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Die gute und die böse Stiefmutter

Foto: Stocksnap, Paul Genyk

Ich bin aufgrund meiner derzeit für mich neuen (oder doch nicht ganz so neuen) Familiensituation (ich kinderlos, neuer Partner vier Kinder) auf diesen Blog gestoßen. Und auf  die Liebeserklärung an die Stiefmutter. Dazu möchte ich Euch meine Geschichte erzählen. Ich hatte nämlich beides, eine gute und eine böse Stiefmutter.

Die gute und die böse Stiefmutter

Die Liebeserklärung an die Stiefmutter hat mich sofort an meine Billy erinnert. Billy war die vierte (?) Partnerin meines Vaters. Ich war schon 20 als meine Eltern sich scheiden ließen, es war mir eigentlich ziemlich egal, da ich ein miserables Verhältnis zu Ihnen hatte. Es kotzte mich nur an, dass die beiden schon im Dezember wussten, dass sie sich scheiden lassen würden, aber an Weihnachten noch einen auf heile Familie machten. Zu Ostern erklärte mir dann mein Vater dass er sich scheiden lässt weil meine Mutter ihn betrogen hat. Scheidungstermin: mein 20. Geburtstag.

Danach hatte ich wenig Kontakt mit meiner Familie. Ich bekam am Rande mit dass mein Vater eine neue hat, wenn ich sporadisch bei ihm war und plötzlich Bilder von einer fremden Brünetten rumstanden. Vorgestellt hat er sie mir nie.

Billy wurde mein Vorbild als Stiefmutter

Einmal, ich war schon 21, kam ich unangemeldet an einem Sonntag Vormittag bei meinem Vater vorbei. Eine kleine blonde Frau öffnete mir die Tür, grüßte mich, grinste und drückte mir einen Kübel Wasser in die Hand. Da musste ich erstmal das offensichtliche Missverständnis aufklären: nein ich bin nicht die Putzfrau die das Stiegenhaus putzt, sondern die Tochter des in dieser Wohnung lebenden Mannes. Die sympathische blonde Frau war einigermaßen verdutzt, und wir brachen ob dieser Situation beide in schallendes Gelächter aus.

Es ging völlig an mir vorbei, dass mein Vater mit der Brünetten Schluss gemacht hatte und nun eine Neue, „Billy“ an seiner Seite hatte. Billy entpuppte sich als echter Glücksgriff für mich. Sie war mir von Anfang an sympathisch. Billy kommt aus einer Familie, in der man für den anderen da ist, sie war so eine ehrliche Haut. Immer war sie bemüht diese verkorkste Familie (ich habe noch zwei Halbgeschwister aus erster Ehe meines Vaters) wo keiner mit dem anderen redet, wieder zusammenzuführen. Sie war sehr bemüht um die Beziehung meines Vaters zu uns Kindern. Und solange sie da war, funktionierte es auch ziemlich gut. Nur das Verhältnis zwischen mir und den Halbgeschwistern, da gab sie sich vergeblich Mühe. Ich war für die beiden „zu minder, mit der wollen wir nichts zu tun haben“. Irgendwann, nachdem ich mich genug habe beleidigen lassen, war für mich das Thema auch gegessen. Ich war 28 und hatte es nicht nötig den beiden „in den Arsch zu kriechen“ und habe den Kontakt abgebrochen.

Billy bezeichnete ich immer als „Stiefmama“. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, in ihr eine „böse Stiefmutter“ zu sehen. Mit meiner leiblichen Mutter hatte ich keinen Kontakt, Billy war für mich immer Ansprechpartnerin und gute Freundin. Sieben lange Jahre. Ich vermisse sie und ihre fröhliche offene Art. Sie hatte immer Zeit und ein offenes Ohr und einen guten Ratschlag. Sie war mir, als ich schon erwachsen war, mehr Mutter als meine leibliche Mutter es war, als ich ein Kind war.

Nach Billy kam die böse Stiefmutter

Leider trennte sich mein Vater von Billy und heiratete dann seine jetzige Frau. Eine falsche Schlange, die mir bis zur Hochzeit in den Allerwertesten kroch, versuchte mich zu manipulieren um dann nach der Hochzeit, einen Keil zwischen meinen Vater und mich zu treiben. Sie bedrohte mich: „meine Söhne schneiden dir den Kopf ab. Du wirst noch was erleben, was du noch nicht erlebt hast“ (nur weil ich sie bei meinem Geburtstagessen nicht dabei haben wollte, nachdem ich draufgekommen war, wie falsch sie ist). Diese Frau ist wirklich eine „böse Stiefmutter“.

Weil sich da mein Vater auch noch auf ihre Seite gestellt hat, „mich gibt’s nur im Doppelpack, entweder gemeinsam mit ihr oder gar nicht“ habe ich den Kontakt abgebrochen. Diese Reaktion von ihm hat mich zwar sehr verletzt, aber mittlerweile habe ich eingesehen, dass er wahrscheinlich immer schon so einen schwachen Charakter hatte.

Mit Billy habe ich nach wie vor telefonischen Kontakt, leider sehen wir uns wenig, weil sie weit weg gezogen ist. Meine leibliche Mutter hat wohl ihre Fehler mir gegenüber in der Vergangenheit eingesehen, sie hat es zwar nie ausdrücklich gesagt, aber man merkt dass sie sich sehr bemüht, ein gutes Verhältnis zu mir aufzubauen.

Zwei Frauen – zwei unterschiedliche Stiefmütter

Irgendwie habe ich jetzt immer diese zwei Frauen vor Augen, Billy – mein Vorbild – und die böse Stiefmutter – Schlange. So wie sie möchte ich nieee auch nur im Ansatz sein. Ich habe als erwachsene Frau zwei neue Partnerinnen meines Vaters kennengelernt. Eine, an die ich mich immer sehr gern erinnere, die eine wahre Bereicherung für mein Leben dargestellt hat. Daneben dann das komplette Gegenteil. Und irgendwie denke ich, dass ich von beiden etwas für meine neue Beziehung und seinen Nachwuchs habe lernen können.

LG Nadi


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Foto: Stocksnap, Paul Genyk

3 Kommentare

  1. Nadi sagt

    @dana:
    Ich glaub ich schlag mich ganz gut ?. Ich muss aber auch sagen ich hab verdammtes Glück mit meinen Exen. Die Mutter der drei älteren (von denen 2 schon volljährig sind und die dritte ein Teeny ist) ist eine wirklich herzliche Person, bin oft bei ihr auf Kaffee und wir unterstützen uns gegenseitig. Über Die Mutter des jüngsten (Grundschulalter) ärgere ich mich zwar immer mal wieder, ich werd mit ihr nicht warm und ich mag sie nicht(das wäre eine Zuuuu lange Geschichte) trotzdem schaffen wir es, respektvoll miteinander umzugehen (Kontakt nur wenn es wegen dem kleinen sein MUSS, vor dem Kind immer freundlich zueinander, keine bösen Worte über die andere beim Kind), sodass der kleine sehr schnell mit mir warm geworden ist.
    Eigenen Kinderwunsch hatte ich eigentlich noch nie, weswegen es für mich kein Problem ist, dass er schon 4 hat. Immerhin habe ich ja nicht nur eine neue Beziehung bekommen, sondern ein ganzes Multipack ?. allerdings musste ich mir darüber doch schon mal den Kopf zerbrechen, als der besten Freundin von meinem Freund beim fortgehen einmal herausgerutscht ist, dass er evtl. doch noch einmal eines möchte, wenn alles passt (??). Ich hab ihn nie auf das Gespräch mit seiner Freundin angesprochen aber mir selbst für mich meine Gedanken gemacht.
    Von mir aus bin ich mit meiner derzeitigen Situation völlig zufrieden und werde von mir aus auch nichts daran ändern wollen, sollte jedoch irgendwann in meinem Freund wirklich der Wunsch nach einem 5. aufkeimen und diesen auch mir gegenüber äußern, ich glaube ich könnte ihm diesen nicht abschlagen. Er ist sooooo ein lieber Papa, er lebt für seine Kinder ist immer für Sie da. Aber wie gesagt, ich hab einen Freund bekommen, und mit ihm ein Komplettpaket mit einer lieben Familie (schwiegermama und co) einer lieben „First“ und vier tollen Kindern in allen Altersstufen. Langweilig wird mir nie ☺️Ich bin zufrieden so wie es ist.

  2. Dana sagt

    Zum Glück hast du aber beide Seiten kennenlernen dürfen. Nicht nur den bösen Part. Und wie geht es dir nun selbst als Stiefmutter von gleich 4 Kindern (Puh ;-))? Und auch wenn ein kinderwunsch von deiner Seite aus bestünde, wäre das mit diesem Mann nicht machbar schätze ich?!

  3. Milliana sagt

    Ist schon komisch, wie ein und derselbe Mann sich in so unterschiedliche Frauen verlieben kann.

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