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Ex und Next – So schafft man es, an einem Strang zu ziehen

Ex und Next. Foto: stocksnap, Freestocks.org

Zwischen Ex und Next liegen oft tiefe Gräben, jede gibt der anderen die Schuld dafür. Wie findet eine verstrittene Patchworkfamilie dann wieder zusammen? Wie kann man jahrelange Kämpfe hinter sich lassen? Eva und Mia haben es geschafft. Aus der Abneigung zwischen Stiefmutter Eva und Mutter Mia wurde Verbundenheit. Statt sich gegenseitig Knüppel zwischen die Beine zu werfen, ziehen beide heute an einem Strang. Wie kam es dazu?

Ex und Next – Gierig und anmaßend?

Eva hatte mir schon einige Male geschrieben. Mia, die Ex-Frau ihres Mannes, bereitete ihr viele Probleme. Sie stellte immer neue Forderungen, genug war es nie. Als Eva und ihr Mann sich ein kleines Häuschen gekauft hatten, ließ Mia über ihren Anwalt prüfen, ob ihr nicht höherer Unterhalt zustünde. Als Mia ihr Auto zu Schrott fuhr, verlangte sie von Evas Mann, dass er ihr ein neues kauft. Alexa, die sechsjährige Tochter von Mia und Albin, lebte zwar im Wechselmodell, Mia verlangte trotzdem vollen Unterhalt. Eva unterstellte Mia Gier. „Nie ist ihr etwas genug, immer will sie mehr. Ich bin sprachlos, wie kann man nur so sein??“, schrieb sie mir damals.

Dazu kam: Alexa wurde immer bockiger, wurde in der ersten Klasse schon als verhaltensauffällig bewertet. Mia schob die Schuld dafür auf Eva, die wiederum sah die Verantwortung bei Alexas Mutter, die immer gegen den „ach so geizigen Papa“ wetterte. Eine verfahrene Situation, die viele Trennungsfamilien kennen.

Der Tag, der alles änderte – Der Schicksalsschlag

Doch eines Tages wurde alles anders. Albin, Evas Mann, brach plötzlich zusammen. Herzstillstand. „Mein Mann hatte, im zarten Alter von 43 Jahren, einen schweren Herzinfarkt mit Herzstillstand und Unterversorgung des Gehirns. Die Erstrettung hat komplett versagt, obwohl ich schon am Telefon beim Notruf sagte, bitte sofort und ganz schnell kommen, mein Mann hat einen Herzinfarkt.“ Eine Woche lag Albin im Koma, niemand wusste, ob und wie er aufwachen würde. „Es war furchtbar. Eine schreckliche Zeit.“ Aber sie hatte auch ihr Gutes: Die Patchworkfamilie beendete den Kampf und rückte zusammen.

„Ich habe sehr oft auf unsere Ex gewettert, habe vieles, was sie tat, nicht verstanden. Doch nach diesem gemeinsamen Schicksalsschlag nehme ich alles zurück, was ich je sagte oder dachte. Wir sind alle tapfer und kämpfen. Jeder auf seiner Art. Ich weiß wie wichtig es jetzt für ihn ist zu wissen, dass „draussen“ alles super ist und er sich keine Sorgen machen muss. Ich hatte als Jugendliche einen schweren Autounfall, bei dem mir beide Beine fast amputiert werden mussten. Ich kann so ungefähr erahnen was emotional in seinem Inneren abgeht. Da ich die Frau an seiner Seite bin und ich möchte, dass er glücklich ist, musste ich nun mal über meinen Schatten springen. Und das habe ich auch gemacht.“

Eva rief Mia an. Die erste Reaktion war zickig, wie immer, wenn die beiden Frauen sich zufällig sprachen. „Was willst Du denn nun schon wieder“, fragte Mia. „Es ist meine Woche, du …“ Eva überhörte den vorwurfsvollen Wortschwall, der ihr bei jedem außergewöhnlichen Anruf entgegenschwappte. Als Mia Luft holte sagte sie nur: „Albin schwebt in Lebensgefahr“. Auf der anderen Seite wurde es plötzlich ganz ruhig. „Mein Gott“, sagte Mia. „Was ist passiert?“ Alle Konflikte waren plötzlich Nebensache.

„Der Anfang war stockend. Aber hey, so im Nachhinein muss ich sagen, es hat keinem weh getan.“ Das fünfstündige Telefonat verlief zuerst sehr tränenreich, wurde dann immer lockerer und schöner. „Mia und ich konnten irgendwann sogar miteinander lachen, das ist derzeit für uns alle so wichtig. Und nichts ist schöner, als Albins Augen strahlen zu sehen, wenn Alexa bei ihm ist. Wenn die Lösung, zu ihm zu kommen, ist, mein geliebtes Auto zur Verfügung zu stellen, damit Mia uns fährt, dann ist es halt so. Ich bin derzeit meinen Führerschein los habe aber ein Auto und Mia hat einen Führerschein aber kein Auto.“

So fuhren also entweder beide Frauen gemeinsam ins Krankenhaus, oder Eva lieh Mia ihr Auto. Beide wachten an seiner Seite, beide versprachen Alexa, das alles wieder gut werden würde. „Wir müssen halt beide auch in Zukunft öfter mal über unseren Schatten springen. Wir genießen die derzeitige Harmonie und hoffen, dass es in Zukunft alles so bleibt. Wir zwei Frauen haben uns komplett ausgesprochen und helfen uns durch diese schwere Zeit. Ich kann wirklich nur an alle Next appellieren: Gebt der Ex bitte eine Chance. Und glaubt mir, nie hätte ich gedacht daß ich so etwas jemals sagen würde!

Gebt Euch gegenseitig eine Chance! Für die Kinder

Heute, sechs Monate später, ist immer noch alles gut zwischen Ex und Next. „Mein Mann ist aus dem Koma erwacht, sein Gehirn hat keinen Schaden genommen. Das hat uns alle sehr erleichtert. Nur körperlich ist er noch angeschlagen. Ob er seinen Job als Schreiner jemals wieder ausüben kann steht in den Sternen. Er ist immer noch in der Reha. Es läuft alles super harmonisch, alle sind glücklich und alle Kinder blühen auf. Wir sind auf dem richtigen Weg. Mittlerweile freue ich mich, wenn Mia kommt, wir trinken Kaffee, fast wie Freundinnen.

Albin ist so glücklich, wie lange nicht mehr. „Er ist auf einem guten Weg in der Reha. Er weiß halt, „draußen“ läuft alles super und er braucht sich nur auf sich konzentrieren und muss sich keine Sorgen machen, was zuhause los ist.“

Das Allerschönste allerdings ist der „Nebeneffekt“, mit dem keiner gerechnet hätte. „Seit bei uns alles entspannt ist, kommt Alexa entwicklungstechnisch super in die Gänge. Sie entwickelte sich von einem heulenden, ewig bockenden Kotzbrocken zu einem super süßen, artigen, frechen, lachenden Mädchen, das redet wie ein Wasserfall. Alexa war wirklich vorher total anstrengend, das sagt auch die Kita, aber sie ist so anders geworden. Egal wie die Zukunft wird, es kann ja sein, dass Albin kein Geld mehr verdienen wird und wir keinen Unterhalt mehr zahlen können, Mia und ich haben begriffen, dass für Alexa ein harmonischer Weg der bessere ist. Diese Woche kommt Albin zurück. Wir werden ihn mit einem Begrüßungsessen empfangen. Mia, ihr Lebensgefährte, einige von Albins besten Freunden, Alexa und ich. Ich bin aufgeregt wie vor unserem ersten Date.“

Seit unser Patchwork entspannter ist, blüht das Kind regelrecht auf. Klick um zu Tweeten

Natürlich müssen nicht alle Ex und Next erst einen Schicksalsschlag erleben, bevor sie miteinander reden können. Aber oft ist es eben schwierig, über seinen Schatten zu springen oder zu erkennen, wo Hilfe benötigt wird. Falls Sie sich von einem Experten helfen lassen wollen, finden Sie hier die Liste mit Patchworkcoachs.

Was denken Sie? Bitte E-Mail mit Stichwort „Ex und Next“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einfach einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links, auch nicht in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.


Vom 8. bis 10. Juli 2016 findet der erste PatchWorkshop für zweite Familien, Stiefmütter und Trennungsväter statt. Gastgeber sind Christine Tietz und ich. Wir bieten: Konkrete Hilfestellung in Form eines Wochenendseminars mit Familienaufstellungen, Vorträgen und Einzelgesprächen. Mehr über den PatchWorkshop, die Inhalte und die Kosten erfahrt Ihr hier. Wir freuen uns auf Euch!


Foto: stocksnap, Freestocks.org

11 Kommentare

  1. Anonym sagt

    Bei uns hat selbst ein schlimmer Schicksalsschlag nicht zu einer besseren Kommunikation geführt…
    Mein Mann war von heute auf morgen ab Brusthöhe gelähmt und mehrere Wochen im KH. Sein Kind hat er in dieser Zeit genau 2 mal gesehen und 2 mal gesprochen. Dass er ihm dort am Telefon gesagt hat, dass er ihn vermisst wurde ihm dann kürzlich in einem Umgangsverfahren vorgeworfen. Es hat sich dadurch nichts geändert (obwohl es ganz kurz so aussah). Ich durfte, als ich ihm auf dem Weg zum KH abgeholt habe kurz reinkommen und drinnen warten (normalerweise dürfen wir nicht mal das Grundstück betreten), aber von längeren Gesprächen o.ä. konnte nicht die Rede sein. Er hat ihr aus dem KH einen langen Brief geschrieben, der sie wohl auch sehr berührt hat, einen zweiten (die Fortstetzung des ersten) hat sie aber – aus genau diesem Grund – verweigert zu lesen. Als mein Mann früher zurück war als gedacht, hat sie noch versucht, das Umgangswochenende zu verkürzen. Es hätte sie wohl nicht gestört, wenn mein Mann noch länger fort gewesen wäre und sie den Sohn noch mehr hätte entfremden können.
    Schade, ich hatte wirklich gehofft, das würde die Gesamtsituation verbessern, aber am Ende ist alles beim Alten. Glücklicherweise geht es meinem Mann wieder gut und er kann wieder normal laufen und gilt rein neurologisch als gesund. Aber an der Einstellung der Ex hat sich so rein gar nichts geändert.

  2. Bärbel sagt

    Also bei uns beruht es auf Gegenseitigkeit bzw. wäre das für meinen Lebensgefährte sein schlimmster Alptraum, wenn ich mich mit der Ex gut verstehen würde. Der Hintergrund ist, sie hat ihm in der Beziehung seiner Aussage nach so dermaßen viel (einfach zu viel) über Jahre hinweg angetan, er hält sie für einen schlechten Menschen und kann von sich aus kein freundschaftliches Verhältnis mehr zu ihr aufbauen. Der Kinder wegen können sie sich sachlich unterhalten, aber Sympathie oder Freundschaft ist bei ihm nicht mehr drinnen. Auch hat sie die Kinder erziehungstechnisch im Griff, da sie ja bei ihr wohnen. Er kämpft nur in geringem Maße, er hat von diesem Menschen einfach so die Schnauze voll, dass er lieber das tut was sie sagt, anstatt zu kämpfen. Ich kann es verstehen, ich kenne sie nicht gut, aber das was ich bis jetzt mitgekriegt habe reicht von Lug, Betrug, Drogen, seit nun ca. 1,5 Jahren mittelschwere Alkoholsucht (Kinder Versprechungen machen und diese dann brechen, weil man noch nicht Autofahren kann wegen dem Restalkohol), dementsprechende Aggressvität, wird richtig derb wenn sie was getrunken hat, schenkt ihrer Minderjährigen Tochter Zigaretten zum Geburtstag, etc. PP.

    Also ich bin froh, wirklich froh, dass ich mit ihr nichts zu tun haben MUSS! Ich sags euch wie es ist. Auch wenn es für die Kinder vielleicht besser laufen würde, aber ich will mit so einem Menschen nie an einem Strang ziehen!

    Also ich denke selbst wenn mein LG im Krankenhaus im Sterben liegen würde, würden wir uns nie zusammenraufen oder ähnliches. Die Fronten sind von Anfang an geklärt, jeder ist froh wenn er den Anderen nicht sieht.

  3. Sternlein sagt

    Als mein Ex-Mann von dem ich seit 9 1/2 Jahren getrennt und seit 7 Jahren geschieden bin vor 2 Jahren von einem auf den anderen Tag schwerst erkrankte, war ich es die an seiner Seite saß. Stundenlang, tagelang, wochenlang. Es ging ihm so schlecht das wir zusammen seine Beerdigung planten, ich bekam Zugang zu allen seinen Konten, einen Wohnungsschlüssel u.ä. und wir haben uns bevor er in eine 8 stündige OP ging von der niemand wusste ob er sie überleben wird, ausgesprochen. Ich habe ihm gedankt für 15 gute Ehejahre und dafür, dass er doch auf seine Weise für uns (Kinder und mich) da ist.

    Er hat überlebt, es geht ihm relativ gut. Ganz gesund wird er nicht mehr werden.
    Er hat seit nach seiner Genesung, Reha u.ä. eine Freundin. Die hält uns und ihn strikt getrennt. Wenn er nochmal in die Klinik müsste, würde sie mich niemals informieren. Sie ist psychisch völlig daneben und tut ihm nicht gut. Aber wie heisst es so schön: „des Menschen Willen ist sein Königreich“.

    Er sieht seine Kinder nur noch alle paar Monate, ich darf ihn nicht anrufen wenn er bei ihr oder mit ihr zusammen ist (was ja schwierig ist, denn woher soll ich wisssen wo und was er grad macht..), er und die KInder dürfen nicht über mich sprechen (!!!!) wenn sie mit dabei ist, geschweige denn mich anrufen.
    Ich hab sie mal durch Zufall bei ihm in der Wohnung getroffen, habe sie freundlich angelacht, ihr die Hand hin gestreckt, sie begrüßt und gesagt das ich mich freue sie kennenzulernen. Was macht sie? Sie rannte (!!) durch die Wohnung und schloss sich aufm Klo ein und kam nicht mehr raus!!!!!!
    Wir beide könnten also nie gemeinsam Kaffee trinken oder uns über ihn austauschen.
    Mein Ex-Mann und ich haben ein wirklich gutes und sehr freundschaftliches Verhältnis, aber ich befürchte, dass das nicht besser wird im Laufe der Jahre wenn das so weitergeht mit seiner Next….

    • Susanne Petermann sagt

      Au weia. Da hat sie schon die Chance, einen guten Kontakt zur Ex zu haben und läuft davon. Nun, vielleicht war sie überfordert. Vielleicht war ihr auch noch nicht klar, ob ihre Beziehung wirklich gefestigt ist und sie war eifersüchtig auf eure gemeinsamen Erfahrungen. Eines ist klar, auch wenn das hier ein Stiefmutter Blog ist, Stiefmütter können genauso dämlich sein wie Ex Frauen. Leider.
      Susanne

      • Sternlein sagt

        Es hat sich leider gar nichts geändert. Ich würde sogar sagen es wurde bzw. wird noch schlimmer je länger sie zusammen sind 🙁 Leider..

      • Immer wieder erstaunlich, wie bescheuert Menschen sein & handeln können.
        Tut mir sehr Leid für dich Sternlein 🙁

  4. Kerstin sagt

    Schon schlimm, dass es erst so weit kommen muss und es erst gelingt, wo man „alle Felle wegschwimmen sieht“ und vielleicht mit dem Gedanken spielen muss, dass der Zahlemann alias Ex eben nicht immer seine Rolle erfüllen könnte. Dieser Moment, wenn man aufhört sich auf das Materielle zu konzentrieren und die Person wieder in den Vordergrund tritt….

    Für das Kind – wie ich finde – übrigens kein überraschender „Nebeneffekt“, dass sie sich dadurch deutlich positiver entwickeln kann. Die meisten Mütter unterschätzen sicherlich, was sie ihren Kindern mehr oder minder unterschwellig antun.

    • Susanne Petermann sagt

      Mich freuen solche Geschichten auch immer. Auch wenn es hier einen traurigen Anlass gab.

      • Was mich vor allem immer wieder wundert: wie man sich so unökonomisch verhalten kann.

        Wie diese Geschichte zeigt: ALLEN geht es besser, keiner leidet unter der neuen Situation. Unter der alten haben alle gelitten.

        Wieso tut man sich das also an?
        Wieso versucht man nicht aufeinander zuzugehen?

        Verrückt…

      • Susanne Petermann sagt

        Ein sehr interessanter Aspekt. Vielleicht war es vorher einfach nicht möglich. Es musste erst etwas größeres als die eigenen Probleme oder Befindlichkeiten kommen.

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