Die Stiefmütter
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Nie wieder Stiefmutter!

Nie wieder Stiefmutter. Foto: Stocksnap

Seit Freitag bin ich keine Vollzeit-Stiefmutter mehr. Der Sohn zog in seine erste eigene Wohnung. Mein Job ist getan. Das Nest ist leer. Und ich fühle mich noch leerer, geradezu ausgesaugt. Jede Nacht liege ich schlaflos und denke über Vergangenheit und Zukunft nach. Das eine kann ich nicht mehr ändern und das andere ist noch nicht da. Die Erlebnisse der vergangenen Jahre haben tiefe Spuren hinterlassen. Heute sage ich: Nie wieder Stiefmutter!


Über Nacht war ich in der Verantwortung

Mir ist die Leichtigkeit verloren gegangen und meine Authentizität. Mein Leben wurde in den letzten acht Jahren ganz einfach eingenommen und von anderen Personen bestimmt. Ich denke oft an den kleinen Jungen, der damals – holterdipolter – mit drei Taschen eingezogen ist, kaum Bekleidung, keine Möbel, keine Ausstattung, keine persönlichen Dinge dabei hatte.

Wie optimistisch ich doch damals war und wie schnell ich auf den Boden der Tatsachen aufgeschlagen bin. Es ging Schlag auf Schlag und das Schlimmste waren die Lügen, die Verleumdungen und Beschimpfungen, die Anwaltsschreiben. Die nicht enden wollende Unruhe in dieser, unserer Patchworkfamilie.

Alle zerrten an mir

Ich war ferngesteuert, fremd bestimmt. Die Ex-Familie, inklusive der Kinder, haben all meinen Raum und meine Zeit eingenommen. Die Ansprüche waren hoch. Die Familie meines Mannes hat wohl ein Wunder erwartet und jede Woche nach den Fortschritten des Jungen gefragt. Das hat ungeheuren Druck aufgebaut. Für mich ist nichts übrig geblieben.

Ich fühle mich leer, ausgesaugt. Jede Nacht liege ich schlaflos und denke über Vergangenheit und Zukunft nach. Das eine kann ich nicht mehr ändern und das andere ist noch nicht da. Die Erlebnisse der vergangenen Jahre haben tiefe Spuren hinterlassen.

Meine Ehe ist daran fast gescheitert

Jetzt liege ich hier. Mein Herz rast und stolpert und meine Ehe hängt am seidenen Faden. Die schönen Momente gab es nicht so oft, aber manche Sätze des Jungen sind in meinem Herzen. Diese, meine, Zukunft soll erst einmal mit viel Ruhe beginnen. Ich benötige Zeit, um wieder zu mir selbst zu finden. Die Verplanung durch Andere und deren Übergriffigkeiten werde ich nicht vermissen.

Nie wieder Stiefmutter!

Dem Bruder meines Stiefsohnes werde ich keine Stiefmutter (mehr) sein, nur noch die Frau seines Vaters. Den Kontakt zur Mutter habe ich eingestellt, er ist nicht mehr notwendig.
Ich bin ein Kämpfer geworden, das ist gut. Aber ich würde diesen Lebensabschnitt nicht noch einmal leben wollen. Ich war Single, ich war verheiratet, ich war geschieden, ich war allein erziehend. All das war nicht immer leicht. Aber nichts hat so tiefe, so harte Spuren hinterlassen wie meine Zeit als Vollzeit-Stiefmutter. Mein Fazit: Nie wieder Stiefmutter. So, und jetzt gehe ich los und rette meine Ehe. Schließlich habe ich all das für diesen Mann und seinen Sohn gemacht. Aufgeben kommt nicht in Frage!

Eure Ina


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In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

Foto: Stocksnap

12 Kommentare

  1. Ramona sagt

    Hallo Ina,
    ich verstehe Dich total. Ich bin auch Stiefmutter und würde es nie wieder tun. Meinen Mann habe ich 2010 mit seinem zwei Kindern Sohn 10 und Tochter 7 Jahre kennengelernt. Meine Kinder waren zu dem Zeitpunkt 30 und 25 Jahre alt. Ich habe bitter für diese Entscheidung bezahlt. Die Mutter der Kinder will mit ihnen nichts zu tun haben und sie zahlt auch keinen Unterhalt. Wenn ich gewusst hätte, das ich die Wut der Kinder und auch des Vaters auf diese Frau sowas von voll abbekomme hätte ich niemals diese Beziehung gelebt. Die ganze Geschichte würde hier den Rahmen sprengen. Diese Beziehung hat mich sehr einsam gemacht da ich niemanden zum Austausch gefunden habe der mich versteht.
    Ich wünsche Dir aber alles Gute und viel Kraft. Das wünsche ich allen hier..
    VG
    Ramona

  2. renata sagt

    Seit drei Jahren bin ich … „die Freundin vom Papa“.
    Als Stiefmutter würde ich mich selber nicht bezeichnen. Und sonst sehr sicher auch niemand anderer.

    Es hat mir nicht gut getan. Ich war immer das fünfte Rad. Optisch, in der Präsenz und auch bei Unternehmungen. Ich bekam keine eigenen Sommerferien. Ich bekam keine Auszeit. Ich bekam keine schöne Anfangszeit des Zusammenziehens. Ich bekam Ärger, Frust, Aufmerksamkeitsheischen auf jeder Skala des Kinderrepertoires. Wenn ich Essen anbot wurde nein gesagt. Fragte Papiiii drei Sekunden später bekam er Augengeklimper und Babygespräche, Patschihandti und ich ein böses Lächeln über die Schulter…
    Papiiii servierte stolz Schnitziiiii dem elfjährigen Dreiradfahrer, der gern regressiert wenn es denn nützlich ist. Und teilte sich den Teller.
    Ich saß mit meinen mitgebrachten Sachen nebenbei.
    Nur ein mini-Beispiel, ein Symptom für so vieles.

    Ich stand drüber. Ich lebe hier. Ich wollte drüberstehen. Es machte mich fast kaputt.

    Und nun habe ich keine Lust mehr dazu. Gemeinsame Unternehmungen? Ich stehe nicht mehr zur Verfügung. Ich gehe mit Freunden aus. Und bekomme Eifersucht als Rechnung.
    Gemeinsames Essen? Vielleicht. Wer kocht denn? Bin ich zuständig? Seit wann gibts das? Jemand ist zuständig aber hat keinerlei Rechte? Das Märchen hat sich ausgeträumt. Unpraktisch und unbeliebt.
    Gemeinsame Spiele? Schweigen. Vielleicht schlägt hier mal wer anderer etwas vor. Erstaunte, gekränkte Blicke. Die Freundinnenmaschine, papa’s „girlfriend“ (über 40 ein recht seltsamer Begriff, fast wie ein Schimpfwort?) funktioniert nicht mehr. Tough shit. Es ist mir egal.

    Stimmt.

    Wenn das meine Beziehung nun zerstört, dann muss es wohl so sein.

    Es geht so nicht weiter.

    • Wow, tough shit trifft das wohl ziemlich gut. Ich glaube ich habe das „Glück“, dass mein BK erst 3 war als ich dazu kam, daher sind wir beide da rein gewachsen und konnten eine gute Beziehung aufbauen.
      aber ich denke auch, dass es mit schon größeren Kindern häufiger schwieriger ist, weil sie vielleicht auch eine Art „Besitzdenken“ an den Tag legen. Und wenn dann der eigene Mann nichts besseres zu tun hat, als das zu unterstützen und dich immer wieder ins Messer laufen lässt, kann ich jegliche Resignation verstehen. Vielleicht merken sie, dass du fehlst und überdenken mal ihr Verhalten… aber so lange bis da Einsicht passiert, würde ich in deiner Situation vermutlich ähnlich reagieren…

      Alles gute für dich!

    • Katrin sagt

      Auch wenn schon Dezember ist liebe Renata, Du sprichst mir aus der Seele…Ich bin selbst entscheidend komplett aus allem raus, sehr zum Frust von meinem Partner…kein gemeinsames Essen, keine gemeinsamen Ausflüge, keine Urlaube…steht das Papa WE an (das soll es auch regelmäßig) bin ich weg. dieses Paaaapppiiiiiiii kenn ich zu gut von seinem 12 jährigen Kronprinzen…
      Und auch Weihnachten feiern wir getrennt, kein befriedigender Zustand aber nicht mehr änderbar. Irgendwann ist die Luft raus und ich will wieder leben.
      Ich wünsche allen entspannte Feiertage und Mut zur Lücke…
      liebe Grüße Katrin

  3. Liebe Ina,

    dein Beitrag und auch einige Kommentare dazu machen mich traurig. Aber es stimmt, Stiefmutter oder auch Bonusmutter sein laugt aus…denn zu den Problemen die man zum Teil vielleicht auch mit seinen eigenen Kindern hätte, kommen eben noch eine Mutter plus ggf. Stiefvater und Anverwandte dazu, die immer alles besser wissen wollen und reinreden bis der Arzt kommt. Ich hoffe, dass es mir in ein paar Jahren nicht so geht wie dir bzw. einigen aus den Kommentaren. Noch bin ich guter Dinge, aber wir haben auch die Pubertät noch vor uns… (BK wird jetzt 9).

    Vielleicht fährst du mit deinem Mann mal ganz alleine in den Urlaub? Weg von zu Hause und den unliebsamen Erinnerungen…Baut euch neue, schöne Erinnerungen auf! Wenn ihr in einer Mietwohnung wohnt, könntet ihr ja auch einen Umzug erwägen… so quasi als Neuanfang.

    Was mir ansonsten immer hilft, wenn ich mich schlecht fühle: Räume auf! Sortiere alte Ordner aus, Kindersachen, Spielzeug, auch deinen Kleiderschrank etc., alles was nicht mehr gebraucht wird – raus damit!!! Musst ja nicht alles wegschmeißen – spenden, ebay Kleinanzeigen etc. findet für vieles bestimmt eine Verwendung… Das fühlt sich für mich immer an wie eine Wellnesskur für die Seele… vielleicht hilft es dir auch um wieder etwas mehr Luft zu bekommen.

    Ich wünsche dir viel Kraft,
    alles liebe, Daka.

    • @ Daka, es muss nicht immer schwierig werden! Es gibt auch die schönen Geschichten- nur findet man die weniger im Netz. Jede Stieffamilie ist so anders. Das Gemeinsame ist die viele Arbeit, die durch das Zusammenleben (auch mit Besuchskindern) mit Kindern entsteht.
      Umgekehrt findet sich kaum ein Beitrag einer Mutter, die bereut. (ausser die Studie #regressingmotherhood).
      Ich denke aber, dass Mütter ähnliche Gefühle bezüglich „nicht mehr sich selber sein können“ haben.

      Meinem vierjährigen Sohn erklärte ich, dass aus den Mädchen zuerst Teenies und dann Frauen werden und aus den Frauen können Mütter werden, dies jedoch nicht sein muss! Nicht jede Frau wird Mutter! Dann sagte ich ihm, dass manchmal aus den Frauen zuerst Stiefmütter werden, weil der Mann, den sie lieben, schon vorher ein Vater geworden ist. Er sagte dann: „ja mit einer anderen Frau, so wie es bei uns ist.“ Das hat er kapiert, dass der Papa mit der Ex die Geschwister hat, aber beim andern Teil meiner Erklärung bin ich mir nicht sicher! 😀 viel zu kompliziert! Für ein Kind gibts die Eltern erstmal nur als Zweiergespann und die waren schon immer da und in dieser Form. An etwas anderes erinnern sie sich nicht, also gibt es das nicht.
      Das mag der Vorteil sein, wenn die Stiefkinder noch sehr klein sind?…

      • Ich glaube schon, dass es gar nicht so wenige Mütter gibt, die mit ihren Teenager-Kindern nicht klar kommen und froh sind, sie aus dem Haus zu haben…Zugeben werden das aber die wenigsten…!

        Ich bin gespannt auf die Pubertät…ich bin mir fast sicher, dass seine Mutter dann zum ersten Mal „echte“ Probleme mit ihm kriegen wird und rechne auch damit, spätestens dann zur Vollzeitstiefmutter zu werden…

        Bis dahin genieße ich unser schönes Zusammenleben an den Wochenenden und Besuchstagen… 🙂

  4. Danke…. dass ich nicht alleine so denke und fühle. Ich würde nie wieder einen Mann mit Kind nehmen. Das weiss er und unser ganzes Umfeld. Auch wenn es einerseits traurig ist aber ich bin auch froh meine kleine Familie für mich zu haben, seit meine Vizetochter sich dafür entschieden hat, seit Februar nicht mehr zu Besuch zu kommen. Endlich können wir unsere Wochenenden so gestalten wie es uns gefällt. Und dennoch bin auch ich noch lange nicht so weit meine frühere Leichtigkeit wiederzufinden… und wir wissen nicht, wie lange die Ruhe noch anhält.

  5. Sandra sagt

    Hallo liebe Ina,
    ich war vor 5 Jahren fertig mit dem Großziehen meiner Stieftöchter. Die erste zog schon vor 12 Jahren aus.
    Vorher habe ich auch mein Leben nach meinem LG und seinen Kindern ausgerichtet. Das dauernde Fordern von ihm, den Kinder und der Verwandtschaft hat mich ausgesaugt. Ich habe eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, um wieder das zu tun, was ich will. Bei meinem LG und seinen Kindern hat danach langsam – sehr langsam, sehr sehr langsam ein Umdenken stattgefunden, denn ich stand plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Das hat seine Kinder erstmal geärgert und sie haben jahrelang nicht mehr mit mir geredet und uns nicht besucht. Und mein LG besucht seine Kinder alleine. Ich bin nicht sauer, sondern tue Dinge, für die ich vorher keine Zeit hatte. Und die Oma kommt uns auch nur besuchen, wenn ein Geburtstag ansteht. Wir haben uns von allen Zwängen befreit.

  6. Liebe Ina,

    ich finde deine ehrlichen Worte sehr traurig und wünsche Dir von Herzen viel Kraft und Vorallem Ruhe und Zeit für Dich!
    Nur denke ich, dass nicht Du Deine Ehe retten solltest, sondern jetzt mal Deine Familie bzw. Mann dran ist. Du hast glaube ich die letzten Jahre genug Kraft investiert!
    GLG

  7. Kerstin sagt

    Das kann man ja eigentlich nur unterschreiben. Und mitfühlen, es ist hart, bis man den Absprung aus einer unliebsamen Rolle schafft.

  8. Aurelia sagt

    Liebe Ina,
    Ich wünsche Dir von Herzen viel Kraft und alles Gute für Dich.
    Du scheinst dich verloren zuhaben und ich wünsche dir das du den Weg zurück zu dir findest.

    Meine Weiteren Gedanken zu diesem Text muss ich noch sortieren.

    Alles Liebe

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