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Friss oder stirb

Friss oder stirb stiefmutterblog

Friss oder stirb – Den Spruch kennen wir alle. Gemeint ist damit, dass man etwas genau so akzeptieren muss, wie es einem angeboten wird. Ohne Einspruch erheben zu können, oder eine Änderung vorzuschlagen zu dürfen. Also: entweder isst du das Brot was dort liegt, oder du gehst ohne essen aus dem Haus/ins Bett  (aber etwas anderes als Brot gibt es nicht). Oder: Entweder du bist um 22.00 Uhr wieder zu Hause, oder du darfst gar nicht gehen. Friss oder stirb beinhaltet immer eine kompromisslose Anordnung ohne Interesse an den Bedürfnissen der anderen Seite. Das kann als Erziehungsmaßnahme manchmal funktionieren. In einer Beziehung ist es tödlich. Was bedeutet Friss oder stirb für eine Stiefmutter?

Kompromisslosigkeit schadet der Beziehung

Ich kann jeder Frau nur raten, sich ihren Partner und seine Vorstellungen bezüglich seiner Kinder genau anzuschauen. Möglichst ohne rosa Brille. Hören Sie zu. Nehmen Sie ernst, was er sagt. Auch wenn es etwas ist, was man vielleicht nicht unbedingt hören möchte. Sagt ein Trennungsvater zum Beispiel: „Meine Kinder sind die Nummer 1 und werden immer an erster Stelle stehen“ gepaart mit „Wenn Du mit meinen Kindern nicht klar kommst, ist es Dein Problem“ sollten Sie eine ernsthafte Beziehung überdenken. Fragen Sie einfach mal einen guten Freund, wie er sich bei solchen Aussagen einer Frau mit Kind verhalten würde. Ist er schlau, zieht er sich schnell zurück.

Frauen dagegen neigen dazu, zu kämpfen. Warum? Wir denken, wir wuppen das, wir bekommen das hin. Viele Frauen halten den neuen Partner für eine Art „Grundmaterial“, aus dem sich, wie Knete, ein Traumtyp formen lässt. Das funktioniert generell eher nicht, bei Vätern noch schlechter.  Aus dem einsamen Kneipen-Wolf werden wir keinen zuverlässigen Familienvater machen, aus dem schlunzigen Karohemd- und Bollerjeansträger wird kein smartes Male Model. Und aus dem Trennungsvater mit Verantwortungsgefühl wird eben nicht der exklusive Partner für die klassische Zweierbeziehung. Jedenfalls nicht, wenn die Kinder noch relativ klein sind.

Kinder als heilige Kuh

Stellt der neue Partner seine Kinder sogar auf ein Podest, sind sie sozusagen eine „heilige Kuh“, die von niemandem hinterfragt oder mit Ansprüchen („räumst du bitte mal den Teller weg“) behelligt werden dürfen, wird es seeeeeehr schwierig . Eine Partnerschaft zwischen Trennungsvater und neuer Frau wird nicht auf Dauer glücklich, wenn er seine Kinder (oder die Ex) über alles andere stellt. Egal was kommt, egal was bereits passiert ist.

Aus zwei Gründen: Die neue Frau wird sich klein und unverstanden fühlen, während die Kinder (oder die Ex) sich als groß und (über)mächtig sehen. Wie soll eine Frau Stief MUTTER sein, Verständnis, Liebe und Empathie für Kinder empfinden, wenn diese gleichzeitig Ursache ihrer Unterdrückung nach dem Motto „Friss oder stirb“ sind. Übrigens läuft es umgekehrt genauso – wenn Kindern kompromisslos eine neue Frau vor die Nase gesetzt wird, die, egal was sie tut, immer im Recht ist. Seltsam ist nur, dass die Umwelt meist Verständnis für Kinder hat, denen eine Stiefmutter vor die Nase gesetzt wird, selten allerdings für die Stiefmutter, die mit Kompromisslosigkeit leben soll.

Friss oder stirb

Friss oder stirb bedeutet komplette Unterdrückung. Das klappt weder im Privaten noch in der Gesellschaft. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt uns, dass Kriege oft aus zwei Gründen entstehen. 1. Ein Volk wird unterdrückt und wehrt sich. Oder 2. ein Volk wird größenwahnsinnig und startet den Eroberungsfeldzug. Frieden oder Harmonie entstehen mit dieser Methode jedenfalls nicht. Friss oder stirb ist ein Herrschaftsdenken, mit Beziehung oder Partnerschaft hat es nichts zu tun. Wer nach diesem Motto eine Beziehung führen will, wird die Liebe langsam aber sicher abtöten.

Viel besser ist es, die Lebensumstände neu zu ordnen, wenn ein neuer Partner ins Leben kommt. Den Blick auf die Bedürfnisse aller zu lenken. Vielleicht erinnern sich die heutigen Trennungseltern noch daran, wie es war, als ihr erstes Kind auf die Welt kam.  Sie haben sich die Bedürfnisse des Kindes angeschaut und versucht, sie in ihr Leben zu integrieren. Es wäre schön, wenn auch die Bedürfnisse der neuen Partner der Trennungseltern – seien es die Stiefmütter oder die Stiefväter –  gesehen werden.

P.S. Übrigens ist die Methode auch unter Trennungseltern nicht angebracht. Ein kompromissloses „Wenn du nicht machst was ich will, siehst du die Kinder nicht“ schadet sowohl den Kindern als auch den Ex-Partnern. Gewinnen werden bei derartiger Kompromisslosigkeit ausschließlich die Anwälte oder Gutachter.


Bitte E-Mail mit Stichwort „Friss oder stirb“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einfach einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

Foto: Stocksnap, Angelina Litwin

4 Kommentare

  1. …und bei einem richtigen Krieg geht die Propaganda und Hetze voraus! Es gibt keinen Krieg, der nicht mit subtiler, häppchenweiser, z.T. erstunken und erlogenen Kriegspropaganda auskam. Zuerst wird vom Feind ein Feindbild geschaffen und das mit Geschichten, die nicht mal wahr sein müssen, hauptsache, es gibt einen Grund, den Feind zu hassen. Wer eignet sich besser als Feind als die Stiefmutter? Das Feindbild gibt es ja bereits, da müssen nur noch die entsprechenden auf die eigene Familie zugeschnittenen Geschichten her. Und diese gaaanz unschuldig und einzeln einbringen, damit der Feind lange nichts davon merkt, dass er ein Feind ist.
    Ja, ich habe lange geglaubt, alles wäre eitel Sonnenschein. Wie sollte man auch anders denken? Man ist verliebt, glücklich, die Welt liegt einem zu Füssen… weshalb sollte man jemandem misstrauen?!
    Ich hatte eine gute Person, die mich beriet. Sie nahm die Geschichten stückchenweise auseinander und zeigte drauf: sieh, hier ist was, das nicht von Euch aus kommt. Hier hat sich dein Mann zu viel Schuld aufgeladen, hier hast du dich nicht genug abgegrenzt…etc.
    Das hilft zumindest zu sehen, dass übles Spiel gespielt wird und lässt einen nicht an sich selber zweifeln.

  2. Tine R. sagt

    Genau so eine Beziehung habe ich mit viel Herzblut eben beendet. Kind auf dem Podest während man selbst als Selbstverständlichkeit angesehen wird, alles putzen dürfen, nichts sagen dürfen und keine Entscheidung mittreffen dürfen. Hände weg von solchen Männern. Sie sind absolut beziehungsunfähig. Ausser man ist bereit sich selbst zu verleugnen und vor diesem Podest die gleiche „affengöttische“ Haltung einzunehmen. Wenn du immer (auch wenn es das jugendliche Kind nicht verdient) lieb zu meinem Kind bist, dann kann ich dich auch wieder lieben…….damit ist wohl alles gesagt.

  3. Ich kann da meiner Vorrednerin nur zustimmen. Ich habe ähnliches mit einer Freundin erlebt, wo seine kleine Tochter wirklich ein großes Problem für die neue Beziehung darstellte. Die Kleine (4Jahre alt) gab damals den Takt an, was letztendlich leider zur Trennung der Beiden geführt hat. Aus heutiger Sicht, viele vergeudete Nerven für nichts, zumal der Gute damals wirklich beratungsresistent war und alle guten Ratschläge auch von unserer Seite im Nichts verpufft sind. Ich rate heute jedem, ob Mann oder Frau, lernt ihr einen neuen Partner mit Kind kennen, müssen Augen und Ohren besonders gespitzt werden.

  4. Teres sagt

    Was für ein toller Beitrag! Ich sehe das genau so und rate allen meinen Freundinnen wenn sie Männer mit Kindern Daten zu erst genau hinzuschauen. Es ist einfacher Kompromisse auszuhandeln wenn man eine Beziehung mit einem Trennungsvater langsam angehen lässt. Und ja, gerät Frau an einen Partner der keine Kompromisse eingehen will, seine Kinder (und womöglich auch noch die Ex) auf ein Podest stellt und der Stiefmutter jegliche Art von Zuneigung verwehrt sobald die Kinder da sind, ist das definitiv Grund genug schnellstens die Beine in die Hand zu nehmen.

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