Die neue Familie
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Eine verstorbene Mutter wirft lange Schatten

Die verstorbene Mutter. Foto: stocksnap, Neil Thomas

 Es gibt Momente, da wird einer Stiefmutter auf sehr schmerzhafte Weise bewusst, was die Außenwelt über ihre Funktion denkt. Sybille hat das gerade erfahren. Sie ist seit vier Jahren Vollzeit-Stiefmutter. Die Mutter ihrer Bonuskinder ist verstorben, sie war eine gute Freundin. Die Beziehung zum Witwer, ihrem jetzigen Mann, begann ein halbes Jahr nach dem Tod der Freundin. Trotzdem viel zu früh, urteilt das Umfeld. Die verstorbene Mutter und die Trauer der Familie ist immer noch für viele Außenstehende das vorherrschende Thema. Wie die Stiefmutter ihre Situation managt, wie sie die Kinder tröstet und auffängt, wie sie versucht ihren neuen, eigenen Platz in der Familie zu finden, interessiert nur wenige.

Eine verstorbene Mutter wirft lange Schatten

 „Wir bereiten die Konfirmation von meinem ältesten Bonuskind vor. Die Einladungen sind geschrieben, an  seine Familie, an die Familie seiner verstorbenen Frau und an meine Familie. Der Pastor war auch schon da. Der gleiche Pastor, der die verstorbene Frau meines Mannes damals beerdigt hat. Es war ein gutes Gespräch. Für meinen Mann und die Kinder“, schrieb Sybille.

Der Pastor stellte viele Fragen. „Wie geht es den Kindern nach dem Verlust der Mutter? Wie erging es meinem Mann bei der Arbeit und allgemein in den letzten Jahren? Wie kommen sie alle mit dem Verlust klar? Wie trauern sie? Eben alle Fragen, die sich nach dem Tod einer Mutter an den Witwer und die Halbwaisen so stellen. Wie es mir, der Stiefmutter, mit der für mich ja ebenfalls neu entstandenen Situation geht, interessiert nicht. Sybille darf Tee machen, Sybille darf sich um die Kinder kümmern, Sybille darf daneben sitzen. Aber ER, der Pastor fragt nicht, wie es mir geht.“

Sybille hat den Pastor drauf angesprochen. Er wurde rot, meint sie. „Wahrscheinlich war ihm die Situation unangenehm. War aber typisch. So habe ich es schon häufig erlebt. Stiefmutter macht und tut, aber wie es ihr damit geht, interessiert nicht.“ Sybilles Befürchtung ist, dass am Tag der Konfirmation immer wieder die verstorbene Mutter zum Thema wird. „Das ist sicherlich auch angebracht, aber ständig halte ich das, glaube ich, nicht aus. Davor haben mein Mann und ich Angst. Ich befürchte, dass es ein Up and Down der Gefühle geben wird.“

Würde die verstorbene Mutter nicht wollen, dass es allen gut geht?

„Ich habe schon sehr oft geschluckt und nichts gesagt. Aber jetzt nach vier Jahren mache ich meinen Mund auf und sage wie es mir geht. Hinterher geht’s mir dann meist besser. Aber es ist eine emotionale Berg- und Talfahrt.  Nun ist mein ältestes Bonuskind auch nicht einfach. Sie agiert oft gegen mich und wird auch am Tage der Konfirmation auf die Mitleidstour machen und mir die Schuld am Elend geben. Vor Publikum, also vor den ganzen Verwandten, macht sie das besonders gern. Ich würde mir wünschen, dass mal jemand zu ihr sagt, dass sie doch sehr viel Glück gehabt hat, dass ich jetzt für sie da sei und sie nicht ganz allein wäre. Aber alle bestärken sie nur. Einfach wird das bei der Konfirmation nicht.“

Sybille hat durchaus Verständnis für die Familie. „Es ist natürlich für die Familie, die Geschwister und die Eltern, schwer, ich verstehe das gut. Aber es verletzt mich. Es wird oft gesagt, etwas, was ich tue, sei ja sicherlich im Sinne von … Oder es sei sicherlich nicht im Sinne von … Dann schreit es in mir: und was ist mit mir? Bin ich denn nur ein verlängerter Arm, der alles so machen muss, wie sie? Ich bin doch eine eigenständige Person. Die verstorbene Mutter war ja meine Freundin, erst nach ihrem Tod habe ich meinen Mann als Mann gesehen. Ich trauere auch. Und trotzdem sorge ich dafür, dass es allen gut geht.“

Ich höre tatsächlich häufig derartige Geschichten. Wenn es einen tragischen Vorfall in einer Patchwork Familie gab, Tod des Vaters oder Tod der Mutter, bekommen alle Seiten Zuspruch- außer dem Stiefelternteil. Es scheint, als ob ein Stiefelternteil eine Art Hausangestellte sei, der sich zwar um das Wohl der anderen kümmert, emotional aber nicht dazugehört. Warum ist das so? Gönnen die Angehörigen der Verstorbenen den Kindern und dem Ex-Schwiegersohn nicht das neue Glück? Die Mutter wird ja nicht wieder lebendig dadurch, dass man die Stiefmutter schlecht macht. Wäre es nicht viel besser für alle, wenn sie die „Neue Mutter“ mit einbezögen? Sie fängt eine Familie auf und lebt in dieser Familie. Sie sorgt mit dafür, dass alles läuft. Sollte man ihr nicht danken, statt sie in die Ecke zu stellen?

Ich bin mir sicher: Auch die verstorbene Frau deines Mannes hätte gewollt, dass die Kinder wieder glücklich werden. Dass sie von einer neuen Frau, zudem diese eine Freundin war, Liebe bekommen und Zuneigung. Es fällt meist nur anderen so schwer, dass zu sehen und sich darüber zu freuen.

Susanne

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Foto: stocksnap, Neil Thomas

32 Kommentare

  1. Silja sagt

    Ich bin seit knapp 3 Jahren auch eine Vollzeit Stiefmutter (gemeinsames Kind ist 2 Jahre alt)mit dem Schatten einer verstorbenen Mama,welcher wie ein Damokles Schwert immer mal wieder über uns als neue Familie hängt. Ich finde diesen Blog extrem toll und unglaublich bereichernd und würde mich sehr freuen in persönlichen Kontakt mit Euch zu treten.
    VIELEN DANK!!!!!

    • Sybille sagt

      Hallo silja,
      Ja es gibt die guten und die schlechten Tage. Ich bin jetzt seit 4 Jahren in dieser Rolle. Den Kindern kann ich die Mutter nicht ersetzen und das will ich auch gar nicht. Ich sehe mich als ihr Berater und Mentor, ich will ihnen zu Seite stellen und sie begleiten wie meine eigenen Kinder. Wenn Sie es denn zulassen…. Manchmal lassen Sie es nicht zu.
      Es gibt immer wieder Phasen Un denen die verstorbene Mutter sehr präsent ist. Zu Weihnachten oder an Geburtstagen…. Ich frage mich oft, was hattest du verstorbene Mama, jetzt wohl gemacht. Würdest du verstorbene Mama, dich such so für meine Kinder einsetzen, würdest du dich auch so aufreiben.
      Ich habe letzte Woche vor dem Grab der verstorbenen Mama gestanden und einen Blumenstrauß gebracht. Es hat mir unsagbar gut getan.
      Als zweite Frau spürt man auch hier eine gewisse Eifersucht, manchmal eine Wut darüber, gerade wenn etwas in der Erziehung der Kids versäumt oder etwas schwer ist. Mir tat es gut vor dem Grab zu stehen…
      Von außen wird man immer beobachtet, teilweise abgestempelt.
      Nach der oben genannten Konfirmation hat der Pastor mich vor der Gemeinde gelobt, hat gesagt wie sehr er es bewundert, das es Frauen wie uns gibt….

      • Silja sagt

        Liebe Sybille,
        wie können wir mal persönich in Kontakt treten?! Meine e-mail adresse ist aktuell nicht zugänglich. 🙁

        Lg Silja

    • Christine1969 sagt

      … der Vergleich mit dem Damokles-Schwert ist super. Genau so fühlt es sich für mich an. Mein Mann ist auch Witwer. Allerdings hatte er damals schon eine Patchwork-Familie, bestehend aus seinem eigenen Sohn und den zwei Kindern seiner verstorbenen Frau. Mit seinem Sohn und der Stieftochter verstehe ich mich eigentlich ganz gut …. nur aber nicht mit den Ex-Schwiegereltern, also den Eltern seiner verstorbenen Frau, die direkt neben uns wohnen und uns tagein tagaus im Visier haben und das ganz Dorf gegen uns aufhetzen. Sie können es meinem Mann nicht verzeihen, dass er im letzten November wieder geheiratet hat (seine Frau ist bereits vor sechs Jahren verstorben) und sind neidisch und eifersüchtig. Schade, wirklich schade. Das macht natürlich auch die Situation zwischen meinem Mann und mir manchmal schwierig, weil seine Es-Frau dadurch immer wieder Thema ist … auch an Stellen, wo es überhaupt nicht notwendig wäre.

      Aber ich habe Glück. Mein Mann hat eingesehen, dass wir aus dem Haus und von dem Ort weg ziehen müssen … eine Beziehung zu Dritt kann auf die Dauer nicht funktionieren.

  2. Susanne Petermann sagt

    Per E-Mail:
    Ich hab gerade sehr interessiert den Artikel über die verstorbene Mutter gelesen.
    Ich bin auch so eine Stiefmutter und habe sehr anstrengende 10 Jahre hinter mir.
    Hier eine kurz Zusammenfassung meiner Geschichte: ich bin 52 Jahre alt und war
    20 Jahre mit meinem ersten Partner zusammen, Trennung 2006, ich habe zwei Kinder 19 und 20 Jahre, die bei mir leben.

    Neu verheiratet bin ich mit einem Witwer. Seine Frau starb 2006. Er hat ebenso zwei Kinder 18 und 20 Jahre alt. Seit 2008 leben wir alle zusammen und ich bin Stiefmutter. Ich bin mit meinen Kindern in das Haus der 1. Familie gezogen und dies war eine Katastrophe, die verstorbene Frau lebte als Geist mit uns zusammen. Gott sei Dank sind wir vor 1 1/2 Jahren dort ausgezogen und alles geht viel besser.

    Man steht unter permanenter Beobachtung, ob es den verwaisten Kindern auch gut geht mit der neuen Situation und kämpft ständig bei den Kindern um die Anerkennung, da Ihre Mutter für sie einfach alles ist.
    Sie hatte keine Chance während der Pubertät auch mal die schreckliche Mutter zu sein, die etwas verbietet.

    Es ist so eine lange Geschichte, das ich dies garnicht hier alles aufschreiben kann. Aber gerne würde ich Müttern oder Gleichgesinnten helfen oder mich auch gerne austauschen. Ich habe so viele Erfahrung gemacht und ich wünsche mir das andere Mütter in meiner Situation besser damit umgehen können.
    Viele Grüße, L.

    • Sybille sagt

      Liebe L.
      Du schreibst mir aus der Seele, inzwischen könnte ich Romane schreiben. Ich würde mich gerne persönlich mit dir austauschen.
      Lg Sybille

    • Sybille sagt

      Liebe L.
      Du sprichst mir aus der Seele. Ich würde gerne persönlich mit dir in Kontakt treten. LG Sybille

  3. Susanne Petermann sagt

    Ein Stiefkind:
    Meine Mutter starb da war ich 4 ,niemand bis heute kann ihren Platz einnehmen…ich hatte zwei „Stiefmütter“ und unzählige Freundinnen meines Vaters… eine wollte nie verstehen ,das sie nicht unsere Mutter wird … die erste offizielle Stiefmutter…sagte zu meiner Oma(Mutter von meiner Mutter) es ist einfach mit jemand zu konkurieren die noch lebt ,gegen eine tote kommt man nicht an…. meine Mutter ,ist bis heute bei uns ..sie ist immer Gesprächsthema gewesen und das ist besonders für die Kinder wichtig ..um sie am Leben zulassen ,man vergisst mit den Jahren viel,aber im Herzen bleibt soviel…ist doch klar ,das wenn die Familie zusammen kommt ,die Person über Gespräche dabei sein soll/ist …

    die Dame wird nie diese Stelle einnehmen,sie muss damit Leben das die Mutter immer eine stelle im Leben ihrer Bonuskinder haben wird…wenn sie mit den Kindern über die Mama spricht ,was sie gemeinsam erlebt hat ,was das Ziel der Mutter war ,sie bleiben darf …wird sie akzeptiert, weil sie nur eine Freundin der Kinder werden kann… aber die Familie der Mutter wird sie nie davon abbringen ,das ihre Tochter /Schwester etc noch in Gedanken dabei ist …noch heute spricht meine Oma von ihren Kindern als seien sie gestern noch da gewesen ..ihr Sohn ist dies Jahr 50 Jahre Tod und ihre Tochter 31 Jahre.. also ,eine Familie die über verstorbene sprechen lassen diese nie für immer gehen ..und das ist auch gut so.

    Meine Kindheit war schön,kann nicht klagen …aber wie meine Stiefmutter sagte ,gegen eine tote kommt man nicht an ..nicht wegen uns oder meiner Oma ..nein mein Vater verglich alles was sie tat ,mit dem was meine Mutter vorher tat… aber das reden über verstorbene soll nicht lebende in den Schatten stellen …

    aber es wäre vielleicht für die Kinder auch schön zu hören ,was die beiden so angestellt haben ,so zeigt sie den Kindern das sie die Mutter nicht verdrängen kann.. wir waren drei Kinder ,in verschiedenen Altersklassen ,wir haben das alles anders aufgenommen.. und Leben trotzallen ganz anders damit …es ist keine einfache Situation ..aber dennoch kann sie es schaffen ,wenn es bei aller liebe immer ein Moment gibt ,wo es nur um die Mutter geht … im Alter übrigens vergisst man nicht ,was der andere für einen tat oder nicht ,als Kind kann man es nicht einfach so zeigen …

    • Sternlein sagt

      Sehr interssant es auch mal aus der Seite eines Kindes zu hören deren Mutter verstarb.
      Ich hab allerdings das Gefühl, dass die Stiefmutter die verstorbene Mutter nicht verdrängen oder vergessen will. Das das nicht funktioniert und auch nicht richtig ist, ist glaub ich klar. Ich hab das Gefühl es geht eher daraum, das die neue Mutter nicht genügend anerkannt wird, das sie ständig verglichen wird. Mir kommt es auch so vor, als das der Vater mit der neuen Frau den drei Kindern ein stabiles Umfeld bietet was ich für wichtig empfinde. Das ist vielleicht in deinem Falle anders verlaufen…

      Ich würd nochmal vorschlagen das Konfirmanten Kind entscheiden zu lassen was sie möchte. Es ist IHR Tag und ihre Wünsche sollten mit Respekt, Liebe und Verständnis aufgenommen werden. Wie das ganze dann umgesetzt wird kann man ja dann sehen. Es kamen ja schon tolle Vorschläge und Ideen!
      Mit 14 Jahren ist Teenis sooo vieles peinlich und vielleicht möchte sie auch gar nicht das öffentlich z.b. in der Kirche, bei den Fürbitten, über die verstorbene Mutter gesprochen wird..wer weiß..

    • Sybille sagt

      Liebes Stiefkind
      wie schön einmal eine andere Perspektive zu sehen.
      Niemals würde ich die leibliche Mutter vergessen oder verdrängen wollen oder gar ihren Platz im Herzen der Kinder einnehmen wollen.
      Ich will ihnen Berater, Unterstützer und Mentor sein soweit sie es denn zulassen. Die leibliche Mutter ist immer wieder Thema bei uns ,ebenso wie mein EXmann.
      Aber auch mein Mann und ich haben ein Recht auf Leben im Hier und Jetzt. Das Alte darf nicht vergessen werden , aber die neue Beziehung darf auch sein.
      Wir haben einfach Angst davor, das an einem solchen Tag sehr in der Vergangenheit gelebt wird und der Focus auf der verstorbenen Mutter liegt, und das würde uns allgemein nicht gut tun.
      Ganz liebe Grüße

  4. Hallo liebe 🙂

    ich mag dir 2 Ideen für das Fest und eine allgemeine Fragen mitgeben

    – wählt mit dem Konfirmations-Kind ein Foto von der verstorbenen Mutter aus, gebt es in einen schönen Rahmen und stellt es beim Fest mit auf den Tisch – es sollte ein strahlendes lachendes Foto sein

    – wann immer das Gespräch auf die verstorbene Mutter kommt – sei proaktiv und erzähle, etwas was du mit ihr erlebt hast als Freundin und dass sie dir auch fehlt – dieses Gespräch kannst du mit den Kindern, besonders der Großen führen / erinnert euch gemeinsam

    Meine Fragen an dich:
    Wie fühlt es sich für dich denn innen an – Hast du deinen Platz ganz eingenommen? Hast du vielleicht insgeheim auch noch Bedenken, dass es ein halbes Jahr nach dem Tod deiner Freundin doch noch zufrüh war für die Beziehung? Dass es sich gehört hätte länger zu warten, ein Trauerjahr oder so?
    Meist spiegeln uns die Menschen im Außen nur unsere Ängste, Gedanken, Befürchtungen, Einstellungen wieder.
    Meine Idee für dich – nimm die Reaktionen und deine Bewertung einfach mal zur Selbstreflektion und Überprüfung.
    Und dann lass du zuerst alle diese Bedenken und Bewertungen los – atme tief durch – stehe ganz bewusst gerade und sag laut JA – Ja zu deiner Situation – ja zu den Kindern und „ja ich bin eure Vize-Mama – ganz“.

    Ich wünsche dir viel Gelassenheit und Geduld mit den Menschen im Außen – wichtig bist du im Innen, in deinem Gefühl, dass du deinen Platz hast und dein Mann dich dort auch gut sieht.

    Christine

  5. Manuel sagt

    Wenn sich bei solchen Gelegenheiten mal wieder alles nur um die Verstorbene dreht würde ich persönlich demonstrativ aufstehen, etwas von „…bin hier wohl überflüssig…“ murmeln und von dannen ziehen. Fertig.
    Da bräuchte mir dann auch keiner hinterher zu kommen mit „…war nicht so gemeint…“ oder „…stell dich nicht so an…“. Was zuviel ist ist zuviel.
    Es gibt Menschen, denen muss man einfach zeigen was man von ihrem Verhalten hält.

    Damit mich niemand missversteht:
    Es geht nicht darum, dass die verstorbene Mutter völlig ausgeblendet werden soll. Es muss aber auch mal gewürdigt werden, was ein Stiefelternteil tagtäglich für seine „Beutekinder“ leistet. In erster Line gerade von nahen Verwandten und Freunden die das wohl mitbekommen sollten.

    Weiterhin hätte ich bei den Sprüchen wie „…ist sicher (nicht) im Sinne von…“ absolut keine Skrupel deutlich zur Sprache zu bringen, dass es mir und dem leiblichen Elternteil sch**ßegal ist ist, ob es vielleicht (nicht) im Sinne des verstorbenen Elternteils ist solange es im Sinne der Kinder und Patchworkeltern ist. Punkt.

    • Susanne Petermann sagt

      Die Konfirmation ist das Fest des Kindes. Da können (Stief)Eltern ein Auge zudrücken und gute Miene zum bösen Spiel machen. Steht man einfach auf und geht, ist das für die Kinder ja auch blöd. Hinterher sieht das dann ganz anders aus…

      • Kerstin sagt

        Sehe ich auch so, dass das Rausgehen gepaart mit der Äußerung einfach an dem Tag zu viel ist.
        Man kann es niemandem verübeln, wenn die Stiefmutter tatsächlich raus geht, wenn sie sich extrem schlecht in der Situation fühlt.
        Das würde ich vermutlich auch so machen. Einfach raus gehen – aber ohne das ganz große Theater…

        „ist nicht im Sinne von“……. Auch harte Worte. Vielleicht sollte man bei der Mutter (also Oma des Kindes) an dem Tag eher Gnade vor Recht walten lassen. Vielleicht ist es für sie schlimm genug, dass ihr Kind nicht an dem Tag anwesend sein und vieles kommt wieder hoch. Da würde ich in der schwierigen Situation nicht noch Öl ins Feuer gießen. (Was nicht heißt, dass diese Thematik nicht grundsätzlich mal zu klären wäre, dass es eben jetzt neue Richtlinien und Regeln gibt und die heissen nicht: „Was hätte XY GEWOLLT?“)

    • Claudia sagt

      Ich finde die Reaktion, einfach aufzustehen und vor sich hinmurmeln und abzuhauen, als keine Gute Idee. Sicherlich wäre es schön wenn das Bemühen der Stiefmutter anerkannt werden würde. Aber an Tagen die für die Kinder wichtig und prägend sind gehört sich sowas nicht! Allgemein ist dieses Verhalten kindisch und auch nicht gerade pädagogisch wertvoll bzw. kontraproduktiv. Es ist sehr schwierig hier einen Rat zu finden. Ich bin auch Stiefmama einer fast 6 Jährigen. Aber das Thema Tod der leiblichen Mutter und dann aufwachsen bei/mit der Stiefmutter ist ein sehr schweres Thema. Für die Kinder ist eine Mutter unersetzlich und auch nicht austauschbar und das ist auch gut so. Ich finde den Tipp mit dem Bild aufstellen und über gemeinsames erlebtes reden super. So sehen die Kinder in welchen Bezug die Mutter zur Stiefmutter stand und das sie tolle Zeiten erlebt haben und sie durch die Erinnerungen auch bei der Stiefmutter weiterlebt. Und vielleicht sehen die Kids dann die Stiefmutter mit anderen Augen und beginnen es wertzuschätzen was sie eigentlich macht. Aber wenn wir ehrlich sind. Eine leibliche Mutter bekommt auch nicht immer die Anerkennung und Wertschätzung für das tägliche Tun, welche sie eigentlich verdient hätte. Vielleicht ist es aber auch für die Kinder mittlerweile selbstverständlich das die Stiefmama alles macht und sich kümmert weil sie sie schon als vollständiges Familienmitglied sehen und sie gern haben und sie es so toll macht wie ihre Mama als sie noch gelebt hat.

      • Kerstin sagt

        Interessant finde ich deinen Aspekt, dass einen leibliche Kinder auch nicht mit Dankbarkeit und Anerkennung übersähen. Besonders nicht in pubertären Phasen, wo Nahrung, Freunde, Zocken & Co. im Vordergrund stehen.
        Da sollte man vielleicht mal das ein oder andere Auge zudrücken können und seine eigenen Befindlichkeiten ein klein wenig zurückfahren. Bei eigenen Kindern fällt einem das wohl durchaus leichter, aber da sollte man ggf. die Messlatte ansetzen. Das ist nicht einfach…. zum eigenen Kind ist es nämlich schnell gesagt: „Sag mal, geht’s noch? Komm mal wieder klar im Kopf, das mach ich ja grad nicht zum Spaß und weil ich mich heute sooooo furchtbar langweile, sondern FÜR DICH!“ Gegenüber den Stiefkindern ist es schwieriger seinen Unmut zu äußern und man ist immer drauf bedacht, dass man alles ganz „politisch korrekt“ zelebriert.

  6. Sternlein sagt

    Ich finde die Idee mit den Fürbitten sehr gut! Ich bin zwar katholisch aber ich glaube die haben Protestanten auch, oder?
    Und dann auch das Kind fragen.!!!! Was stellt sie sich vor? Was wünscht sie sich? Ein Foto der Mutter aufm Tisch? Oder ein selbst bemalter Stein? Oder möchte das Kind lieber für sich was machen? In seinem Inneren? Ohne das es jemand mitbekommt? Oder vielleicht ein Schmuckstück der verstorbenen Mutter anziehen? Oder vom Vater geschnekt bekommen? Eine Kette, einen Ring?

    Es ist das Fest des Kindes!! Das finde ich ganz wichtig! Da wird ein junger Mensch noch ein Stück weiter in die Kirche, den Glauben aufgenommen. Da sollte es nicht um die verstorbene Mutter gehen.

  7. Sternlein sagt

    Ui, ein heikles Thema.
    Ja, wie gerne wird doch drüber geredet ob der Mann nicht vielleicht doch schon ne Affäre mit der neuen Frau hatte als seine Ehefrau noch lebte.. Womöglich war die schon lange krank und ein Mann hat ja schießlich auch Bedürfnisse *Ironie aus* Und dann ist es auch noch die beste Freundin…
    Alles in allem eine schwierige Situation die sich aber nach 4 Jahren langsam geklärt haben sollte.
    Schade das von den Außenstehenden wohl kaum einer sieht das die Bonusmutter die Kinder liebt und es ihnen gut geht und sie glücklich sind. Ich kann mir auch vorstellen, dass es für Kinder einfacher ist sich an einen neuen Partner zu gewöhnen den sie schon kennen… (so wars jedenfalls bei mir. Mein neuer Partner ist der Vater der besten Freundin meiner Tochter und wir kannten uns dadurch schon einige Jahre zuvor)

    Von uns Frauen wird erwartet das wir uns um Kinder, den Haushalt und den Mann kümmern. Das liegt wohl in unserer Bestimmung *Ironie aus*

    Die Idee die verstorbene Mutter mit einzubeziehen ist prima und nicht ausergewöhnlich. Ich denke nicht, das die Bonusmutter damit ein Problem hätte. Ein verstorbener oder geschiedener Elternteil gehört ja auch zum Leben der Kinder dazu und sollte wert geschätzt werden.

  8. Angela sagt

    Ich kann mir sehr gut vorstellen das die Familie der verstorbenen Mutter an den echten Gefühlen deines Mannes zu der verstorbenen anzweifelt und euch sogar insgeheim betrug an dieser unterstellt indem Sinne wie : das kann mir keiner erzählen das da nicht schon vorher etwas war. Die Medien peitschen das ganze ja auch noch an siehe die van de vaarts. Dann kommt hinzu das vielleicht der gedanke aufkommt jetzt wird die Mutter todgeschwiegen. Jetzt werden den Kindern durch das vorsetzen einer neuen Frau Erinnerungen genommen vielleicht sogar verboten. In Trauer spielt auch Ungerechtigkeit eine große rolle. Was haltet ihr davon den Pfarrer bei der Konfirmation zu bitten eine selbstgeschriebene Fürbitte vorzutragen : lieber Gott wir bitten dich lass die Namen der Mutter von oben stolz auf ihre Kinder herabsehen und ihnen ein Schutzengel sein. Und bei der Feier ein Bild der Mutter mit dem Konfirmanden aufstellen. So das sie dabei ist. Ein schönes Geschenk wäre auch für das Kind ein erinnerungsalbum als fotobuch mit Bildern wo sie mit Mutter / Vater / dir zusammen ist. Damit sie sieht es geht weiter aber die Erinnerung bleibt.

    • Susanne Petermann sagt

      Danke Dir! Ich hatte das Gefühl, die Mutter wird bei der Feier sowieso sehr präsent sein und Sybille würde sich wünschen, dass auch sie, bzw. die neue Familienkonstellation etwas gesehen wird. Dass es eben keine zweite Trauerfeier der Mutter wird, sondern die Konfirmation der Kinder. Hast Du da auch eine Idee?

    • Angela sagt

      Ja es gibt da eine Idee mann kann auf einem Familie Bild der jetzigen Familienkonstellation den.lächelnden Schatten der Mutter einbauen Google das mal. Dann erkennt man das die Mutter es wohlwollend betrachtet und gut heißt

      • Susanne Petermann sagt

        Das klingt ja toll. Das google ich gleich mal

      • Kikaninchen sagt

        Bei allem Respekt aber das klingt echt total gruselig! Ich bin Witwe und Bonusmami einer Halbwaise und weder ich noch mein Freund würden so etwas jemals gutheißen!
        Es geht darum NICHT im Schatten einer anderen Person zu Leben, dieser Vorschlag suggeriert genau das Gegenteil.
        Es schockt mich immer wieder, was von uns Stiefeltern von Halbwaisen alles verlangt wird, was in anderen Patchwork Konstellationen ein absolutes No-Go wäre.

      • Susanne Petermann sagt

        Super. Das sieht wirklich schön aus

      • Sybille sagt

        oh,
        das kann man bei einem verstorbenen Kind machen, aber ein Mann und 2 Frauen, davon eine als Schatten.
        Ich stelle mir gerade vor, eine Patchworkfamilie , wo jeweils die geschiedenen Partner als Schatten dargestellt werden.
        Ich persönlich habe dabei kein gutes Gefühl

      • Bonne maman sagt

        So ein Familienfoto fände ich befremdlich. Bei einem verstorbenen Kind ist das anders. Ich als jetzige Partnerin und Vollzeit-Stiefmutter wollte es nicht.
        Ich kannte die verstorbene Frau nicht, sie hat ihre Rolle in der jetzigen Familienkonstellation als verstorbene Mutter, als solche erfährt sie Achtung, Respekt und hat ihre „Berechtigung“. In den Zimmern der Kinder sind schöne Fotos von ihr und den Kindern, sie ist aber zweifelsfrei Vergangenheit des Witwers und der Kinder.
        Das hat mit Verdrängen oder Konkurrenz nichts zu tun, die Fakten sind ja, wie sie sind.
        Ich las einmal: „Man soll den TOTEN mit Achtung und Dankbarkeit gedenken, den LEBENDEN aber seine Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit schenken.“
        Bei uns funktioniert das glücklicherweise mit den drei zusammengeführten Familien gut. Alle sind im Hier und Jetzt, dafür bin ich sehr dankbar!!!!!
        Wir feiern Geburtstage und Familienfeiern alle zusammen.
        Die der verstorbenen Mutter nahe Gestandenen denken dabei an sie, keine Frage, es fallen mitunter Anekdoten oder es ist manchmal die Rede von ihr, aber nie, dass es für mich verletztend wäre. Das passiert unaufgeregt und „normal“.
        Im Grunde habe ich das Gefühl, dass alle um die jetzige Konstellation froh und dankbar sind.

        Wir brachten im Anschluss der Konfirmationsfeiern zum Gedenken eines der in der Feier verwendeten Tischgestecke auf das Grab der verstorbenen Mutter. Wir empfanden, das stellt einen schönen unmittelbaren Bezug zur Feier her.

    • Susanne Petermann sagt

      Liebe Kikaninchen,
      danke für deine Ehrlichkeit. Die Idee eines solchen Fotos klingt erst einmal schön. Vor allem, da die beiden Frauen auch Freundinnen waren. Aber Du hast recht, es ist der Schatten – unter dem man lebt. Keine eigene Sonne.
      Ich denke, dass kaum jemand nachvollziehen kann, wie es sich anfühlt, mit einer verstorbenen Mutter zu leben. Für die Kinder, den Partner und den neuen Partner. Was würdest Du raten? Du bist in einer ähnlichen Situation wie Sybille. Wie meistert Ihr diese Klippen?
      Susanne

      • Kikaninchen sagt

        Ja wie meistern wir diese Klippen? Diese Frage ist zugegebenermaßen garnicht so einfach zu beantworten.
        Es ist eine Gradwanderung, dass will ich garnicht bestreiten. Es erfordert sehr viel Empathie und Rücksichtnahme von beiden Seiten!
        Ich glaube wichtig ist aber, sich Selbst und die eigenen Gefühle nicht aus dem Blick zu verlieren um Anderen gerecht zu werden. Ich kann für niemanden die Trauer übernehmen oder sie erleichtern! Das ist nicht meine Aufgabe.

        Dazu gehört eine sehr offene und ehrliche Kommunikation als Paar, dass machen mein Freund und ich wirklich sehr gut mittlerweile.
        Es ist enorm wichtig das zumindest wir uns über eine Gangart einig sind, denn nur dann können wir das auch selbstbewusst nach außen leben und es verhindert, dass Eifersüchteleien und Minderwertigkeitsgefühle aufkommen.

        Die größten Klippen stellen bei uns der Umgang mit der Familie der verstorbenen Frau meines Freundes dar.
        Sie sind sehr besitzergreifend und übergriffig was die Enkeltochter angeht, sehen ständig ihre Rolle im Leben der Kleinen gefährdet und schüren so eine regelrechte Konkurrenzsituation, auch mit den Eltern meines Freundes.
        Ich werde so ein bisschen als Gegenspielerin betrachtet die „alles verändert“ hat, dabei kann ich ja eigentlich nichts dafür… Alles verändert hat der Tod der Tochter und nicht ich.
        Wir schluckten anfangs sehr viel hinunter,was uns da entgegen und an den Kopf geworfen wurde.
        Wir tun das bei vielen Dingen auch heute noch, weil wir durchaus Verständnis für die schwierige Situation und den Schmerz der Familie haben und ich oft denke es ist den Streit und nicht wert.
        Aber manche Dinge die einmal ausgesprochen wurden sind jetzt nunmal da draußen…-die kann man nichtmehr ungesagt machen…
        Auch ohne nachtragend zu sein vergiftet das natürlich das Verhältnis.
        Wir haben versucht Ihnen klar zu machen wie wichtig Sie für die Enkelin/Nichte sind, dass sie gebraucht werden und das wir daran nichts ändern möchten, um ihnen da die Angst zu nehmen.
        Aber man muss auch realistisch sein!
        WIR sind jetzt eine Familie und wir erwarten, dass das akzeptiert wird.
        WIR als Eltern entscheiden gemeinschaftlich wie WIR die Kinder erziehen, da haben die Großeltern erstmal wenig zu melden, außer vielleicht als Ratgeber ( wenn gefragt )
        Wenn sich darüber hinweg gesetzt wird, dann kommt es mitunter leider zu Diskussionen.
        Wir als Paar ( und Eltern ) haben eine klare Linie über die wir uns einig sind und das versuchen wir trotz aller Empathie und Mitgefühl auszustrahlen.
        Allerdings sind unsere Kinder sehr viel jünger und erinnern/vermissen ihre leiblichen Eltern im Moment nicht, weil sie zu klein waren als die verstorben sind.
        Sicher wird noch eine Zeit kommen in der man damit auch umgehen muss.

        Ich glaube in einer Beziehung mit einem Witwer/Witwe ist enorm wichtig, dass man sich eben NICHT in eine Konkurrenzposition bringen lässt!
        Ich vergleiche mich nie mit der verstorbenen Frau meines Freundes.
        Ich bin auch keine Alternative, ich bin die Partnerin die er sich JETZT ausgesucht hat und mit der er JETZT zusammen sein möchte. Ich will und muss überhaupt niemand ersetzen weil ich auch so genug bin!!!
        Davon bin ich überzeugt und deshalb bin ich glücklich.
        Wichtig ist mir, dass mein Freund mir genau diese Gefühle gibt und das auch ausstrahlt , dann kann ich mit den negativen Reaktionen der Anderen besser umgehen auch wenn es natürlich trotzdem nicht immer einfach ist und oft wehtut.

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