehmen und mir nicht zu Herzen nehmen.
    Er versteht es nicht, dass es mich so mitnimmt.

    Habt ihr einen Rat, wie ich zumindest kurzfristig wieder klar kommen kann? Habe wirklich gerade das Gefühl, völlig aus der Bahn geworfen zu sein. Als wäre die Tatsache, dass dieser kleine 4 Jährige motzig und abweisend zu mir ist, mein gesamter Lebensinhalt.

    Ich bin dankbar für alles, was ihr mir geben könnt an Tipps.

  • #7165

    Daka
    Teilnehmer

    Liebe Chrissy,

    oh man, das ist echt hart!!! Du gibst alles für den kleinen Mann und er beleidigt dich im Gegenzug. Das nimmt dich richtig mit und am liebsten würdest du alles hinschmeißen.

    Wie du richtig erkannt hast, gab es wohl einen Auslöser. Er war 3 Tage bei dir, ohne Papa und dann das Wochenende bei der Mutter. Hast du eine Vorstellung was dort passiert sein könnte? Könnte es sein, dass er an dem Wochenende bei seiner Mutter von dir geschwärmt hat weil ihr eine so schöne Zeit zusammen hattet und seine Mutter daraufhin unwirsch reagiert hat und er nun mitten in einem Loyalitätskonflikt steckt? Irgendwas ist passiert, dass er seine Gefühle dir gegenüber unterdrückt bzw. gar gegenteilig rausschleudert. Ich habe mittlerweile ein Gordon-Familientraining gemacht, was mir unglaublich geholfen hat. Das basiert auf der „Familienkonferenz“ von Thomas Gordon und hilft so zu kommunizieren, dass allen geholfen wird und sich jeder angenommen fühlt. Knackpunkt ist das aktive Zuhören um überhaupt erstmal rauszufinden was das Problem ist. Das hier zu erklären wäre jetzt etwas viel, aber wenn du eh nach Therapien suchst, guck doch mal ob du in der Nähe ein Gordon-Familientraining oder auch eine Beratung findest. Auf dem Gewünschtesten Wunschkindblog sind auch zwei sehr gute Artikel dazu, die kannst du als gutes Beispiel und zur Einstimmung dazu mal lesen. Die Familienkonferenz kostet auch nur 10 € ist aber etwas anstrengend zu lesen und meiner Meinung nach nicht ohne weitere Übung direkt umzusetzen.
    „Das eine Foto sei Für Mama und ihren Freund und das andere NUR für Papa. Nicht für dich. Für dich habe ich nichts gemacht.“ Nach Gordon hättest du darauf zum Beispiel antworten können: „Oh, du bist wohl richtig sauer/wütend auf mich“. Entschlüsseln der Botschaft… interessant wäre es was er darauf sagt. Denn vermutlich weiß er ja selbst nicht, was plötzlich sein Problem mit dir ist, aber das Spiegeln hilft ihm vielleicht, das herauszufinden.

    Auf jeden Fall sehe ich es auch so, er hasst dich nicht plötzlich, sondern hat ein ANDERES Gravierendes Problem und du bist unglücklicherweise das Ventil um seinen Gefühlen Ausdruck zu geben. Das ist fast sogar eine „Liebeserklärung“ bzw. Vertrauensbeweis, denn am blödesten benehmen wir uns meist den Menschen gegenüber die uns am wichtigsten sind. Ich weiß, das macht es nicht einfacher, aber vielleicht wenigstens minimal verständlicher. Fragt ihn nicht aus, da wird er nicht antworten, weil er ja selbst nicht weiß was sein Problem ist, aber versuch es mal mit dem aktiven Zuhören… wenn er sowas doofes zu dir sagt, dann sagst du einfach mal – ganz ohne Vorwürfe – „Oh, du bist aber wirklich sauer auf mich“ (welche Gefühlsbeschreibung du nimmst musst du dann in dem Moment entscheiden). Und dann warte mal wie er reagiert. Wahrscheinlich müsst ihr einige Schleifen gehen (sicher spielt seine Mutter da irgendwie noch mit rein), aber vielleicht offenbart sich am Ende sein eigentliches Problem und wenn er es verbalisiert hat, löst es sich möglicherweise von selbst.

    Zeig ihm auch ruhig deine Gefühle, bleib authentisch. Wenn es dich traurig macht, wie er reagiert, sage ihm das ruhig. Und auch, dass du dich hilflos fühlst.

    Wenigstens scheint dein Partner dich jetzt zu unterstützen, aber offensichtlich ist er schon auch überfordert mit der Gesamtsituation. So lange Kitazeiten sind für einen 4-jährigen schon auch sehr anstrengend, irgendwann muss der Druck abgelassen werden…

    Ich habe großen Respekt vor dem was du leistest, du opferst viel. Vergiss dich selbst dabei nicht, nimm dir Auszeiten für dich alleine um auch mal zur Ruhe zu kommen.

    Ich hoffe das hilft dir ein bisschen, ich drücke die Daumen, dass ihr das eigentliche Problem findet und ihm helfen könnt es zu lösen.

    LG Daka.

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