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Ich bin gescheitert – Eine Stiefmutter gibt auf

Ich bin gescheitert

Ich kenne Sabi seit einigen Jahren. Ich habe sie immer sehr dafür bewundert, wie viel sie seit elf Jahren für ihre kleine Patchworkfamilie macht. Wie viel sie investiert und wie sehr sie sich selbst zurück nahm. Immer wieder opferte sie sich für die andern auf. Für seine Kinder, sogar für seine Ex. Ich habe mich stets gefragt, woher sie die Kraft dafür nahm. Ich weiß, ich hätte das nie gekonnt. Jetzt kann Sabi es auch nicht mehr. Sie schrieb mir, sie sei gescheitert. Und sie bat mich, ihre Geschichte mit Euch zu teilen. Als Warnung und als Aufruf an alle Stiefmütter, sich niemals selbst zu verlieren. Und als Bitte an die Männer, ihre Frauen nicht zu übersehen.

Ich bin gescheitert! Wie konnte das passieren?

„Ich bin kein Feigling, ganz im Gegenteil. Ich bin äußerst tapfer und war optimistisch, sowohl die Beziehung zu meinem Mann als auch zu seinen Kindern und mir selbst zu meistern. Auch wenn es nie einfach war in dieser Konstellation und in unserer Patchwork Familie! Im Nachhinein bin ich sicher, dass ich die Verliererin bin, weil ich niemals in dieser Zusammensetzung gewinnen konnte.

Ich tat sehr viele Sachen obwohl ich wusste, dass sie nicht meinen Prinzipien entsprachen. Ich war nicht immer authentisch, weil ich oft unsicher wurde und die Lage nicht einschätzen konnte. Ich war super lieb, immer konstruktiv, immer hilfsbereit. Es gab nichts, was ich nicht gemacht hätte. Kindergeburtstage, jeden Tag gutes, warmes, gesundes Essen kochen, Fahrdienste, Krankenpflege, Trösten, mit der Mutter der Kinder ein Verhältnis aufbauen. Das ging komplett auf meine Kosten, aber ich wollte, dass sie keine Barrieren spüren, um gegenseitige Besuche auch außerhalb der Kindertage zu gestatten. Ich habe immer alles gemacht.

Ich habe alles gemacht – und mich verloren

Rückblickend kann  ich nicht mehr genau sagen, wann ich gescheitert bin und alles zusammen brach. War es, als ich meine Tochter gekriegt habe?  Jeden Tag gehe ich meine Erinnerungen durch. Ich kann nur sagen, dass ich total überglücklich in allen Sinnen war, bis ich von seinen Kindern abartige Kommentare kassierte.

Instinktiv spürte ich, dass die Kinder mit der Situation überfordert waren. Wir waren eine intakte Familie, meine Tochter erfuhr mehr Regelmäßigkeit als sie. Irgendwann begannen sie nicht mehr loyal, nicht mehr moralisch zu sein. Sie wurden sehr fies, sehr lügnerisch und hinterhältig.

Jahrelang habe ich mir eingeredet, dass ich mir alles einbilden würde. Ich habe mich immer mit meinen selbst gemachten Mantras getröstet: sie werden irgendwann einsehen dass ich weder gegen sie was habe, noch gegen unsere Patchwork Familie.

Mein Mann stand nie zu mir

Ich erspare euch die Details. Sie haben gemeinsam gegen mich gearbeitet und haben gemeinsam ihren Vater manipuliert. Mein Mann hat sich alles angehört und mich dann so zur Rede gestellt, dass ich aus allen Wolken fiel! Wo war sein Vertrauen? Er hätte mich doch kennen müssen! Unser Zusammenhalt wurde immer weniger, die letzten drei Jahre habe ich das so vermisst.

Als naive Stiefmutter, die mit vielen Schwierigkeiten umgegangen war, die sich in vielen Situationen sehr heldenhaft bewiesen hatte, hätte ich mir gewünscht und verdient, dass er nicht auf jedes Spiel von seinen Kindern reingefallen wäre. Stattdessen sagte er: Egal was sie machen, egal was sie sagen, ich werde immer zu meinen Kindern stehen! Sie wussten das. Sie haben das bis zum Letzten ausgenutzt. Ich muss jetzt sagen, ich habe diesen Kampf verloren. Ich bin gescheitert!

Ich verlor mich selbst

Zum Schluss kamen so viele Mobbings von den Kindern, dass es für mich immer enger und enger wurde. Egal, was ich machte, egal was ich sagte, egal wie ich guckte, immer suchten sie einen Fehler bei mir und berichteten den beim Papa! Irgendwann  war der Bruch so groß geworden, dass ich in dieser Konstellation nur in meiner stillen Kammer existierte und nicht mal zu meiner Tochter was sagen konnte!

Mein Mann hat mir dann einen Brief geschrieben, in dem er mich darum bat, auszuziehen. Er wollte keine Frau an seiner Seite haben, die ihn verachtet und Aggressionen gegen ihn hegt. Dieser Brief war erstmal wie einen Schlag in den Magen. Dann habe ich sehr lange überlegt. Was er schrieb, wie er alles beschrieb, war doch richtig. Ich habe irgendwann mal angefangen, diesen Mann zu verachten. Da wareen ihm gegenüber Gefühle, von denen ich zuvor keine Ahnung hatte, dass sie existierten: Aggression, Wut, Hass, und richtiger Ekel. Diesen schönen Mann, der die Liebe meines Lebens war, habe ich richtig ekelig gefunden. Es tat mir gleichzeitig leid, aber ich konnte diesen mächtigen, schönen Mann nicht mehr mit schönen Gefühlen assoziieren.

Er hat mich im Stich gelassen

Er zog ausschließlich an einem Strang mit den Kindern, glaubte immer ihre Version der Geschehnisse. Die basierte auf Lügen und dem Plan: „Wir wollen Sabi hier rausjagen! Mit allen Mitteln, egal was es kostet“. Genauso haben sie es geschafft, und diesen Kampf oder besser gesagt Schlammschlacht, habe ich verloren. Ich hatte keine Würde mehr. Vor den Kindern hat er mich wie einen Putzlappen benutzt und behandelt. Die Trennung hatte ich jahrelang vor mir her geschoben, wegen unserer Tochter. Jetzt weiß ich, dass ich diese Trennung gerade wegen ihr machen muss! Ich will nicht mehr, dass sie eine Mutter erlebt, die so sehr gelitten hat und die so passiv in der Ecke sitzen musste, dass sie immer kleiner und unsicherer wurde! Den Schritt der Trennung mache ich in der ersten Linie für mich, damit ich mich erhole. In der zweiten Linie für meine Tochter, damit sie in diesem Leben endlich die Chance kriegt, mich wahrhaftig kennenlernen zu dürfen.

Ich bin gescheitert, traurig und immer noch traumatisiert von all den Erlebnissen der letzten Zeit . Wenn ich mich aber richtig erholt habe, meine eigenen vier Wände bezogen habe, werde ich mich Stück für Stück von all den grauen Tagen befreien. Dann werde ich sagen, aus dem Scheitern habe ich mir all das mitgenommen, um wieder ein tolles Leben für mich UND für meine Tochter aufzubauen! Kinder müssen nicht dauerhaft in der Spannung leben. Sie müssen auch mitkriegen dass jeder Konflikt jede Spannung irgendwann mal gelöst und losgelassen ist!

Für meine Tochter

Als ich in seinem Brief las: „Wenn du mich verachtest, geh einfach“, fand ich das nicht mal übertrieben. Ich verachte diesen Mann mit allen Poren. Ich habe keinerlei Gefühle mehr, die positiv sind. Nur, dass er der Vater von meiner Tochter ist. Aber dass er mich so schlecht behandelt hat, und das nicht ein einziges Mal einsehen wollte, sondern immer alles auf mich schob, hat mich Jahre meines Lebens gekostet. Jetzt habe ich genug.

Dank meiner Tochter habe ich noch Lebensessenz in mir. Ich will, dass ihr Frauenbild nicht dem einer unterwürfigen Frau entspricht, sondern dem einer Macherin. Keine heulende, sondern eine in die Tat umsetzende Frau. Keine herumsitzende, sondern eine forcierende Frau.

Für Respekt muss niemand kämpfen – auch keine Stiefmutter

Ich habe für mich sehr viel gelernt: Kein Mensch muss für Respekt kämpfen. Entweder ist Respekt da, oder nicht. Dafür zu kämpfen, Respekt zu erlangen, war mein größter Fehler. Ich hätte längst gehen sollen. Wer es nicht nötig sieht, mir Respekt entgegen zu bringen, bei dem habe ich nichts mehr zu verlieren!

Aus dem Grund ist meine Botschaft an alle Frauen, an alle Stiefmütter auf unserer Welt: Lasst euch nicht erniedrigen. Lasst euch nicht klein machen. Habt Vertrauen auf Eure Instinkte, eure innere Stimmen, oder die Zeichen, die von der göttlichen Kraft immer wieder zu euch geschickt werden. Seid Euer eigener Führer auf dieser Reise. Stellt eure Antennen an, diese Antennen werden euch stärken. Habt immer Mut und Stärke, das zu sagen, was nicht in Ordnung ist! Habt immer Mut eure Schwächen zu zeigen.

Seid stark und lasst euch nicht erniedrigen

Ich zeige Euch allen meine Schwäche. Ich bin komplett gescheitert in unserer Konstellation. Für mich wurde es irgendwann mal so verfangen, dass ich keinen Sinn mehr sah. Sei es in unserer Ehe als Mann und Frau, oder auch in dieser Familie. Diese Erfahrung will ich vergessen, denke ich mir gerade in meinem Schmerz, in meinem Chaos. Dennoch weiß ich ganz genau, dass ich aus dieser Erfahrung mit vollster Dankbarkeit herauskommen werde.

Wir Frauen besitzen unheimliche Kräfte und Stärken in uns. Solange wir die gut umsetzen können, sind wir immer auf dem Weg, uns ständig zu entwickeln. Wir können alles hinkriegen, das ist außer Zweifel. Aber wenn wir uns auf eine Partnerschaft einlassen, sollte der Partner nicht derjenige sein, der ständig auf uns herumtrampelt.

Ein Partner sollte beflügeln, nicht beschränken

Der Partner sollte derjenige sein, der uns bei unseren Ideen und Träumen nur beflügeln will. Die Frauen werden nicht beflügelt, indem sie ihre Richtung verlieren. Jede Frau die sich verwirklichen will, will das nicht deswegen, weil sie das Zuhause langweilig findet, oder die Familie nicht mehr ertragen kann. Sie will das, weil sie gerade wegen der Familie so viel Kraft und Ideen kriegt, dass sie sich alles zutraut. Es gibt ein persisches Sprichwort:

Du kannst aus jedem Menschen einen König oder einen Bettler machen. Behandle ihn wie einen Bettler, und er wird sich so fühlen. Behandelst du  ihn wie einen König, wird er einer werden.

Fühlst Du dich wie ein Bettler, frage dich, ob du dich vielleicht mit den falschen Leuten umgibst!

Jetzt beginnt eine neue Zeit

Jetzt startet eine neue Zeit. Ich werde vielleicht etwas egoistischer sein und mehr darauf achten, ob der Inhalt stimmt. Nicht ob der Schein stimmt. Vor allem bei mir. Ich werde mich wieder auf meine Instinkte verlassen und mich vor allen Dingen bei mir entschuldigen, dass ich all das so lange mitgemacht habe. Meine Hoffnung war, dass alles innerhalb dieser Familie eine gute Wendung bekommt. Aber nach so vielen Versuchen weiß ich im Grunde genommen: Es waren meine Ängste, die mich beherrscht haben, nicht meine Hoffnungen!

Ich werde mich nicht mehr verstecken und heulen, sondern all die Sachen, die mich von hier retten sollen, umsetzen. Dafür will ich alles loslassen. Meine Verachtung, meine Wut, meine Aggressionen, meine Trauer, und mein Leben schöner gestalten. Meinen Mann habe ich längst losgelassen. Aber ich arbeite noch sehr intensiv daran, mich von meiner Tochter zu trennen, wenn sie bei Papa ist und ich sie loslassen soll. Ich lerne, ihr Vertrauen und Liebe aus der Ferne zu schicken, und meine Trauer nicht in den Vordergrund zu stellen, damit sie sich überall ein sicheres Netz bauen kann und sich überall geliebt fühlt. Drückt mir die Daumen für meinen neuen Anfang! “

Sabi


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In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

Foto: Stocksnap

24 Kommentare

  1. Manuela Meister sagt

    Ich hab es nun endlich mal geschafft diesen Teil von Sabis Geschichte zu lesen.
    http://stiefmutterblog.com/2016/08/10/ich-bin-gescheitert-als-stiefmutter/

    Liebe Sabi,
    als Tipp! Beschäftige Dich mal mit NPS. Narzistische Persönlichkeitsstörung.
    Nein, nicht Du bist gestört! Es ist der Mann!
    Die Trennung hat nichts mit seinen Kindern zu tun. Die wäre auch so gekommen.
    Mich hat vieles was Du schriebst an meinen Ex erinnert.
    Die Liebe meines Lebens. Ein großer, schöner Mann!
    Heute habe ich nur noch Verachtung für ihn übrig.
    Wenn Du denkst es lag an den Kindern… Nein, daran lag es nicht. Die Kinder sind nur ein Symptom.
    Es hätte alles Mögliche sein können.
    Solche Typen geben IMMER anderen die Schuld.
    Es hätte auch Konflikte mit seiner Mutter oder seiner Schwester geben können.
    Es hätte auch ein Hausbau sein können oder Euer gemeinsames Kind hätte krank sein können.
    Egal was. Dieser Typ Mann hätte IMMER die Schuld bei DIR gesucht.

    Alles Gute für die Zukunft

    PS. Du kannst sicher sein, dass er bald eine Neue hat und mit der wird er genauso baden gehen.
    Und daran wird er auch Dir die Schuld geben.

  2. anonzm sagt

    Mach dich von Schuld frei und von Selbst – Vorwuefen.
    Teilweise identische Fehler hab ich als „first“ gemacht. Nicht als Stiefmutter.
    Die Stiefmutter – Next tritt in meinem Fall auch aus den selben Schwierigkeiten die mir mit diesem Mann ein Familienleben unmoeglich machten genau in meine Fußstapfen.

    Wenn du in deinem Fall in die Zukunft sehen möchtest, überlege, was dein Ex mit seiner Ex und den Kindern nach der Trennung gemacht hat.
    In deinem Fall – so weit ich das richtig gelesen habe – schaffe dein Mann / Ex Mann / Vater deiner Tochter es offenbar, dass die Kinder in seinem Haushalt den Hauptwohnsitz hatten und er eine neue Next als Ersatzmutter einsetzte.

    Also pass auf dich auf, wenn du Deine Tochter weiterhin selbst betreuen willst und nicht möchtest, dass es sich wiederholt und deine Tochter bei ihrem Vater lebt und von der NExt-NExt Stief-Stiefmutter betreut wird.

  3. Enrico sagt

    Ich bin Vater und habe nach der Trennung zur Mutter meiner Kinder eine neue Beziehung begonnen. Ich habe allerdings eher als meine Partnerin festgestellt das für mich die Zeit noch nicht reif war für eine Rolle der Stiefmutter und Partnerin gleichzeitig. Ich habe beobachtet wie der Keil zwischen meinen Kindern und mir, und auf der anderen Seite Ihr immer größer wurde und wie sie darunter litt. Jedoch war es meine Angst um die Kinder die mich daran hinderte zu meiner Partnerin zu stehen. Obwohl ich sie abgöttisch liebte. So wurde von Woche zu Woche das negative Paket größer und ich sah an ihr wie sie sich dadurch körperlich und seelisch veränderte. Deshalb hab ich irgendwann die Trennung forciert um beiden Seiten die Möglichkeit zu geben neu anzufangen und die Chance zu haben glücklich zu werden. Ich in Verbindung mit den Kindern bin es inzwischen wieder, auch weil ich gereift bin in diesem Prozess. Sie scheint es zumindest körperlich wieder zu sein. In ihre Seele zu blicken traue ich mich nicht, aus Angst die Liebe meines Lebens leiden zu sehen. Trotzdem weiß ich das es zum damaligen Zeitpunkt die richtige Entscheidung für uns vier war. Auch wenns weh tut.

  4. Es ist alles gesagt und ich kann sabi nur zustimmen.

    Sehr schön geschrieben. Daumen und kopf hoch

  5. Die Stiefväter schaffen das auch, also lernt einfach mal von denen, die erfolgreich sind. Wenn ich schon lese „Botschaft an alle Frauen, an alle Stiefmütter auf unserer Welt“. Warum richtet sie die Botschaft nicht auch an Stiefväter?

    • Susanne Petermann sagt

      Ich nehme an, weil das hier der Stiefmutterblog ist. Auf dem Veganerblog werden die Schnitzelesser auch nicht immer gesondert erwähnt. Auch wenn sicherlich einige dort lesen 😉

  6. Mariposa sagt

    Liebe Sabi,
    danke für Deinen Brief! Er ist so klar geschrieben und Du machst einen unglaublich starken Eindruck. Die Kraft, die dich dieser rückgratlose Mann und die manipulativen Kinder gekostet haben- diese Kraft kannst du jetzt wieder für Dich und Deine Tochter einsetzen.
    Du wirst Deinen Weg weitergehen, und ich freue mich für Dich und Deine Tochter, dass ihr nun das Leben leben könnt, was Euch entspricht.
    Deinem Exmann werden schon noch die Augen aufgehen- dann ist es aber zu spät. Nicht mehr Deine Baustelle. Nicht Dein Zirkus, nicht Deine Affen.
    Dieser Brief gibt auch mir viel Klarheit und Stärke und wird das Maß sein, an dem ich meinen weiteren Weg messe. Ich danke Dir sehr.
    Alles Gute für Dich!

  7. Alexandra sagt

    Dieser Brief ist so traurig und berührend. Sichgeschlagen geben ist gerade für eine starke Frau die schlimmste Demütigung. Ich hoffe, liebe Sabi, dass Du Dir nicht allein die Verantwortung zuschreibst- vielleicht konntest Du nie gewinnen.
    Deinem Mann wird früher oder später klar werden, dass der Zusammenhalt mit seinen Kindern zwar seinen eigenen Anspruch an den Vater in ihm erfüllt… aber der Mann in ihm verliert seine Lebenspartnerin. Das wird er tief in sich erkennen- aber seine Kinder kann er dafür nie verantwortlich machen.
    Der Mann will und muss für sich selbst und sein Gewissen hinter den Kindern stehen, alles andere wäre moralisch schwerer nach aussen zu vertreten. Die Stiefmutter wiederum versucht ihrem eigenen Anspruch und allen gerecht zu werden und ist dabei abhängig vom Wohlwollen der Kinder.
    Wie klar strukturiert, besonnen und in sich ruhend muss ein Paar sein, um da heile durchzukommen und kleinen und großen Intrigen zu trotzen und immer einen stabilen Untergund zu behalten.
    Wenn man diese Geschichte ließt, bekommt man ein bißchen das Gefühl, dass es für eine Beziehung in so einem Spannungsfeld fast unmöglich ist zu überleben, da konnte Sabi nur verlieren. Irgendwann ist jeder Akku leer, wenn er nicht die Chance hat sich zwischendurch wieder aufzuladen.
    Natürlich will ich das nicht wirklich so sehen. Immerhin bin ich selber Stiefmutter und noch frohen Mutes, dass ich mit Kraft, Optimismus und Aufrichtigkeit meine Patchworkfamilie zusammen halte.

    Danke für diesen Brief. Und von Herzen alles Gute für deinen Neustart.

  8. Boje sagt

    „Es waren meine Ängste, die mich beherrscht haben, nicht meine Hoffnungen!“

    Dieser Satz drückt viel Klarheit und Ehrlichkeit aus. Ich habe mir diesen Satz auch sagen müssen. Ich fand es hart, dahin zu kommen, aber auch befreiend, mir nichts mehr vormachen zu müssen und auf mich selbst hören zu können. Mein Leben wieder mehr in die Hand zu nehmen und nicht von Menschen steuern zu lassen, die manipulativ agieren oder sich selbst manipulieren lassen.

    „Ich entschuldige mich bei mir selbst.“

    Das ist ein guter Umgang mit sich selbst. Ein respektvoller. Dies wird neue Kraft freisetzen. Alles Gute für Sie und Ihre Tochter!

  9. Anna Schachow sagt

    „Kinder müssen nicht dauerhaft in der Spannung leben. Sie müssen auch mitkriegen dass jeder Konflikt jede Spannung irgendwann mal gelöst und losgelassen ist!“

    Das war einer der schönsten Sätze für mich. Egal wie schmerzhaft eine Trennung ist; Viel schmerzhafter ist es zu sehen, wenn Kinder den Glauben an die Liebe und die Harmonie in einer Ehe verlieren, wenn sie der permanenten Spannung ausgesetzt sind.

    Ich bin Mutti zweier Kinder und mein Mann und ich sind glücklich verheiratet. Doch ich denke oft daran, dass es auch mal anders sein kann und hoffe nur darauf, dass ich trotz neuer Partnerin an der Seite meines Mannes, genug Kraft habe meinen Kindern zu vermitteln, dass die Frau nicht die Stiefmutter ist, sondern die zweite Mama. Ich finde alleine den Begriff der Stiefmutter so negativ in der Gesellschaft verankert und alleine in Kinderköpfen, Dank Disney, wird der Begriff der Stiefmutter gleich zu Beginn negativ geprägt…

  10. Pingback: Warum ich allein erziehende Mütter meide | Männerschmiede

  11. Hallo Sabi
    Den Satz: damit meine Tochter eine Chance kriegt, mich wahrhaftig kennen zu lernen, finde ich sehr schön! Ich wünsche ihr und vor allem dir, dass sie das sehr bald kann! Dein Mann wird entweder einsehen oder nicht. Das ist sein Leben und wie er damit fertig wird.
    Du sagst: für Respekt muss man nicht kämpfen. In dem Sinne bist du nicht gescheitert! Dein Exmann ist gescheitert. Er ist in der Einbahnstraße weiter gefahren ohne zu merken, dass er in eine Sackgasse fuhr. Das Einbahn/Sackgasse-Schild hiess: „Ich liebe meine Kinder und tue alles für sie. Ich werde immer hinter meinen Kindern stehen.“ Ich habe diesen Satz schon mehrmals gelesen. Es ist so ein (moralischer) Satz, bei welchem Mann auf breite Bestätigung zählen kann… Wie schön, dieser Papa liebt seine Kinder…- dabei sollte das doch selbstverständlich sein und dafür braucht man sie nicht über alles andere zu stellen. Und obendrein noch verlangen, dass die Stiefmutter dies selbstverständlich auch tut.

    Ein sehr wichtiger Beitrag! Danke, Sabi.

  12. Kerstin sagt

    Ein sehr trauriger Brief, der aber leider wirklich mal wieder zeigt, dass man von Anfang an seine eigenen Grenzen erkennen und verteidigen muss.
    Das die Fronten von Anfang an klar ist: „Deine Kinder kommen für dich an erster Stelle? Supi – dann bin ich gleich mal raus aus der Nummer“.

    Das Ziel meines Mannes und mir war und ist immer, dass wir gemeinsam „alt“ werden wollen. Wir beide sind die Familie. Alle Kinder sind irgendwie nur „Gäste“ in einer Lebensphase, denen man versucht das Beste zu ermöglichen und die besten Lebensbedingungen und Grundlagen für ein EIGENSTÄNDIGES, gutes Leben zu schaffen. Das Paar aber sind wir – das was länger Bestand haben soll, als die „Kinderphase“ – die man ja irgendwann ihr eigenes Leben führen lässt, sobald man ihnen dass passende Rüstzeug dafür mitgegeben hat.

    Ein „Familien-Versuch“ ist bei uns offenkundig gescheitert. Wir sind KEINE Familie – auch nach 9 Jahren nicht. Wir sind ein Ehepaar und jeder hat Kinder. Die „Familie“ besteht mehr oder minder aus mir, dem Gatten, Hund, Katze und phasenweise einer meiner Jungs. Der, der toleranter ist und die Existenz der Gatten-Jungs gelassener hinnehmen kann. Der andere Junge ist klar bei dem Standpunkt: „Du hast ja schon eigene Kinder – dann kannst du NICHT gleichzeitig mein „Vater“ sein…. Das geht halt nicht!“

    Die Stiefgeschwister untereinander verstehen sich nicht. Die Gatten-Jungs schon unteinander nicht.
    Die Gatten-Jungs würden mich wohl am Liebsten „weg haben“, auch wenn sie das nicht offenkundig sagen, man spürt es einfach.
    Wichtig ist also in dem ganzen Gewusel einfach nur, dass wir als Paar wissen, was wir wollen und diesen Weg gut hinbekommen. Dann kann man über alles vernünftig reden und gemeinsam (gleichberechtigte) Lösungen finden.

  13. Liebe Sabi,

    wenn auch auf andere Art und Weise (ich bin keine Stiefmutter), so geben mir Deine Worte gerade sehr zu denken. Was ist ein Kampf wert, wenn nur einer ihn kämpft? Was ist ein Kampf wert, wenn noch nicht mal der Respekt da ist?

    Danke für diesen offenen Text, diese schmerzhaften und so ehrlichen Zeilen. Und danke für Deinen Mut, diese Geschichte mit uns zu teilen.

    Viele Grüße

  14. Südstern sagt

    Beim lesen dieses textes….. Habe ich Angst bekommen….. Denn ich sehe mich in so vielen Punkten wieder vor allem das kämpfen um Respekt u das nicht erkennen meines Mannes was gespielt wird ….

    • Susanne Wechselmodell sagt

      Ui, dann kann ich dir nur empfehlen, schleunigst das Gespräch mit Deinem Mann zu suchen und ihm Konsequenzen aufzuzeigen. Dass Du es bzw. Dich darin erkannt hast, ist der erste Schritt, die Schmerzen wahr zu nehmen.

      Wenn Dir etwas an Deinem Mann liegt, sag ihm einerseits wie Du dich fühlst und gib ihm auch gleich Lösungsvorschläge. Männer möchten strategische Lösungen und Fakten, keine Gefühlsduselei. Daher bereite Dich gut auf das Gespräch vor und überlege Dir, wie eine Lösung aussieht, die Du mittragen kannst und bei der Du dich wohl fühlst.

      Viel Glück!

      • Südstern sagt

        Ich habe schon oft mit ihm gesprochen …. Er empfindet es nicht so er sieht die Kinder (17,22,24) mit verklärten Augen bemerkt die Bemerkungen von Ihnen u deren Verhalten nicht bzw empfindet es nicht als das was es ist …. Wir geraten dann immer in Streit weil er sich angegriffen fühlt wenn ich sage wie ich das Verhalten der Kinder empfinde … Dabei setze ich mich nur für unser gemeinsames 2 jährigen Mädchen ein für ihre Gesundheit genau genommen …. U bin doppelt traurig dass erwachsene Halbgeschwister so egoistisch u verständnislos sein können u er das nicht empfindet…. Einmal als der große Sohn neulich meinte dass unsere kleine ja wohl auch mal ne Stunde allein bleiben könnte da hat er reagiert u seinem großen Sohn gesagt er solle mal überlegen was er da sagt …. Ich bin echt so ratlos weil ich selbst merke dass ich mich zum Schutz unerer kleinen u mir innerlich abschotte

  15. Susanne Wechselmodell sagt

    Ich habe mir jetzt alles durchgelesen und weiß genau, warum ich mir a) schon sehr früh, nicht alles habe von seinen Kindern gefallen lassen.

    Diese schmerzhaften Zeilen bestätigen die Richtigkeit meines Wegs. Und b) ich kann vielen Frau nur einen Tipp geben: Wenn ein Mann oder auch eine Frau und Mutter sagt: „Meine Kinder stehen vor allem, auch vor meinem Partner/meiner Partnerin“ dann nehmt sofort Reißaus.

    Auf dieser Basis ist keine gleichberechtigte Partnerschaft möglich.

    Es wird sich nie ändern, er/sie werden immer auf der Seite der Kinder stehen und der/die Next immer außen vor bleiben.

    Gleichberechtigt auf einer Stufe ja – die Kinder vor dem/der Partner/in: NIE IM LEBEN.

    Ich habe für diese permanent vertretende und verteidigte Einstellung viel Unmut und Diskussionen geerntet, aber ich will und werde mich nicht verbiegen. Und dieser Brief gibt mir erneut Recht.

  16. Silke sagt

    Sehr schön geschrieben.Worte die mich erkennen lassen,das ich auch richtig gehandelt habe und handeln werde.

    Ich wünsche Ihr Viel Kraft und Selbstvertrauen. ..sie wird es schaffen.

  17. Ach du meine Güte, ist das traurig.
    Ich bin „die Ex“ und mit der „Neuen“ ist auch nicht immer alles eitel-Sonnenschein, aber ich hoffe so innständig, dass sie sich niemals so fühlt. Dass das niemals so endet. Unserer Konstellation braucht einfach keine weiteren Opfer. Ihr noch ungeborenes Kind verdient einen Vater, der „diesmal“ für seine Familie kämpft.

    Ich wünsche ihr ganz viel Kraft und Glück in ihrer neuen Rolle als „Ex“.

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