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Erziehung: Meine Mutter weiß alles besser

Foto: Stocksnap, Ryan McGuire

Meine Mutter weiß alles besser was meine Familie betrifft. Sie kritisiert viel, meckert nur rum. Sie und meine beiden Schwestern wollen mir und meinem Mann erzählen, wie wir unsere Kinder zu erziehen haben. Diese Besserwisserei entwickelt sich zu einem echten Problem.

Meine Mutter weiß alles besser – vor allem was die Erziehung unserer Kinder betrifft

Mein Mann hat zwei Kinder aus erster Ehe mitgebracht und ich auch zwei. Unsere gemeinsame Tochter ist vier Jahre alt. Meine Familie hatte damals schon ein Problem damit, dass ich mit ihm zusammen gekommen war und meine erste Ehe beendet habe. Wortlaut meiner älteren Schwester damals: „Kannst ja nebenbei eine Affäre mit ihm haben, aber scheiden lassen darfst du dich nicht, wegen der Kinder.“

Mein Ex-Mann ist eher der ruhige Typ, der sich alles gefallen lassen hat. Er spricht nicht gern über Probleme oder Sorgen. Mein jetziger Mann sagt ganz offen und ehrlich, wenn ihm etwas nicht passt. Er scheut keine Konflikte, auch nicht mit meiner Familie. Und das passt denen nicht. Ihnen passt auch nicht, wie er mit seinen Kindern umgeht. Obwohl er sehr konsequent und streng aber liebevoll mit ihnen ist. Sie leben ja nicht ohne Grund bei uns und nicht bei ihrer Mutter.

Meine Familie hält meinen Mann für einen Tyrannen

In ihren Augen sind alle Kinder, meine eingeschlossen, sehr eingeschüchtert von ihm. Sie meinen, das Leben mit ihm müsse ja die Hölle sein. Das ist Quatsch. Die Kinder sind ganz normal, wie früher auch. Ich finde, wir haben uns alle gemeinsam gut zu einer Familie zusammen gerauft. Das sehen die aber nicht.

Meine Mutter hat mal gesagt, was wir als Paar in unserer Ehe machen, interessiert sie nicht, Hauptsache den Kindern gehe es gut. Meine ältere Schwester ist die Geliebte eines Mannes, seit 17 Jahren. Meine jüngere Schwester findet nicht den richtigen Mann, beide Schwestern haben keine Kinder. Und trotzdem wissen die alles besser!

Sie sind der Meinung, unsere Mutter weiß alles besser, weil sie ja vier Kinder groß gezogen hat. Falsch, sie hat auch viele Fehler gemacht. Das merke ich auch erst, seit ich selber Mutter bin. Sie hat z.B. immer unseren Vater aus allem raus gelassen, was die Kindererziehung angeht. Die drei sind ja auch der Meinung, dass eine Frau die Hosen anhaben muss und ein Mann hat zu kuschen. So läuft das aber nicht bei uns.

Mein Mann und ich haben beide die Hosen an

Mein Mann und ich sind uns einig, ziehen an einem Strang. Sonst funktioniert das hier nicht. Ich weiß nicht, ob sie mir das nicht gönnen oder was das ist, aber meine Mutter weiß alles besser, kritisiert uns am laufenden Band. Ich weiß nicht, was ich machen soll und wie ich meiner Familie weiterhin begegnen soll. Ich habe manchmal den Eindruck, sie trauen uns nichts zu. Vor allem mir, im Umgang mit unserer gemeinsamen Tochter. Dabei habe ich schon zwei Kinder vor ihr bekommen.

Meine Mutter und meine Schwestern reden in Gegenwart meiner beiden großen Kinder schlecht über meinen Mann. In ihren Augen sieht es so aus, als ob ich vor ihm kuschen würde. Ist aber nicht so, weil wir beide die selben Ansichten haben. Und das passt denen irgendwie nicht. Wir sind zwei gleichberechtigte Partner und das spüren auch die Kinder. Sie kommen weiterhin mit Problemen zu mir oder sogar auch zu ihm. Vor allem meine ältere Tochter macht da keinen Unterschied mehr.

Kennt das einer von Euch? Wie geht Ihr damit um? Was kann ich tun?

Viele liebe Grüße, Melanie


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Foto: Stocksnap, Ryan McGuire

5 Kommentare

  1. Kerstin sagt

    Dieses Verhalten dürfte übrigens in den „stichelnden“ Personen ruhen und weniger mit eurer Familien-Situation oder Konstellation zu tun haben.
    Ich weis das ziemlich genau, ich habe die ersten 6 Jahre mit meinen Kindern allein verbracht und verfüge über eine ähnliche Mutter. Die Kommentare kann man sich vorstellen: „Die armen Kinder – haben KEINEN richtigen VATER“ bla bla bla bla bla… Ich böse, die alsbald wieder arbeitete. Alles was ich tat oder nicht tat war FALSCH. (zumindest bis zu dem Tag, wo ich sie freundlich drauf hinwies, dass sie mein Haus gern verlassen darf und es ihr ja durchaus frei steht, sich einfach nur bei ihr selbst aufzuhalten und mich zu meiden).
    Als ich meinen Mann „endlich“ hatte – nein, das war nicht besser…. Die armen Kinder, die sich plötzlich auch noch nach einem „Vater“ zu richten hätten, der ja schließlich eigene Kinder hat, um die er sich kümmern kann…. Mein Mann scheut auch keine Konflikte und so gab er wiederholt zu verstehen, was hier geht und was bei uns gar nicht statt findet. Nämlich das uns jemand „besuchen“ kommt, der versucht sich überall „einzumischen“ und mich wundervolle, großartige Frau dabei auch noch versucht mit jedem Satz schlecht zu machen. Das lässt er sich in unserem Haus nicht gefallen!
    Und ja, ich bin auch viel zu harmoniesüchtigt, als dass ich jemals wirklich so auf „Krawall“ aus war, dass ich da ein riesen Thema draus gemacht hätte. Ich dachte immer so: „Lass mal labern, geht ja auch gleich hoffentlich wieder ins eigene Zuhause!“ Das ist aber falsch – man muss Grenzen setzen und seine eigene Privatsphäre und sich selbst vor solchen Aktionen und Äußerungen schützen.

    Apropo, ich habe meine Mutter zuletzt mal im Januar gesehen… und im März kurz telefoniert. Wir wohnen im selben Ort. Freundlicherweise wäre es an mir, dass ich mich mal wieder melde, wenn ich nicht dafür bittere Vorwürfe ernten will… („Ja, ja wegen der ANDEREN Kinder habt ihr ja auch nieeee Zeit – das kann man ja auch alles gar nicht schaffen, was ihr euch da aufgehalst habt und so macht“). Aber ich hab schlicht und ergreifend keinen Bock. (mit meinem Vater tausche ich mich öfters über Whats app aus – das genügt, der darf auch jederzeit vorbei kommen, der kann sich nämlich benehmen und auch so super veraltete Erziehungsmethoden wie Einschränkungen der PC-Zeit der Kinder nachvollziehen und findet das gut, statt sie noch zu bedauern, was sie doch für böse Eltern hätten, die ihnen keinen 72 Stunden Dauermarathon vorm PC am Wochenende erlauben… 😉 ).

    • Melanie sagt

      Hallo Kerstin,

      ja, wie können wir es wagen, den Kindern eine gewisse PC-Zeit vorzugeben. Das geht mal gar nicht.
      Das haben wir nämlich hier auch eingeführt und darüber können sie sich auf feinste aufregen.

  2. Du hast es den Schwestern bestimmt schon mal gesagt, aber ich würde es mit Nachdruck nochmals sagen: Vor den Kindern über meinen Mann lästern geht gar nicht!
    Deine Schwestern müssen deinen Mann nicht mögen, denn Sympathie kann man nicht erzwingen. Aber sie sollten deine Entscheidung, ihn als deinen Gatten erwählt zu haben, akzeptieren, so wie es offensichtlich deine Kinder auch tun.

  3. Bärbel sagt

    Hallo Melanie!

    Mhm….. schwierige Situation und NEIN, ich war noch nicht in dieser, habe aber was das angeht einen ausgeprägten Gerechtigskeitssinn. Trotzdem kommt bei mir schon beim Lesen eine Art Ärger hoch. Deshalb, weil sich meiner Ansicht nach deine Blutsverwandten in Sachen einmischen, die sie ja gar nichts angehen!! Ich weiß nicht, in wie weit du „abhängig“ bist (im Sinne von brauchst du oft ihre Hilfe oder bist du ein selbstständiger Mensch, der sich selbst organisiert, bzgl. Kinderbetreuung, etc. ) von deiner Familie und wie sehr du harmoniebedürftig bist *g*. Was ich damit sagen will – wenn es nur auf normale Besuche rausläuft, wo sie dann in Gegenwart der Kinder über deinen Mann schimpfen und dich kritisieren – dann würde ich diese Besuche auf ein Minimum beschränken.

    Abgesehen davon hätte ich ihnen in meiner bzw. der Gegenwart meines Mannes schon den Mund verbittet. Was bilden sie sich denn ein? Sollen doch vor ihrer eigenen Haustüre kehren und dich machen lassen. Es ist doch bitte DEIN Leben, es sind DEINE/EURE Kinder, was geht sie dass denn an? Ích denke du lässt dir zu viel gefallen, ich würde mal auf den Tisch hauen, sie eben darauf aufmerksam machen dass es dein Leben ist und wenn sie nicht aufhören, pack ich meine Sachen, meinen Mann und meine Kinder, wünsche ihnen noch einen schönen Tag und sie können sich wieder melden wenn sie etwas Anstand gelernt haben und wissen, dass sie sich in gewisse Sachen nicht einzumischen haben.

    Wenn du mit deinem Mann glücklich bist, die Kinder es auch sind und ihr euch einig seid, wo liegt dann das Problem? Klar kann es passieren dass der Familiensegen mal nicht mehr gegeben ist, aber vielleicht lernen deine Schwestern und deine Mama nur so, dass sie einfach zu weit gehen.

    Ich denke jeder hat nur so viel Angriffsfläche als wie er zu bieten hat bzw. es zulässt.

    Viel Kraft – und MUT!
    lg Bärbel

    • Melanie sagt

      Hallo Bärbel,

      ich bin in keinster Weise abhängig von ihnen. Mein Mann und ich sind sehr gut organisiert und wuppen die Kinderbetreuung hier allein. Wir wohnen nicht in der gleichen Stadt wie meine Familie.

      Meine Kinder mögen meine Mutter und meine ältere Schwester sehr, Sie waren ja immer da seit Geburt. Aber trotzdem sind meine beiden Großen vorsichtiger im Umgang mit ihnen geworden. Sie sehen sie alle 14 Tagen an einem Tag am Wochenende.

      Klar, gibt es auch Dinge, die meine Kinder nicht an meinen Mann gut finden. Ich habe meiner Schwester aber schon einmal gesagt, dass sie sich das ruhig anhören kann, aber keine Wertung abgeben soll darüber.

      Meine Familie hat eine ganz andere Vorstellung von Familie, die auch nicht bei unseren Eltern funktioniert hat.

      Und wenn ich nun abhängig von meinem Mann und ihm unterwürfig wäre, was wäre so schlimm daran? Es ist unsere Sache.

      Ich möchte keinen Streit mit meiner Mutter. Sie hat viel Stress mit ihren Eltern, die beide krank sind und die sie pflegen muss.

      Ich weiß echt nicht, wie ich ihr das nächste Mal begegnen soll.

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