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Ich soll gehen, sagt sein Sohn

Ich soll gehen. Foto: Stocksnap, Catt Liu

Ich bin Stiefmutter seit zwölf  Monaten. Eigentlich mag ich dieses Wort gar nicht und nenne uns Stiefmütter „Ziehmamas“. Aber mittlerweile komme ich mir vor, wie in dem Märchen Aschenputtel. Nur, dass ich das Aschenputtel bin. Und jetzt sagt das Kind auch noch, ich soll gehen. Was kann ich tun?

Ich soll gehen, sagt sein Sohn

Sein Sohn lebt bei uns. Am Anfang der Beziehung war alles in Ordnung. Ich hatte auch den Rückhalt meiner Schwiegermutter. Auf sie hat mein Stiefkind gehört. Wir sind dann aber mit dem Kind weggezogen und seitdem ist alles anders. Ich werde nicht mehr respektiert, das Kind klaut und lügt. Das hat er zwar auch schon vor meiner Zeit gemacht, aber mittlerweile klaut er bei meinen Freunden und meiner Familie, was ich als bewusste Aktion empfinde. Seitdem ignoriert er mich auch komplett. Kein Hallo, kein nichts. Er redet nur noch mit seinem Vater, wenn ich nicht anwesend bin. Es verletzt mich und macht mich traurig!

Die Mutter will das Kind nicht mehr, weil er bei ihr genau so war. Er hat auch dort nur „Unruhe“ rein gebracht, wie sie sagt. Sie hat alles versucht, Psychologe, Jugendamt, Tagesklinik ect. Der Junge ist auch jetzt wieder in psychologischer Behandlung. Die Psychologin sagte, er sei ein normales Kind. Er versuche nur, uns auszuspielen. Solange mein Freund nichts ändert, ändert der Junge sich auch nicht. Er ist nur zu Hause so, in der Schule und außerhalb ist er der liebe, nette Junge und redet dann auch mit mir. Ich empfinde das als wirklich frech, so nach dem Motto: er ist der Liebe und macht ja gar nichts. Ich dagegen bin die böse Stiefmutter, die nur meckert…

Ich bin in der Woche allein mit dem Kind, mein Freund ist von 8.00-17.30 Uhr ausser Haus. Er verschwindet in seinem Zimmer wenn er aus der Schule kommt, und kommt erst raus, wenn Papa wieder da ist. Aber der Hammer ist jetzt, dass sein Kind sagt, ich soll gehen. Wörtlich sagte der Sohn vor vier Wochen, dass ich ausziehen soll. Mein Partner und ich sagten ihm, dass er das nicht bestimmen darf. So funktioniere das nicht. Aber wie soll es denn funktionieren?

Als ich meinem Freund jetzt sagte, dass ich am liebsten mal ein Wochenende abhauen würde, sagte er: „Ja mach doch, wird Dir sicher gut tun!“ Das hat mich verletzt denn ich sehe das als „Sieg“ für das Kind. Es kann doch nicht sein, dass ein Kind sagt, ich soll gehen und damit durch kommt. Er wird mit seinem Verhalten dann erst recht weiter machen, weil ich ja dann wieder abhaue. Solange, bis ich vielleicht nicht wieder komme. Eigentlich wollte ich meinem Partner signalisieren das die Uhr schon auf 5 nach 12 steht!

Bin echt enttäuscht. Vielleicht brauchen wir eine Paartherapie, aber wir sind erst ein Jahr zusammen und haben jetzt schon solche Probleme.

Was soll ich tun?

Aschenputtel

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Foto: Stocksnap, Catt Liu

10 Kommentare

  1. Die Entscheidung fällt nicht der Sohn sondern der Vater.

    Ich hatte die Diskussion auch irgendwann, als es mit meiner Frau ernsthaft wurde und ich habe meinen Kindern gesagt, alleine weil ich sie lieb habe, werde ich ihnen diese Entscheidung nicht überlassen. Sollte ich keine andere Frau mehr treffen mit der ich alt werden kann, würden sie sich nämlich die Vorwürfe machen, dass sie die Verantwortung haben, weil ihr Vater alleine alt wird und sich irgendwann nicht frei in ihre eigenes Leben stürzen können.

    Alleine deshalb fälle ich die Entscheidung.

    Klar können die Kinder ihr Zeitkontingent fordern (Auch mal Papazeit ohne Partnerin) und sie können einfordern respektvoll von meiner Partnerin behandelt zu werden, ebenso wie die selbiges einfordern kann.

    Da ist man als Patchworkvater enorm gefordert, vor allem mit einer Partnerin, die selber noch keine Kinder hat, aber wenn man hier zu beiden Seiten Grenzen setzt und Forderungen stellt geht das.

    Insofern hat die Psychologin vollkommen recht. Es ist sein Job diese Grenzen zu setzen in beide Richtungen.

    Wenn man das einigemaßen konsequent macht geht das. Mitlerweile verstehen sich meine beiden Damen sehr gut miteinander.

    Was es bei euch vielleicht noch etwas schwerer machtist, dass ihr Umgezogen seid (zu mindestens, wenn ihr soweit weggezogen seid, dass das gewohnte Umfeld nicht mehr vorhanden war).

    Das Hätte ich nur in Fällen getan, wo es absolut nicht anders ging.

  2. Maria sagt

    ich werde zur Erziehungsberater gehen mit deinem Mann….wahr ich auch und das tut gut….so endliche Problem habe ich mit Tochter von meinem Mann….Bei uns mach noch Ihre Oma und Tante Probleme aber das habe ich auch bald im griff…Kein Angst zeigen…..

  3. Der Junge ist sicher verhaltenauffällig weil er die Mutter vermisst. ich habe schon oft von solchen „Fällen“ gehört. Wenn die Mutter das Kind freiwillig weggibt, dann dreht das Kind durch. Gleichzeitig bist du der störende Faktor dafür, dass Mutter und Vater wieder zusammen kommen. Er agiert nicht gegen dich als Person, du könntest jemand Van anderes sein und er fänd dich auch scheiße.
    Die Lösung ist: 1. geh zu dem Jungen und sag ihm: Ich liebe dich (auch wenn du das nicht empfindet, Liebe isene Entscheidung und dieser Junge braucht Liebe!). Ich weiß wie schmerzhaft das alles für dich ist und wie sehr du deinen Papa vermisst. Ich Köche dir gern eine Freundin und zweite Mama sei wenn du mich lässt. So oder so werde ich nicht weggehen denn ich liebe deinen Papa und dich und möchte bei euch sein.“
    2. Dein Partner muss dringend hinter dir stehen a la: „Wenn sie das sag mein Sohn, dann ist das so. Wenn ich arbeiten bin, dann ist sie der Boss.“
    So viel zu meiner Einschätzung.

  4. Jasmin sagt

    Je nach Alter des Kindes mal mit ihm sprechen, was denn da los ist?
    Der Vater muss meiner Meinung nach auch mehr in die Mangel genommen werden. Und bei Fehlverhalten (klauen etc.) auch ruhig mal laut schimpfen! Das würdest Du bei einem eigenen Kind bestimmt auch nicht durchgehen lassen.

  5. Kerstin sagt

    Ich stimme Manuel einfach mal zu!! 🙂

    Ich weis, Frauen tendieren ja durchaus manchmal dazu, dass Aussagen des Mannes im passenden Moment „gern“ auch mal völlig falsch ausgelegt werden. In diesem Falle denke ich aber wirklich, dass der Mann genau das meinte, was er sagt. Das du mal an dich denken musst und einfach mal ein Wochenende abschalten musst.

    Ansonsten, wenn bei dem Jungen nichts gefruchtet hat, ich würde mir eine gute Therapeutin suchen. Ich für mich und nicht für den Jungen. Du brauchst nämlich auch Hilfe und Unterstützung und auch deine Anliegen wollen verstanden werden. Wenn du dem eine Chance gibst, dann lernst du, wie du besser mit der Situation umgehen kannst. Du für dich – zu deinem Wohl. Andere Menschen verändert man ja seltenst in dem Sinne, dass man besser mit ihnen „zurecht“ kommt. Lediglich du kannst die Situation für dich positiver gestalten.

    Ansonsten – wieder ganz bei Manuel: Tretet im Team auf und setzt ein klares Signal, dass es keinerlei Grund und Anlass geben könnte, dass du ausziehst.
    Wie alt ist das kleine Herzchen denn eigentlich??

  6. Sternlein sagt

    Hier ist es wie in jeder Familie. Ob Stief-Patchwork oder klassischer Familie: die Eltern haben das Sagen. Sie stellen Regeln auf und zeigen Kindern ihre Grenzen auf – punktum! Das tut ihr bzw. dein Partner anscheinend nicht. Da wird aus einem nein ein vielleicht und dann ein ja. So funktioniert das aber nicht. Ihr solltet beide an einem Strang ziehen! Der Vater muss dem Sohn (wie alt ist er denn??) zeigen und sagen was Sache ist und dann auch konsequent dabei bleiben.

    Viele Eltern heutzutage verwechslen Konsequenz mit Lieblosigkeit. Das ist es aber nicht! Eine konsequente, liebevolle und faire Erziehung tut Kindern gut, gibt ihnen einen Rahmen an dem sie sich orientieren können und gibt dadurch auch Sicherheit.

  7. Manuel sagt

    „Wörtlich sagte der Sohn vor vier Wochen, dass ich ausziehen soll.“
    Darauf kann es von EUCH BEIDEN – sozusagen im Chor – nur eine Antwort geben: Vergiss es!!!
    Vielleicht noch ein ergänzendes „Wir lassen uns von dir bestimmt nicht vorschreiben was wir zu tun und zu lassen haben.“
    Ihr müsst dem Sohn ganz klar zu verstehen geben wer Chef im Ring ist.

    „…sagte er: ‚Ja mach doch, wird Dir sicher gut tun!‘ Das hat mich verletzt…“
    Nimm es doch einfach so wie dein Mann es gesagt hat: Es wird dir gut tun. Dem Sohn sagt IHR einfach, dass du dir ein Wellness-Wochenende gönnst, weil du es verdient hast.

  8. Annette sagt

    Erst mal eine Frage: Wie alt ist das Kind, über das wir hier reden?

    Jedoch, davon unabhängig: Dein Freund scheint „das Problem“ zu sein. Inwiefern füllt er seine Vaterrolle aus? Er scheint wenig greifbar für den Jungen zu sein.
    Die Psychologin sagt: Solange dein Freund nichts ändert…
    Das war doch bestimmt konkreter geäußert? Was soll er denn ändern, wo sind ihrer Ansicht nach die Knackpunkte? Nimmt der KV die Psychologin ernst?
    Ganz küchenpsychologisch würde ich mal vermuten, dass der Junge versucht, mit verletzendem Verhalten dir gegenüber eigentlich den Vater zu „erreichen“.
    Du als Person bist nicht gemeint. Hilft nur nicht viel in der Situation. Weh tut es trotzdem.

    Dir persönlich würde ich raten, dich nicht auf einen Machtkampf mit dem Kind einzulassen. Streiche solche Vokabeln wie „dann hat er gewonnen“. Denn darum darf es gar nicht gehen. Ein wenig Abstand kann durchaus mal helfen, darum finde ich deinen Vorschlag, mal ein WE abzuhauen, recht gut (du kommst ja wieder ;)) – auch wenn die eigentliche Absicht dahinter eine andere war. (Am Rande: sprich klar und deutlich mit deinem Freund, nicht in Rätseln)

    Aber wie gesagt, schau dir das Verhalten deines Freundes an – Er ist derjenige, der da in deinen Fokus gehört.

  9. Ich würde es einstellen, dass ich mit dem Kind alleine bin. Wenn das Kind beim Vater lebt, und dieses dich so sehr ablehnt, dann soll er eine Betreeung für das Kind organisieren, die nicht du bist.

    Ich lese das SO oft, die Kinder leben beim Vater, aber betreuen tut die Stiefmutter.
    Sehr einfach für die Herren.

    Was tut er denn konkret um am Verhalten des Jungen etwas zu verbessern?

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