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Zweitbesetzung und Zweitfrau – Im Leben funktioniert das nicht

Zweitfrau Zweitbesetzung

Heute stelle ich einmal eine provokative Frage. Seid Ihr seine Zweitfrau oder seine große Liebe? Beginnt Euer Partner mit Euch eine ernsthafte neue Beziehung mit neuen Mustern? Oder will er seine gescheiterte Beziehung nur mit neuer Besetzung weiter leben? Viele Stiefmütter nehmen sich zurück, empfinden sich als Zweitfrau oder Zweitbesetzung. Dadurch machen sie es den Kindern und auch den Männern aber überhaupt erst möglich, sie zur „Zweitfrau“ zur „Ersatzbesetzung“ der Rolle zu machen, die vorher eine andere Frau inne hatte.

Bin ich Zweitbesetzung?

Im Prinzip ist es ähnlich wie in einer Fernsehserie, in der eine durchgehende Rolle einfach neu besetzt wird. Erinnern sich jemand an „Dallas“? Erstbesetzung Miss Ellie wurde eine Staffel lang von Donna Reed statt von Barbara Bel Geddes gespielt. Oder in der Konkurrenzserie „Denver Clan“ wurde die Rolle der Fallon Colby erst durch Pamela Sue Martin gespielt, dann durch Emma Sams. Ich maße mir kein Urteil über die Schauspielkünste der jeweiligen Darsteller an, aber der Zuschauer war entsetzt. Nicht etwa weil eine Dame schlechter spielte als die andere, sondern weil man nun einmal einen Menschen nicht durch einen anderen ersetzen kann.

Bleibt alles wie gehabt – nur in neuer Besetzung?

Wenn ein Mann nach einer Trennung einfach versucht den Status Quo wieder herzustellen und innerhalb kürzester Zeit eine neue Frau in sein Leben holt, mit der gefälligst alles so weiter gehen soll wie zuvor, wird es schwierig. Wenn diese Frau sich dann auch noch bereitwillig auf den Platz der ersten Frau setzt und damit verhindert, dass sie einen neuen, einen eigenen Platz findet, wird es noch schwieriger. Sie läuft Gefahr, zur Zweitbesetzung zu werden.

Folgenden Brief schrieb mir Carmen:

„Ich brauche dringend einen Rat. Ich habe einen Witwer geheiratet mit zwei Jungen (10, 13) somit bin ich ihre Stiefmutter. Der Jüngere hat eine Erkrankung (Behinderung) und braucht sehr viel Aufmerksamkeit. Ich selbst habe zwei erwachsene Töchter, die nicht mehr zu Hause wohnen. Ich lebe im Haus, wo die verstorbene Frau lebte. Manchmal fühle ich mich nur als Ersatz, denn mein Mann möchte gerne, dass wir vier eine Familie sind. Trotzdem, dass meine Töchter erwachsen und selbstständig sind, brauchen sie mich oft, sie haben auch nur mich. Dieser Spagat jedem gerecht zu werden, wird für mich immer schwieriger.

Ich vermisse meine Kinder sehr, da beide nicht in der Nähe wohnen. Mein Mann wünscht sich, dass ich hier glücklich und zufrieden bin. Denn schließlich habe ich jetzt eine Familie. Wie schaffe ich das? Nur Hausfrau zu sein ist auch nicht mein Wunsch gewesen. Besonders eine Tochter braucht meinen Rat im Moment oft und das gefällt meinem Mann nicht. Ich kann nicht vor Glück strahlen, wie von mir erwartet wird. Außerdem habe ich oft die Sorge, es nicht zu schaffen, weil ich doch anders bin, als seine verstorbene Frau. Freue mich über Ratschläge! Viele Grüße, Carmen

Bin ich austauschbar? Nein. Also kann ich auch kein Austausch sein!

Carmens Mann wünscht sich, dass sie glücklich und zufrieden ist. Denn schließlich habe sie jetzt eine Familie. Hui!!!! Hat Carmen wirklich eine neue Familie, oder hat ihr Mann sich einfach nur eine Zweitbesetzung für die Rolle der Frau in seinem Haus engagiert? Ich sprach für mein Buch mit einer Schuldirektorin über das Phänomen der Zweitfrau in Zweitbesetzung. Carmen ist nämlich nicht die einzige Stiefmutter, die mir derartige Probleme schilderte.

Die Direktorin meinte: „Viele Männer sitzen hier in einem Jahr mit der ersten Frau vor mir und im nächsten oder übernächsten Jahr mit der Zweiten. Geändert hat sich vielleicht die Optik der Frau, aber der Mann und sein Verhalten, sein Anspruch an die Frau, ist der gleiche geblieben. Und viel zu viele Frauen gehen darauf, zumindest anfänglich, bereitwillig ein. Die reden dann mit mir, als ob das Kind des Mannes auch ihr Kind sei. Als ob ich mir nur einbilden würde, dass im vergangenen Jahr noch eine andere Mutter dort saß. Und das tun sie deswegen, weil der Mann es ihnen so vormacht. Der spricht von „unserem Sohn“, das ist doch verrückt. Die Frau zuckt vielleicht anfangs leicht zusammen, im Grunde genommen ist sie mit ihrer Rolle als Ersatz aber zunächst ganz zufrieden.“

Liebe Stiefmütter, liebe Carmen, ich gebe dieser Schuldirektorin Recht. Mir scheint es auch oft so, als ob Männer die Frau an ihrer Seite beziehungsweise die Mutter ihrer Kinder für austauschbar halten. Machen Frauen ja oft nicht anders, wenn es um den Vater der Kinder geht.

Wie geht Euer Mann mit dem Verlust der vorherigen Beziehung um?

Was kann hier helfen? Es ist wichtig, wie Eure Männer mit dem Scheitern der Beziehung zur Mutter eures Stiefkindes umgeht. Sieht er, gesteht er sich ein, dass alles, was er an Visionen und Träumen mit der ersten Frau hatte, schief gegangen ist? Auf dem Müll gelandet ist! Die Gründe dafür sind zunächst egal. Gesteht er sich hier Trauer zu? Nur dann haben die zweite Frau, und damit auch die Kinder, eine Chance auf einen Neuanfang.

Viele Männer verdrängen ihre Trauer, wandeln sie zum Beispiel in Wut auf finanzielle Zuwendungen an die Ex um, und vergessen darüber ihre eigenen, ursprünglichen Ziele und Visionen. Warum eigentlich? Die Männer hatten doch auch einmal einen Lebensplan, vielleicht war das ja gar nicht der Plan, den sie mit der Ex-Frau gelebt haben. Trotzdem wollen sie jetzt das Lebensmuster der Ex-Frau mit einer Zweitfrau als Zweitbesetzung  weiter leben.

Vorsicht Falle!

Das ist eine Falle, in die viele Männer und mit ihnen die neuen Frauen laufen. Sie leben ein Leben, das vielleicht gar nicht ihren eigenen Vorstellungen entspricht, weigern sich aber, das in Frage zu stellen. Statt gemeinsam mit der neuen Frau ein eigenes, neues, gemeinsames Lebensziel, neue gemeinsame Visionen zu entwickeln.

Natürlich ist das eine schwierige Situation für die Zweite Frau. Was soll sie machen? Ich kann mich ja schlecht von meinem Mann trennen, nur damit er die Gelegenheit zur Trauer über die vorhergehende Beziehung bekommt. Was ich aber jederzeit tun kann, ist, meine Rolle zu definieren.

Bin ich seine Zweitfrau oder bin ich seine große Liebe?

Ich kann mich fragen, wer ICH eigentlich für ihn bin. Bin ich die nächste, die zweite, die dritte, wie auch immer Frau? Oder bin ich die Liebe seines Lebens? Beginnt er mit eine ernsthafte neue Beziehung mit neuen Mustern oder will er seine gescheiterte Beziehung mit neuer Besetzung weiter leben?

Stellt Eurem Mann (und Euch) doch mal folgende Frage: Bin ich Deine Zweitfrau oder bin ich die Frau Deines Lebens? Bist Du heimlich immer noch traurig, dass mit der ersten Frau alles vorbei ist, oder hast Du eine ganz neue Dimension für dein Leben gewonnen – Mich? Natürlich gehört Mut dazu, sich und dem Partner diese Frage zu stellen. Und es gehört auch Mut bei den Männern dazu, Euch diese Frage ehrlich zu beantworten. Aber nur so könnt Ihr einen eigenen Weg für Euch finden. Eine eigene Rolle spielen – Als Erstbesetzung!

Susanne


Bitte E-Mail mit Stichwort „Zweitfrau – Zweitbesetzung“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einfach einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.Foto: Stocksnap

16 Kommentare

  1. meikes sagt

    …bei mir (uns) ist es ganz anders. Ich glaube nicht, dass ich die große Liebe meines Partners bin, sondern dass dies seine Frau war (ist) und ich nur ihr Ersazt sein sollte.

    Ich wünsche mir aber eine stabile und glückliche Beziehung mit diesem Mann und dass wir mit unserer 5 Monate alten Tochter (die er nicht wollte) eine glückliche Familie werden.
    Mein Mann trauert seiner Familie (Frau, zwei Kinder) noch immer sehr hinterher (seit 6 Jahren). Wenn er von Familie spricht, meint er sie (ist auch immer noch nicht geschieden).

    Was mache ich, wenn ich meinem Partner die besagte Frage „Bin ich deine große Liebe oder die Zweitfrau?“ stelle und mit der Antwort nicht zurecht komme, bzw. welche konsequenzen ziehe ich aus der Antwort???

    • Hallo meikes, warum in aller Welt denkst du, sei diese Frau seine grosse Liebe und du nur ein Ersatz? Dann müsstest du dich schnell trennen…
      Denk mal nach: Wäre diese Ehe so wunderbar gewesen, wie er sie jetzt hoch hält, so wäre er doch noch mit ihr zusammen! Es braucht zwei um eine Ehe ins Aus zu fahren, besonders wenn Kinder an Bord sind, da gibt man nicht so schnell auf.
      Also ist es eher das Gefühl, er habe versagt, das ihn beschäftigt und immer wieder an die Ex erinnert. Sein eitler Stolz, der verletzt ist und um diese Verletzung nicht erfahren zu müssen, tut er so, als ob alles super gewesen wäre und er ein wunderbarer Ehemann und es diese Trennung gar nie gegeben hätte. Mag ihm wohl tun, aber dich verletzt es.
      Mein Tipp: frage ihn nicht, es bringt nur Verunsicherung oder er wäre zutiefst beleidigt, dass du an seiner Liebe zweifelst, und mach dir klar: die Exbeziehung ist aus! Das hat seine Gründe, sonst wär sie nicht aus! Er ist seit mind.14 monaten an DEINER Seite! Und bei einer möglichen Tennung von dir, würde er allen sagen: „die zweite Ehe ging zu Brüche, dabei war sie meine grosse Liebe!“ Die meisten Männer können mit Babies noch nicht viel anfangen.

  2. Bärbel sagt

    Hallo Susanne,

    ich seh es so – mir ist bewusst, dass es vor mir ein Leben und eine Liebe gab, aus dieser Liebe sind 3 Kinder entsprungen und sie hat 20 Jahre gehalten (haben sich verdammt jung kennengelernt), auch wenn die letzten 6 Jahre nur mehr ein „unter einem Dach wohnen der Kinder zuliebe war“, laut seiner Aussage. Die Scheidung kam auch von ihm.

    Mein Mann in spe (werden Anfang Juni dJ heiraten) und ich sind nun 5 Jahre zusammen, leben esit 4,5 Jahren unter einem Dach… quasi nur ein Viertel von der vorigen Beziehung.

    Dass NUR ICH seine große Liebe des Lebens bin, wäre eine glatte Lüge seinerseits, auch wenn er jetzt, wie du so schön geschrieben hast: „eine ganz neue Dimension für sein Leben gewonnen – Mich!!!!“, den ich bin das Gegenteil von seiner Ex-Frau und genau DAS liebt er an mir.

    Aber wenn er mich ansieht und sagt, er will das restliche Leben mit mir verbringen, brauch ich keinen emotionalen Wettstreit mit der Ex eingehen. Er hat ein altes Leben mit ihr, nun hat er ein neues, hoffentlich längeres Leben mit mir als seine Gefährtin.

    Auch wir haben unsere eigenen Rituale entwickelt, unsere eigenen Pläne, nichts wird so fortgesetzt wie es die beiden in früheren Zeiten hand habten.

    Die beiden werden die Kinder immer verbinden und sie haben was das angeht ein gutes Verhältnis, als Eltern! Ich unterstütze das, denn ich erwarte nun selbst wenn alles gut geht im September ein Kind von diesem Mann und ich weiß, sollte das mit uns irgendwann nicht mehr funktionieren, habe ich trotzdem einen Vater, der sich auf seine Kinder schaut und Verantwortung übernimmt.

    Was mich angeht, JA er ist meine große Liebe und wird es hoffentlich immer bleiben. Ich hatte vor ihm zwar einige, aber keine lange Beziehung und kein „ich bin zu Hause“ Gefühl 🙂

    Liebe Grüße
    Bärbel

    • Susanne Petermann sagt

      Liebe Bärbel,
      ein sehr schöner Hinweis, den Du da gibst. Natürlich (hoffentlich) hat mein Partner die Frau mit der er Kinder hat auch geliebt. Anders als mich vielleicht, aber auch sie war seine Liebe. Ich muss nicht seine EINZIGE große Liebe sein, seine LETZTE reicht völlig.
      Herzlich, Susanne

  3. Susanne Petermann sagt

    Per EMail:
    Liebe Susanne,

    habe alles im Blog gelesen.
    Es ist erschreckend, auch mein Mann sagt immr: „Unsere Söhne“ ob in der Schule oder Optiker oder sonst wo.
    Ich weiß, dass ich gerade sehr überfordert bin und fühle mich nicht mehr sicher in „meinem“ Doppelleben.
    Welches ich nicht gesucht habe.

    Doppelleben in dem Sinne: neue Familie und Mutter zweier erwchsener Töchter zu sein.
    Ich werde auch hin und wieder verglichen mit der ersten Frau, höre oft: „sie war lieb, sie hatte so nicht geredet.“
    Da sage ich immer nur: „Sie hatte auch keine weiteren Kinder vorher, die sie alleine großgezogen hat.“
    Es kommt nicht wirklich an.

    Vermutlich hat er nie genug getrauert, sondern schnell nach einem „Ersatz“ gesucht.
    Mein Mann sagt, er liebt mich. Ich glaube ihm.
    Aber manchmal fühle ich mich eben am falschen Platz.
    Daher meine Frage, mein Mann hat keine EX Frau. Er ist Witwer.
    Gibt es solche Fälle auch?

    Wäre dankbar für Infos oder sogar Kontakte zu genau solchen „Stiefmüttern“.

    Liebe Grüße Carmen

    • Alex sagt

      Hallo Carmen,

      ich sehe Deine Ängste/Probleme, aber ich habe den Eindruck dass Du Dir das Leben an einigen Stellen nur unnötig schwer machst. Ich finde den Standpunkt von Galadriel gut: „Ich bin seine Frau, er mein Mann. Punkt. Wir lieben uns und bauen UNSER Leben auf.“ So sollte es sein, dann macht man sich keine schweren Gedanken, und damit verbunden leider auch nur allzu oft unnötige Streitereien.

      Wie kommst Du z.B. darauf dass Du nur ein Ersatz bist, „denn mein Mann möchte gerne, dass wir vier eine Familie sind“. Hallo!!! Was möchtest Du denn ???

      Kein Mann heiratet in dieser Situation seinen Ersatz. Wie soll das Aussehen, ein Witwer mit 2 kleinen Kindern sucht zur Bewältigung des schweren Schicksalsschlags einen Ersatz, den er dann heiratet? Niemals !!! Wenn er Dich geheiratet hat, dann liebt er Dich. Andernfalls würde er Dir den Himmel auf Erden versprechen, aber niemals heiraten. Hätte er Dich nicht geheiratet, könnte ich Dir u.U. folgen, so nicht.

      LG Alex

  4. Galadriel sagt

    Ist bei uns ebenfalls so. Ich bin seine Frau, er mein Mann. Punkt. Wir lieben uns und bauen UNSER Leben auf. Wir führen nicht das Leben von ihm oder mir mit einem anderen Partner, der eine Zeit lang den Lebensweg begleitet hat, einfach genauso fort. Schließlich hat dieses Leben nicht funktioniert und wir sind alle andere Menschen mit anderen Charakteren und Geschichten. Oder?

    Erstfrau, Zweitfrau…wann fängt man eigentlich zu zählen an? Bei der ersten Beziehung überhaupt??? Die Frau, die er mal geheiratet hat, ist Vergangenheit. Genauso wie der Mann, den ich geheiratet habe. Wir beide haben damals den Fehler gemacht, tatsächlich jemanden zu heiraten, den man nicht liebt. Gründe? Vielfältig. Thema für eine neue Diskussion 😉 In unserer Gesellschaft würde doch kein Mensch über derartige Bezeichnungen diskutieren, wenn keine Kinder vorhanden wären. Oder haben die „Nachfolgerinnen“ einer vorangegangenen Beziehung auch das Problem, wie sie bezeichnet werden? Nein. Da ist die Ex immer die Ex und die aktuelle Freundin die Frau an der Seite des Mannes. Und kein Mensch würde die Ex des Mannes in diesem Fall als „seine Frau“ bezeichnen – schon gleich gar nicht, wenn die „neue“ daneben steht.

    Nur wir „Stiefmütter“ müssen solche Szenarien erleben und uns mit allen möglichen Diskussionen herumschlagen, angefangen von der Bezeichnung überhaupt. Oh man. Wer bin ich denn in unserem Patchwork? In meinen Augen völlig klar. Ich bin hier Mutter und Mama. Weil ich einen eigenen Sohn mitgebracht habe, für den ich das bin. Da gibt es überhaupt nichts zu diskutieren. Und wie mich die beiden Töchter meines Mannes, die nicht meine leiblichen sind, bezeichnen, das ist ihnen überlassen. Sie entscheiden, was sich für sie am besten anfühlt. Aber ganz bestimmt bin ich nicht die beste Freundin von den beiden. Denn die hat ungefähr das gleiche Alter der Mädchen und lebt auch nicht bei uns, geschweige denn dass diese Verantwortung für die beiden Mädchen übernimmt oder sie erzieht. Oder eine Respektperson ist. Und ganz sicher bin ich auch nicht die Nachhilfelehrerin oder die Hausangestellte, Köchin, Putzfrau – wie es in unserem Fall die leibliche Mutter gerne hätte. Alles tun, aber Klappe halten und sich lediglich im Hintergrund halten. Nein, stimmt nicht. Am besten ich wäre gar nicht da, wäre aus dem Leben „ihrer“ Kinder eliminiert. Weil die Kinder ja ihr „gehören“. Auch ein anderes, interessantes Thema. Spielt aber hier mit rein. Denn die leibliche Mutter ist in unserer Familie, bei unseren Entscheidungen und in unserem Alltag draußen, wie ja prinzipiell die Bezeichnung „Ex“ auch signalisiert. Auch wenn sie das nicht akzeptieren will. Oder die Verfahrenspflegerin bei Gericht meint, ich solle aufhören, mich als Mutter darzustellen – nur weil das für die leibliche Mutter ein Problem ist, nicht für die Kinder! – für mich als Mutter meines Sohnes der schlimmste Satz des gesamten Verfahrens!!! Abgesehen davon, mich und mein Verhalten reglementieren zu wollen in meiner Abwesenheit.

    Es gibt nicht umsonst Bezeichnungen wie leibliche, rechtliche, soziale, moralische und ethische Mutter und Vater, also Eltern. Selbst Schiller meinte schon: Nicht Fleisch und Blut, das Herz macht uns zu Vätern (ergänzt: und Müttern). Und im alten Testament steht: Wer ein Kind aufzieht, heißt sein Vater, auch wenn er es nicht gezeugt hat (gilt dann doch auch für die Mutter, weil vor Gott und dem Gesetz alle Menschen gleich sind). Adoptiveltern werden sogar rechtlich als Mutter und Vater bezeichnet – sie sind aber auch nicht die leiblichen Eltern der Kinder, da stört sich keiner daran, wenn diese Kinder „Mama“ und „Papa“ sagen. In früheren Gesellschaften war Patchwork aufgrund der Sterblichkeit der Frauen bei Geburten oder der fehlenden Väter im Falle von Kriegen, ein weit verbreitetes Modell. Und auch in vielen heutigen Kulturen werden Kinder nicht nur von EINEM Vater und EINER Mutter aufgezogen. Sondern von mehreren. Nur wir haben ein gewaltiges Problem damit – also zumindest viele von uns.

    Aber zurück. Wir leben in der Gegenwart, denn diese ist die Vergangenheit der Zukunft. Jetzt werden die Weichen gestellt und neue Erinnerungen gebildet – mit neu gemischten Karten und zum Teil ohne die alten. Die Vergangenheit kann man (leider) nicht ändern, auch wenn sie immer wieder in die Gegenwart hineinspielt. Sie darf sie nur nicht kaputtmachen. Daher konzentrieren wir uns nach Möglichkeit auf das Positive, das wir JETZT haben. Auch wenn das beileibe nicht immer einfach ist und zum Teil Unmengen an Kraft kostet.

    Sorry, bin ein bisschen abgeschweift. Habe aber einfach zu viele Gedanken im Kopf durch das, was ich in den vergangenen 3,5 Jahren Patchwork erlebt habe…

    • Alex sagt

      Finde Deinen Standpunkt „Ich bin seine Frau, er mein Mann. Punkt. Wir lieben uns und bauen UNSER Leben auf“ klasse – nur so funktioniert es.

      Wenn man sich wirklich liebt, ist das der einzig richtige Standpunkt – nur so geht es.

      Wie gesagt, klasse Einstellung !!!

  5. kerstin sagt

    Ich kann auch behaupten, die große Liebe meines Mannes zu sein. Wir sind jetzt 9 Jahre zusammen, drei davon verheiratet.
    Anfänglich gab es diese Reibereien, sein Wunsch eine Familie zu sein. Das ist definitiv gescheitert. Diese schwierigen Kinder waren weder meine Familie, noch MEIN Besuch.

    Und je älter diese Kinder werden, desto mehr stellt der Gatte fest: Sie haben nichts von ihm und keine Werte, die sie von ihm übernehmen (wollen). Für ihn wären es Fremde.
    So erging es mir anfänglich. Fremde, die ich toll finden sollte. Deren Verhalten und Benehmen ich gutheißen sollte, obwohl ich es so oft unmöglich bis super peinlich empfand.

    Vor unserer Hochzeit hat der Gatte noch mal sehr deutliche Worte zu seinen Kindern gefunden und auch später erwähnt wie wir ihr Nichterscheinen werten und was das konkret bedeutet.
    Wir sind keine Familie, aber ein Ehepaar geworden. Mit identischen Vorstellungen vom Leben, Werten, Benehmen, Ordnung.

    Wie es mit ihm und seinen Kindern weiter geht? Man wird sehen, finanziell geht es ihnen noch sehr gut. Ansonsten haben sie sehr wenig, was sie einmal verbinden wird. Das wird aber auf beiden Seiten sehr deutlich.

    Ich habe anfänglich oft gesagt: Kümmern du dich um deine Kinder und ich mich um meine. Ich wollte gar nicht, dass er für meine Kinder irgendwas wird, oder irgend wie permanent in was rein quatscht. Trotzdem sind sie im Laufe der Zeit für ihn etwas vaterähnliches geworden. Wenn es grad passt und der jeweils andere erwähnt wird, dann als: „Mein Vater……“ Und umgekehrt sind „seine Kinder“ das, wo er mit Stolz drauf schaut.

    Manchmal sehr merkwürdig anzusehen, da mittlerweile auch der Opa meines Mannes bei uns lebt. Der ist das verbindende Glied, was die Geschichte irgendwie doch zur Familie macht. Denn er ist Opa vom Mann, ohne Zweifel meiner und auch meine Jungs sprechen mittlerweile von “ ihrem“ (ur-)Opa. Ebenso steht es für Opa nicht zur Frage, dass seine “ falschen“ Ur-Enkel seine sind. Gut, da nimmt man lieber die, die sich blicken lassen und kümmern.

    Seine Kinder hatten anfänglich 1000+1 Chance, sich irgendwie dieser Familien-Sache anzuschließen, doch in ihrer Welt gibts nur MAMA. Der Rest ist eh nix. Mama glaubt man: dein Vater ist ein Ar…., Wic…. Und Schlimmeres. Das sind die Helden: nicht lernen, nicht arbeiten, niemals aufräumen, Fäkalsprache benutzen…das ist deren Familie….

    • Das hast du toll geschrieben und ich hoffe mein Mann sieht das auch mal so. Seine Kinder haben nix mit uns oder ihm gemeinsam. Bekommen auch von der Mutter die falschen Werte vermittelt. Das kann man an Wochenendbesuchen niemals korrigieren oder hinbiegen. Ich denke auch über kurz oder lang wird es mein mann einsehen. Ich hoffe es zumindest. Die Kinder kommen auch nur weil Papa alles bezahlt, kauft und sponsort. Geben sie ja offen zu. Er opfert sich auf der perfekte liebevolle Vater sein zu wollen und die Kinder nutzen das leider schamlos aus. Das sieht jeder nur nicht er. Selbst meine Schwiegermutter. Und da sprechen wir ja von den eigenen Enkeln. Sie spielen leider auch meinen Mann gegen die Ex aus. Lästern hier wie scheiße daheim alles ist und das sich Mama nicht kümmert und sitzen bei Mama und lästern wie scheiße doch alles bei uns ist und was sie hier alles machen müssen und das man sie nicht in Ruhe 24 Std irgendwelche Ballerspiele spielen lässt.

      • Anonym sagt

        Hallo Ihr Beiden,

        ich finde es traurig wie es bei euch ist, aber durchaus verständlich, wenn die Kinder von der Mutter derart manipuliert und offensichtlich v.a. dermaßen geschädigt wurden, dass sie so geworden sind. 4 von 28 Tagen reichen leider wirklich nicht aus um sowas wieder gerade zu biegen. Leider können die Kinder nicht wirklich was dafür, denn Kinder werden nun mal meist so, wie ihre Eltern (in den Fällen dann eher Mütter) ihnen das vorleben – und nicht nur direkt, sondern auch zwischen den Zeilen.
        Ich habe lange gedacht, jeder kann sich ändern und hat etwas gutes in sich und wird irgendwann vernünfig. Vor einer Weile hätte ich also vielleicht auch noch geschrieben, dass die Kinder vielleicht irgendwann zu Vernunft kommen und merken, dass sie falsch lagen bzw. liegen. Mittlerweile zweifle ich aber auch daran (bei uns ist das allerdings eher im Hinblick auf die KiMu), denn wer der Überzeugung ist doch alles richtig zu machen, wird weder an sich zweifeln, noch sich ändern. Insofern ist es vielleicht bei euch die richtige Lösung einfach euer Ding zu machen….

      • Kerstin sagt

        Eine ungünstige Entwicklung, die sich aber von Anfang an abzeichnete. Quasi von den ersten gesprochenen Sätzen, Meinungen und Ereignissen an. Anfänglich wollte der Gatte noch immer alles „richtig und schön“ für die Kinder machen und sie blos nicht damit überfordern, dass wir hier anders leben. Er wollte sie ja nicht gleich vergraulen – durch Strukturen, Regeln, Benehmen, sondern war guter Dinge, dass er das alles vernünftig hin bekommt. Und als er selbst von ihrem Verhalten komplett genervt war, da war es dann zu spät.
        Da war nichts mehr mit „prägen“ oder „vorleben“. Die Hand wird noch aufgehalten und vorzugsweise erscheint man dann, wenn es ordentlich was abzugreifen gibt. Ansonsten hat man schlicht und ergreifend „keinen Bock“ mehr, sich hier irgendwie einzubringen. Die letzte Besuchsabsage war: „Mama hat Rückenschmerzen!“ (WOVON??? Vom vielen rumliegen? Und vor allem, WARUM ist das ein Grund??? Was tun sie, um das zu ändern???).
        Während ich den Gatten fragte, ob er das weiter nachgefragt hätte, hat er dann gesagt, dass er nur gesagt hat: „Ja, alles klar, dann bis zum nächsten Mal!“

        Zeigt aber gut – die aktuelle beiderseitige Situation. Er war erleichtert, dass abgesagt wurde – der Grund war ihm offensichtlich egal. Und die Kinder hatten schlicht und ergreifend keine Lust und hätten genau so gut sagen können: „Wir können nicht kommen, am Wochenende wirds regen geben…!“ (was die Sache genau so viel oder wenig erklärt hätte, wie dass die Mama Rückenschmerzen hat….).

        Nun ja – das alles ganz seltsam läuft, dass hat immerhin gut 5 Jahre gedauert, bis der Gatte das klar artikulieren konnte. Oft wollte er diese Dinge überhaupt nicht thematisieren oder besprechen. Jetzt nach 9 Jahren ist er klar in der Lage zu erkennen, dass es so eigentlich überhaupt gar nicht geht und er auch überhaupt nicht mehr gewillt ist, dass so hier „über sich ergehen zu lassen“. Du siehst also Mo – das braucht unheimlich viel Zeit und bei Männern wohl auch erst mal die Phase, wo sie das mit sich selbst irgendwie ausmachen, ohne es thematisieren zu können. Vermutlich eine Gewissenssache. Ala: „Mein Kind habe ich bedingungslos zu lieben und zu vergöttern, ganz egal, wie es sich aufführt, was es macht, oder nicht macht“.

  6. Daka sagt

    Liebe Susanne,

    vielen Dank für den tollen Artikel, mit vielen wahren Worten…viel häufiger oder wenigstens genauso oft kommt es aber glaube ich auch vor, dass Frau sich einen Zweitbesetzungsmann und Vater sucht.

    Ich kann nur für uns sprechen: Ich bin seine Frau des Lebens und definitiv nicht die Zweitbesetzung. Dazu muss man aber auch sagen, dass wir uns bis zur „echten“ Beziehung aber auch lange Zeit gelassen haben. Auch wenn das mit uns kurz nach der Trennung begonnen hat, so lief es im Prinzip noch gut 1,5 Jahre als „lockere“ Beziehung. Wir wohnten nicht zusammen und sahen uns auch nicht jeden Tag. Das Kind kannte ich bis dahin auch nicht (was okay für mich war). Ich bin dann für einige Monate ins Ausland und wir waren beide überzeugt, das wird das Ende unsere bisherigen Beziehung… und im Prinzip wurde es das auch, aber anders als gedacht… weil wir durch die große räumliche Trennung gemerkt haben, wie viel uns jeweils am anderen und der Beziehung liegt und wir dann endlich eine ernsthafte und tiefe Beziehung eingegangen sind und uns beide voll drauf eingelassen haben. Nach meiner (verfrühten) Rückkehr, bin ich direkt bei ihm eingezogen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (er hatte mittlerweile 2 Jahre lang alleine, ich ca. 5 Jahre alleine gelebt) haben wir unseren gemeinsamen Weg gefunden. Wir haben gemeinsame Träume, die wir uns verwirklichen – fernab von dem was er mit seiner Ex hatte. Aber ich muss betonen, wir haben diese 2 Übergangsjahre zur Findung und zum wirklich drauf einlassen gebraucht… und er vermutlich auch, um seine alte Beziehung zu verarbeiten.

    Bei ihr ist es so, dass sie ein wenig länger brauchte bis sie einen (festen) Neuen hatte und mit dem läuft jetzt alles so wie damals mit meinem Mann… und sie würde daher auch gerne meinen Mann komplett (bis auf das Finanzielle natürlich) aus ihrem und dem Leben ihres Kindes raus haben, denn sie hat ja jetzt einen neuen Mann, der doch wunderbar die Vaterrolle ausfüllen kann.

  7. Ich kann guten gewissens behaupten die liebe seines lebens zu sein. Er hat die erst frau nur geheiratet weil sie schwanger war und ihm eingeredet wurde das man das so macht.
    Er war immer totunglücklich in der ehe und er sagt auch öffentlich das diese frau der fehler seines lebens war.
    Um so glücklicher sind wir jetzt. Wir bekommen selbst nachwchs und 2015 fragte er mich bereits ob ich ihn heiraten möchte. Wir sind wie füreinander geschaffen und können behaupten: ja er ist die Liebe meines Lebens und ich bin seine

  8. Ich bin definitiv seine größte Liebe und er auch meine. Unsere Exen sind ja nicht ohne Grund unsere Exen. Wir haben uns von denen getrennt.
    Ich bin das totale Gegenteil von seiner Ex Frau und er auch das von meinem Ex Mann. Wir mussten uns deshalb ganz neu umstellen und ein neues Familienleben aufbauen mit den Kindern. Es funktioniert alles ganz wunderbar.

    • Genau schließlich trennt man sich nicht ohne Grund.
      Man will ja nicht wieder den gleichen Mist durchmachen

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