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Raus aus dem Leiden! Denkanstösse für Patchworker

Raus aus dem Leid. Foto: Snapshot, Skitter Photo

Ich höre oft den Satz „Hätte ich geahnt, auf was ich mich bei einem Mann mit Kindern einlasse, wäre ich beim ersten Date schreiend davon gelaufen“. Ist das wirklich so? Klar, das Leben im Patchwork ist nicht immer leicht. Aber überwiegt wirklich das Negative? Also, mal so ganz ehrlich ins Herz geschaut – hat es nicht auch sehr viele gute Seiten? Oder anders herum gefragt: Wenn es für eine Vizemom so schlimm ist, warum bleibt sie dann? Was hält sie in ihrem Elend? Ich leide – also bin ich? So ein Quatsch! Raus aus dem Leiden – Denkanstösse für Patchworker. So bekommen Sie Ihr Leben wieder in den Griff:

„Leiden“ in der deutschen Sprache

1. Ich „leide“, wenn ich Schmerzen habe oder verletzt wurde. Diese Art Leid wird mir meist von außen zugefügt wird und ich erlebe es eigentlich recht unbeteiligt. Beispiel: Wenn ich unter Zahnschmerzen oder an Durchfall leide, oder wenn ich mir ein Bein gebrochen habe, kann ich das in dem Moment nicht ändern und habe es mir auch nicht ausgesucht. Hier leide ich hilflos, erdulde das Elend und warte passiv auf ein Ende der Qual. Viele Stiefmutter-Geschichten die ich höre, erzählen von dieser Art des erduldeten Leids.

2. Daneben findet das Wort „Leiden“ aber noch andere Verwendungen. „Das kann ich gut leiden“ wird heute umgangssprachlich zwar nicht mehr so oft verwendet, bedeutet aber nichts anderes als: „Das gefällt mir“. Hier „leide“ ich eigentlich gar nicht. Ich bin fröhlich und äußere ein Gefallen an einer Sache oder einer Situation. Seltsam, oder? Das gleiche Wort wird für ein komplett anderes emotionales Erlebnis genutzt. Wie kommt das? Steckt etwa im Leiden auch eine gewisse Art der Befriedigung?

Leiden Sie passiv oder aktiv?

3. Wir leiden auch „mit“ oder „bei“, wenn es anderen schlecht geht. Einer Witwe sprechen wir unser Beileid aus, einem Freund in einer misslichen Lage unser Mitleid. Wir stehen mit dieser Art „leiden“ anderen aktiv bei. Wenn wir ganz ehrlich sind, hat diese Art des Leidens positive Aspekte. Ich spreche mein Beileid aus und bin gleichzeitig heilfroh, dass mein Partner noch lebt. Ich empfinde für den bemitleideten Menschen, sehe parallel aber auch, wie gut es mir selbst doch geht. Mitleid oder Beileid erzeugen auch ein gutes Gefühl.

4. Haben wir keine Lust mehr, gewisse Dinge zu machen oder zu hören, sagen wir oft: „Ich bin es leid“.  Beispiel: Unpünktlichkeit. Haben Sie einen Freund, der Sie immer warten lässt? Was tun Sie? Erleiden Sie die Unpünktlichkeit immer wieder aufs Neue, bleiben also passiv, oder sagen Sie: „Ich bin es leid, immer wieder auf Dich zu warten. Ich gehe jetzt einfach.“ Hier nimmt das Leid eine aktive Wendung. Ich nehme etwas als negativ wahr (warten), ich äußere mein Unbehagen (ich bin es leid) und wenn sich nichts an der Situation ändert, dann ändere ICH eben etwas. Im besten Fall ändere ich nicht nur etwas an meinem Handeln, sondern auch an der Unpünktlichkeit des Freundes. Weiß der nämlich, dass ich nicht mehr ewig auf ihn warte, wird er sich vielleicht um Pünktlichkeit bemühen.

Ich KANN, DARF, WILL sind hilfreiche Formulierungen. Ich MUSS, SOLL, KANN NICHT bremsen mich. Klick um zu Tweeten

 

Welcher Leidenstyp sind Sie?

Ich leide AN/DURCH/UNTER = NEGATIVE EMPFINDUNG + PASSIV BLEIBEN

Ich KANN (gut) leiden. POSITIVE EMPFINDUNG + PASSIV BLEIBEN

Ich leide MIT/BEI = POSITIVE EMPFINDUNG + AKTIVES HANDELN

Ich BIN (es) leid = NEGATIVE EMPFINDUNG + AKTIVES HANDELN

Es liegt in unserer Hand!

Jeder Mensch kennt Leid. Wirklich! Jeder! Und wenn wir ehrlich sind, möchten wir so gut wie nie mit dem Leid eines anderen Menschen tauschen. In unserem eigenen Leid kennen wir uns wenigstens aus 🙂 Ich glaube, dass wir unser Leben zu einem guten Teil in unserer Hand haben. Wir können unseren Umgang mit negativen Dingen ändern. Wir können unsere Sicht darauf ändern und wir können manchmal sogar das Leid an sich ändern. Wir brauchen nur manchmal etwas Mut, Zuversicht und eine andere Sicht. Ich KANN, ich DARF, ich WILL sind Gedanken, die helfen mir. Ich MUSS, ich SOLL, ich kann NICHT sind Gedanken, die bremsen mich.

Ich bin froh, dass ich nicht wusste, was im Patchwork alles auf mich zukommt. Vielleicht hätte ich gekniffen, wäre feige abgehauen, weil mir die Probleme zu groß erschienen wären. So habe ich sie Schritt für Schritt erlebt und (mehr oder weniger gut) gemeistert. Und ich werde sie weiterhin Schritt für Schritt erleben und (hoffentlich) meistern. Ich will einen Einfluss darauf haben, wie mein Leben läuft! Positiv oder negativ, aktiv oder passiv. Ich will mich entscheiden können.

Und bei Ihnen? Mich würde brennend interessieren, wie Sie Ihr Leben als Vizemom in den Griff bekommen. Haben Sie Tipps? Erfahrungen? Vielleicht sogar einen Masterplan? Ich freue mich sehr auf Ihre Berichte.

Herzlich, Susanne

13 Kommentare

  1. Susanne sagt

    Schöne Frage! Je länger Frau es durchhält, um so weniger ist sie bereit, den Boden, den sie gut gemacht hat, wieder aufzugeben.

    Wenn man gemeinsame Ziele hat hofft man immer auf ein Wunder. Dieses tritt zwar nicht wirklich ein, aber nun ist wieder gemeinsame Zeit vergangen, die ja auch schön war – so ohne die Ex, wenn sie gerade mal Ruhe gegeben hat.

    Da muss von Seiten der Zweitfrau extrem viel Liebe vorhanden sein, um das alles zu ertragen, daran zu wachsen und trotzdem noch Geduld und Hoffnung in die eigene Zweierbeziehung stecken zu können. Ich denke, das ist vielen Männer und Väter nicht bewusst, welch hohen Preis eine Zweitfrau für diesen Mann zu zahlen bereit ist.

  2. lilli819 sagt

    Sehr toller Kommentar von Bärbel. Ich glaube da liegt auch der Ursprung der Probleme die wir „neue Frauen“ haben; die oft selbst auferlegt Opferrolle. Ich hab mich leider schon oft zu Anfang in diese Rolle reinrutschen sehen und mich schmollend zurück gezogen. Aber dann gemerkt, dass das nicht wirklich förderlich ist um etwas zu ändern – im Gegenteil. Stellung beziehen! Präsent sein! Und unbedingt auch mal einfordern. Und vor allem – nicht alles auf die Goldwaage legen. Mein Partner kann nicht hellsehen und möchte ebenso von mir klare Ansagen wie ich sie von ihm gegenüber seiner Ex oder auch seinem Kind erwarte. Mein Partner hat teilweise uns drei (ihn, seine Tochter und mich) als kleine Familie bezeichnet weil ich sehr schnell sehr gerne Mama-Aufgaben übernommen habe und immer präsent war – das möchte ich so nicht! Und jetzt ziehe ich mich bewusst regelmäßig zurück um den beiden ihre Zeit zu lassen und meinem Partner klar zu machen: das ist Dein Kind und Du kümmerst Dich in erster Linie um sie. Ich entscheide selber, wann ich mich kümmere.

  3. Marie Haas sagt

    Hallo Liebe Muttis,

    bin neu hier und kann das Wort Stiefmutter nicht mal schreiben. Suche in diesem Blog Antworten, habe viele Fragen und wünsche mit Rat. Meine Geschichte ist: bin 34 und habe ein Sohn 13 aus meiner ersten Ehe, mein Mann mit dem ich seit 10 Jahren zusammen bin und 4 Jahre verheiratet bin hat eine Tochter 15 und gemeinsam haben wir noch ein Sohn 6 Jahre, alle Kinder leben mit uns. Unsere Beziehung hat nicht einfach angefangen, aber wir ließen uns über ein Jahr Zeit bis wir zusammen gezogen sind, oder besser gesagt ich mit meinem ersten Sohn meine Wohnung, gut bezahlten Job, Familie, Freunde und schließlich das Land verlassen habe. Ich bereue es nicht, liebe mein Man immer noch wie am ersten Tag, und wenn mich jemand gewarnt hätte, was auf mich zukommt ( meine mama hat es zwar gemacht, aber ich glaubte ihr nicht), hätte ich den Schritt trotzdem gemacht.
    Die ersten zwei Jahre hatten wir die Phase: Tochter bei Mutter, aber doch mehr bei uns, die kleine brauchte am Telefon nur sagen und Papa ist 2000km gefahren um sie abzuholen, es hat mich geärgert aber im nachgang war es nichts.
    Dann ist unser kleiner auf die Welt gekommen, wir waren sooooo glückliche Eltern und was machte ich vor zwei Monaten? Sagte: wenn ich es gewusst hätte was kommt, hätte ich abgetrieben, aber dazu später.
    Die nächste Phase war, dass die Tochter gar nicht zu uns sollte und mein man sie nur bei der Mutter besuchen durfte ( sie wohnt 1000 km weit weg). Habe alles mitgemacht, war aber traurig und kaputt. Hatte die kleine aus mitleid ins Herz geschlossen. Mein großer fragte mich mal ob ich ihn noch lieb habe und da sagte ich zu ihm, „Natürlich liebe ich dich wie immer, mein Herz wir mit jedem Kind grösser und wird nie platzen“ und so liebte ich alle drei Kinder, dachte ich.
    Nachdem ich es gelernt habe mit der Situation zufrieden zu sein, kam die Phase: Die kleine will bei Papa leben und die Mutter findet es super. Ich war schockiert, aber mein Mann war so glücklich und hat sofort juhu ja gesagt, mir war es damals peinlich und ich fand es von mir ungerecht zu sagen, nein ich will es nicht. Die ersten Jahre waren auch in Ordnung und ich habe mich mit Tochter gut verstanden. Die Jahre sind dahin mit viel streit und vielen Tränen. Die Tochter hatte immer was gegen mich, hat gelogen…….., vieles kam erst letztes Jahr wirklich raus, was die Tochter von mir hält.
    ich weiß nicht ob jetzt noch eine Phase kommt, ich weiss nur, dass ich die Tochter hier nicht haben will. Ist es richtig? Sie ist kein gegenstand, das weiss ich. Ihr verhalten ist unerträglich, in der Schule ist sie Versetzung gefährdet, raucht Marihuana, kommt ständig zu spät oder garnicht oder mit der Polizei,mir sagt sie nur Hallo und Tschüss. Mein Mann kann sich es gar nicht vorstellen wie ich mich fühle und wenn ich versuche mit ihm zu sprechen, dann bin ich die schlechte weil ich mir nicht mehr mühe gebe wie früher. Meine riesen Stütze sind die Jungs, die mich in Arm nehmen oder mir sagen, dass ich die beste Mami der Welt bin. Bin so verzweifelt ich möchte auf eine Seite für meine Kinder keine Scheidung mehr und liebe mein Mann über alles, auf anderer Seite suche ich im Internet nach neue Wohnung. Ich kann nicht mehr….
    Ich freue mich, dass es euch gibt und ich nicht alleine bin

    Liebe Grüsse Marie

    • Susanne Petermann sagt

      Liebe Marie, soll ich deinen Kommentar einmal als eigenen Beitrag einstellen? Hier geht es etwas unter. Liebe Grüße, Susanne

  4. Jasmin sagt

    Also hätte ich alles vorher gewusst, ich hätte mich trotzdem für ihn entschieden. Einfach weil er meine große Liebe ist.
    Hätte ich alles vorher gewusst, wäre ich anders an die Sache rangegangen. Entspannter und distanzierter. Dafür bekomm ich das jetzt ganz gut hin. Das hab ich aber auch nur mit ganz viel Aua gelernt. Es gab schon Situationen, da wusste ich weder ein noch aus. Was aber super wichtig und auch toll war: in einer Situation, als ich dachte, jetzt ist der Supergau, stand mein Freund hinter mir. Hat ganz und gar Stellung zu mir bezogen und verdeutlicht, wir gehören zusammen. Natürlich könnte ich ihn manchmal gegen die Wand klatschen 🙂 aber ich weiß, wenn es hart auf hart kommt, ist er an meiner Seite.
    Was ich in dieser Zeit gelernt hab: ich möchte kein Opfer sein. Ich hab sehr wohl in der Hand, ob es mir gut oder schlecht geht. Ich kann niemand anders ändern, ich kann nur mich selbst ändern. Die Hexenjagd seitens seiner Ex ignoriere ich. Die hasse ich nicht mehr, die tut mir einfach nur noch leid, weil sie unglücklich und verbittert ist. Und ganz wichtig, da arbeite ich immer noch dran: Schuldgefühle ablegen. Die waren schon lange getrennt, als wir uns kennengelernt haben. Das ist alles lange vor meiner Zeit passiert, das gehört zu seiner Vergangenheit und geht mich nix an. Kerstin hat auch vollkommen Recht, es hilft ungemein, zu sagen, es ist sein Kind. Nicht meins. Ich möchte dass es ihm gut geht und dass es sich wohl fühlt, aber das Kind ist seine Verantwortung, nicht meine. Und es ist wichtig, sich ein dickes Fell zuzulegen, Sticheleien seitens Ex, seiner Familie oder sogar vom Kind darf man sich nicht so zu Herzen nehmen. Langer Weg, aber es gibt Freundinnen und Familie mit denen man sprechen kann, ein toller Freund der hinter einem steht und verständnisvoll ist, und diesen tollen Blog, wo mir die Erfahrungen der anderen auch sehr geholfen haben. Patchwork ist nicht einfach, aber hinzubekommen 🙂

    • Achso, zum Thema Fremdbestimmung und was andere so von einem erwarten, hier eine lustige Geschichte:
      Ich hab einen sehr gut bezahlten, tollen Job, der mir viel Spaß macht. Wir sitzen bei seiner Mutter zum Kaffee und sie fragt:“ und, hast du dich schon beworben?“ Ich so hä wieso, ich hab doch einen Job. Und sie:“ ja ihr möchtet euch doch bestimmt was zusammen aufbauen, dann musst (??!!) du hier her ziehen und brauchst auch hier einen Job, das Kind is ja auch hier“ Waaaaas!!!! Wir wohnen 75km voneinander entfernt, selbst wenn es 750km wären kann man ruhig fragen, wie man sich das so vorstellt später, aber einfach so ganz selbstverständlich anzunehmen, dass ich natürlich alles hinschmeiße….muss da immer noch schmunzeln 🙂 Kompromissbereitschaft und mal zurück stecken: ja. Völlige Selbstaufgabe: klares nein!

    • Bärbel sagt

      Hallo Jasmin,

      dein Beitrag hat mir gut gefallen – vor allem aber die Worte „dickes Fell zulegen“. Daran muss ich ehrlich gesagt noch arbeiten, mich ziehen Sticheleien oder Ungerechtigkeiten meiner Person oder gegenüber meines LG oft tagelang runter und ich reflektiere und hinterfrage jedes Mal mein Verhalten, auch wenn ich nichts „falsch“ gemacht habe! Letzten Endes denke ich mir aber auch immer dass ich nicht die Verantwortung seinen Kinder gegenüber habe, ich aber die Vermutung hab, die Ex hätte das gerne, dass ich ihre Lieblinge an den Wochenende rund um die Uhr entertaine und ihr einen Teil der Verantwortung abnehme. Auch kam einmal der Vorwurf von ihr, dass ich nie bei Schulfesten dabei bin, sie aber auch nicht erscheint, wenn es sich beruflich nicht ausgeht… Der Einzige, der immer dabei ist, ist mein LG 🙂

      Aber du hast vollkommen recht, man darf sich nicht alles so zu Herzen nehmen und muss sein Leben weiterleben. Und auch die Hexenjagd zu ignorieren ist eine gute Methode deinerseits, vielleicht sollte ich statt Groll auf die Ex auch eher auf Mitleid umschalten.

      Danke!

      • Jasmin sagt

        Hallo Bärbel!

        Das ist auch nicht einfach, es kommen immer noch Klopper, die mich treffen. Fühlt sich an wie angeschossen werden.

        Auch die tagelange Grübelei kenn ich. Ich hab ein Ritual, dass mir dann hilft: Ich setz mich mit einer schönen Tasse Tee oder Kaffee (im Härtefall darf’s auch ein Glas Wein sein 😉 ) auf den Balkon, atme ganz tief ein denke: „LMAA. Alle.“ Und lächle. Der Gedanke hilft mir persönlich ungemein, um mal alles negative abzuschütteln und den Kopf frei zu kriegen. Und immer, wenn ich wieder dran denke: „da hat die doch glatt wieder….“ bremse ich den Gedanken aus und ersetz ihn durch „ja, deswegen kann sie mich auch am Arsch lecken“. Damit bekomm ich auch diesen ewigen Gedankenstrudel wunderbar ausgebremst. Vulgär vielleicht, aber Gedanken sind ja bekanntlich frei 🙂

        Hab auch mittlerweile eine richtige Aversion gegen das Wort „Mutter“.
        „Weil ich die Mutter bin, …….“
        „……., da ich die Mutter bin“
        „Ich bin die Mutter, ich darf das“
        „Wie redest Du eigentlich mit mir, immerhin BIN ich die MUTTER des Kindes“
        JA EURE HOHEIT, ICH HAB’S VERSTANDEN!!!!!! Kannste Dir trotzdem keene Brezel für kaufen 🙂

  5. Kriesten,Jana sagt

    Liebe Susanne,du fragst aber auch immer so Sachen,also da muss man dann erst mal nachdenken.aber nun hab ich das getan.Ja,auch ich sage manchmal,die Betonung liegt auf manchmal,wenn ich all das zuvor nur geahnt hätte,oh Gott,ich wäre so schnell weg gerannt,wie noch nie zuvor im Leben.Aber dem nach zu jammern,was man eh nicht getan hat,liegt mir nicht.Ich liebe meinen Mann,ich wusste,dass da noch ein Nachzügler von damals 9 Jahren war,ich wusste nicht,dass seine Mutter ihn irgendwann nicht mehr haben wollte und ich Vollzeitstiefmom werde.Der Anfang ging einfach so an mir vorbei,ich wurde nicht gefragt,der Junge wurde bei mir „abgegeben“und ich habe funktioniert,so wie man das ja meist tut.Wir rauften uns zusammen,es war wie eben in vielen ganz normalen Familien auch.Dann tauchte plötzlich wie aus dem Nichts die Mutter wieder auf,nein sie will ihr Kind nicht zurück,nur ab und zu mal sehen um Unfrieden bei uns zu stiften.Und der Unfrieden kam und wie.Das Kind stellte viel in Frage,was bis dahin bei uns ganz selbstverständlich war.Es kam eben,“Mutti hat gesagt“oder „bei Mutti muss ich nichts machen“.alles was bei uns gesprochen wurde kam auch bei „Mutti“.Ist auch heute nach 5 Jahren noch so.Allerdings nutzen wir das jetzt für uns.In Gegenwart des Kindes wird nur gesagt,was bei „Mutti“ankommen soll.Inzwischen sehe Vieles nicht mehr so eng,zBsp.dass immer doppelt Essen gemacht werden muss.Der junge Herr ist ja nur Fast Food,hat noch nie Salzkartoffeln,nie Brot und nie irgendeine Art Obst und Gemüse gegessen.Hab alles versucht,nun sage ich mir,wenn es die Eltern so wollen,bitte schön,man lebt ruhiger,wird gelassener.Wenn ich etwas für mich vor habe,dann tu ich das auch,denn er hat Mutter und Vater,wenn Beide keine Zeit oder Lust auf ihn haben,ist das nicht mehr mein Problem,die Eltern wollten noch einen Nachzügler,nun bitte auch drum kümmern.Einen großen Vorteil bringt so ein junges Stiefkind aber auch mit sich,man fühlt sich auch jünger,denn zum älter werden und Zipperlein bekommen,hat man keine Zeit.Nun ist er schon 14 Jahre alt und ich sage mir“MEIN GOTT;DEN REST SCHAFFE ICH AUCH NOCH“In diesem Sinne,liebe Grüsse zu dir gesendet,Jana

  6. Kerstin sagt

    „In unserem eigenen Leid kennen wir uns wenigstens aus 🙂 “ Der Satz hat mir besonders gut gefallen.

    Wenn ich beim ersten Date erahnt hätte, was das alles nach sich zieht, ja, ich ähm wäre ganz schnell und gaaaanz weit weg gelaufen.

    Und ich sehe es wie Julia – der Weg war lang bis zum: „Das ist nicht mein Problem“ – das ich mich wirklich ganz schwer von allem distanzieren konnte. Es ist nicht mein Problem, wenn er arbeiten muss und Kinder-WE hat, dafür bin ich nicht verantwortlich. ICH habe an meinen freien Tagen nämlich auch schon was vor. Und das beinhaltet nicht den 36-Stunden Babysitter-,Koch,-Putz-Erziehungsservice und sich dafür dann noch ignorieren oder blöd von der Seite anquatschen lassen. NÖ – da muss man eine klare Grenze ziehen.
    Die 2 Herzchen gehören zu dir, das ist deine VERANTWORTUNG. Für die Tochter trag ich das gern mit, wenn sie hier ist (längere Besuche am Stück), denn sie weis es entsprechend zu schätzen/genießen. Kurz und gut – sie ist einfach gern hier, wenn sie hier ist und das merkt man. Und da kann ich dann auch so drin aufgehen, wie ich das möchte.

    Jeder muss seinen eigenen Weg aus dem Leid heraus finden. Und auf irgend eine Art und Weise findet auch jeder früher oder später eine Lösung für sich. Jeder Mensch trägt in aller erster Linie die Verantwortung für sich selbst und wenn es mir in einer Situation nicht gut geht, dann muss ich zusehen, dass ich es so ändere, dass ich damit adäquat leben kann. Der Weg dahin ist allerdings manchmal länger, als einem lieb ist. Und da bin ich dann ganz Bärbels Meinung – manchmal gefällt man sich auch eine Weile sehr gut in der Opferrolle und genießt es ja auch, wenn man sich in seinem eigenen Leid mal „suhlen“ kann. Irgendwann kommt aber für jeden der Punkt, wo er/sie darauf einfach keine Lust mehr hat.
    Also bin ich einmal für positives Empfinden und aktives Handeln und für negatives Empfinden und aktives Handeln. 😉

  7. Julia sagt

    Ich habe durch meine Therapie genau das gelernt. Ich muss es nicht geduldig erleiden, dass mein Mann die “lieben Kleinen“ bei mir ablöst, weil er was anderes vorhat. Sein Problem. Ich bin nicht für die Lösung seiner Probleme verantwortlich.

    Das war und ist ein langer Weg bis dahin gewesen. Auch habe ich gelernt, dass es nie zu spät ist, etwas zu ändern. Dinge, die ich vorher selbstverständlich übernommen habe, hinterfrage ich jetzt, ob ich das wirklich tun möchte. Wenn nicht, sage ich das auch.

    Auch für meinen Mann ist das eine Umstellung. Nicht immer leicht, aber dadurch habe ich das Gefühl wieder selbst für mein Leben verantwortlich zu sein. Ich muss nicht leiden!

  8. Bärbel sagt

    Hallo!

    Also ich habe beides erlebt – und bin beim passiv positiven angekommen . Am Anfang mit der rosaroten Brille im Patchwork war alles super gut, aber danach bin ich als Vizemom gute 1,5 Jahre in ein tiefes Loch gefallen, es kam aber auch noch ein örtlicher Umzug und Arbeitslosigkeit dazu, die mir dann den Boden unter den Füßen komplett weggerissen haben. Die sogenannte Opferrolle stand mir recht gut – und alle anderen waren die Bösen.

    Die bösen Kinder, die so lästig sind und ständig was vom Papa wollen (klar, wenn sie nur alle 14 Tage da sind, brauchen sie ihren Vater mehr!), der böse Partner, dem den ganzen auch noch nachgibt (auch logisch, möchte die Zeit ja nutzen mit ihnen), die böse Schwiegermutter, die auch ständig in der Tür stand, um zu nerven (bzw. mich zu fragen wie es mir geht und mir zu helfen, was ich aber nicht annehmen konnte in dieser Zeit), der böse Schwager, der auch öfter auf ein Bier kommen möchte (ein wenig Abwechslung hätte mir nicht geschadet, mich mal dazuzustellen anstatt schmollend in der Ecke zu sitzen)… etc. pp.

    Wie ihr herauslesen könnt, hab ich mich unbewusst in der Opferrolle richtig wohl gefühlt, habe aber erst nach einiger Zeit selbst gemerkt, dass das kein Dauerzustand ist, und ich kurz vor der Klapse war und meine Beziehung wäre daran zerbrochen, hätte ich nicht das Ruder für mein Leben wieder selbst in die Hand genommen. Hab viele Selbsthilfebücher gelesen, am Meisten hat mir aber das Buch „Wie es weitergeht, wenn nichts mehr geht“, geholfen. Der Auto gibt dir quasi zu verstehen, dass du wohl gerne leidest, ansonsten würdest du es nicht tun. Das hat mir die Augen geöffnet und mich aus meiner Opferrolle und der Grübelfalle herauskatapultiert.

    Das ist jetzt schon wieder gute 1,5 Jahre her, seitdem läufts 90 % der Zeit wie geschmiert, klar gibt’s Sachen die mich auch heute noch nerven und ich „darunter leide“, aber ich mache mittlerweile meinem Ärger und Gefühlen Luft und sag es neutral aber doch, wenn mich etwas stört.

    Und nein, im Patchwork in meiner Situation überwiegt definitiv nicht das negative – trotzdem bin ich froh, dass ich nicht alles im Vorhinein gewusst habe, was auf mich zukommt. Man wächst ja doch mit der Aufgabe…. 

    Lg Bärbel

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