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Mütterrente für Stiefmütter und Väter- So geht´s

Rente für Stiefmutter
Auch wenn die klassische Stiefmutter, also die Frau, die einen Witwer geheiratet hat, heute eher eine Minderheit unter den Stiefmüttern darstellt, gibt es doch sehr viele Vollzeit-Stiefmütter, die sich um die in ihrem Haushalt wohnenden Kinder ihres Mannes kümmern. Haben Sie sich schon einmal überlegt, dass Ihnen für diese Tätigkeit auch Mütterrente zustehen kann? Wenn Ihre Stiefkinder noch sehr klein sind, sollten Sie unbedingt die Deutsche Rentenversicherung kontaktieren.

 

Allgemein gilt: Die Jahre, die eine (Stief)Mutter oder ein Vater der Kindererziehung widmen, steigern die Rente. Für Kinder, die vor 1991 geboren wurden, werden jetzt die ersten beiden Jahre, für Geburten ab 1992 die ersten drei Jahre nach der Geburt angerechnet. Die  Bezugsberechtigten dieser so genannten „Mütterrente“ werden so gestellt, als würden sie jeweils das Durchschnittseinkommen aller Versicherten in Höhe von zurzeit rund 32.440 Euro im Jahr verdienen. Für ein Jahr Kindererziehung ergibt sich also im Jahr 2015 eine monatliche Rentensteigerung von bis zu 27,47 Euro in den alten Bundesländern und 24,37 Euro in den neuen Bundesländern.

Für Stiefmütter wichtig dabei: Die Kindererziehungszeit wird dem Elternteil zugeordnet, der das Kind erzogen hat. Also auch der (verheirateten) Stiefmutter, wenn die Kinder beim Vater leben und sie sich um die Kinder kümmert.
 

 

Die Rentenversicherung gleicht wirtschaftliche Nachteile aus, die Mütter oder Väter durch die Erziehung von Kindern haben. Rente 1Wenn Mütter oder Väter ihr Kind in Deutschland erziehen und dort mit ihm leben, übernimmt der Staat die Rentenbeiträge für bis zu 36 Monate. Neben den leiblichen Eltern können unter bestimmten Bedingungen auch Adoptiv-, Stief- oder Pflegeeltern Kindererziehungszeiten für die eigene Rente erhalten.

Die Deutsche Rentenversicherung schreibt dazu: Wir wissen: Kindererziehung kostet Zeit – auch Ihre Arbeitszeit.Deshalb rechnen wir Ihnen bestimmte Zeiten der Kindererziehung so an, als hätten Sie eigene Beiträge eingezahlt. In einigen Fällen begründet dies überhaupt erst einen Rentenanspruch, für den Sie eine bestimmte Mindestversicherungszeit vorweisen müssen. Das kann sogar dazu führen, dass Sie später eine Rente erhalten, ohne jemals selbst eingezahlt zu haben. 

Wer davon profitiert

Kindererziehungszeit kann immer nur ein Elternteil in Anspruch nehmen, eben derjenige, der das Kind überwiegend erzieht beziehungsweise erzogen hat. Erziehen Eltern ihr Kind gemeinsam, hat grundsätzlich die Mutter Anspruch auf die Kindererziehungszeit. Soll der Vater diesen Anspruch erhalten, benötigt die Rentenversicherung eine gemeinsame, übereinstimmende Erklärung hierfür. Wichtig dabei: diese gilt immer nur für die Zukunft und für maximal zwei Monate rückwirkend.

Neben den leiblichen Eltern qualifizieren sich Stiefeltern. Dazu müssen der leibliche Elternteil und der Stiefelternteil verheiratet sein (oder eingetragene Lebenspartnerschaft) und das Kind muss bei ihnen im Haushalt leben.

Die Berücksichtigungszeit

Neben Beitragszeiten wegen Kindererziehung können Stiefmütter auch Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung erhalten. Diese wirken sich ebenfalls positiv auf die Rente aus. Die Berücksichtigungszeit für Kindererziehung beginnt mit dem Tag der Geburt des Kindes und endet genau nach zehn Jahren. Kinderberücksichtigungszeiten haben zwar nur eine indirekte Wirkung auf die Höhe Ihrer Rente, sie können die Bewertung beitragsfreier Zeiten verbessern. Liegen die Berücksichtigungszeiten nach dem 31. Dezember 1991, können sie jedoch auch die Rente steigern, wenn Sie mindestens 25 Jahre mit rentenrechtlichen Zeiten haben.

Grafik: Deutsche Rentenversicherung

Grafik: Deutsche Rentenversicherung

Wie erhält man die Mütterrente, wenn man Stiefkinder erzogen hat?

Im Gegensatz zur leiblichen Mutter sind bei der Stiefmutter die Kindererziehungszeiten nicht automatisch im Rentenkonto gespeichert. Stiefmütter, oder auch leibliche Väter, die nach einer Trennung allein die Erziehung ihrer bei ihnen lebenden Kinder übernehmen, müssen die Berücksichtigung der Kindererziehungszeiten für die Kinder beantragen. Die Deutsche Rentenversicherung prüft dann die Berücksichtigung der Mütterrente und speichert gegebenenfalls die weiteren Kindererziehungszeiten im Versicherungskonto nach. Parallel wird der leiblichen Mutter, bei Anerkennung des Anspruchs des Vaters oder der Stiefmutter, die Berücksichtigung der Kindererziehungszeit bei ihrer Rente gestrichen.
Was ist mit dem Versorgungsausgleich?
Wichtig für Trennungsväter, die nach der Scheidung bereits einen Versorgungsausgleich mit der leiblichen Mutter vollzogen haben:
Erhöht sich eine Rente durch die Mütterrente, können die Voraussetzungen für eine Neuberechnung des Versorgungsausgleichs gegeben sein. Die Neuberechnung kann von einem der beteiligten Geschiedenen beim Familiengericht beauftragt werden.

Der Antrag kann gestellt werden, wenn mindestens einer von beiden Geschiedenen bereits eine Rente bezieht oder innerhalb der nächsten sechs Monate in Rente gehen wird. Dabei kann es für die Beteiligten zu einer Änderung der bisherigen Berechnung des Versorgungsausgleichs kommen, die über die bloße Berücksichtigung der Mütterrente hinausgeht. Bevor ein Antrag auf Abänderung gestellt wird, sollten die sich hieraus ergebenden Auswirkungen geprüft werden.

Mütterrente für Stiefmütter? Geht, wenn sie mit dem Vater verheiratet ist und das Kind bei ihnen im Haushalt lebt. Klick um zu Tweeten

Gibt es Mütterrente auch für Väter?

Ja. Mit dem Begriff „Mütterrente“ ist eine bessere Anerkennung von Erziehungszeiten für Kinder gemeint, die vor 1992 geboren wurden. Also zwei Jahre, statt bisher ein Jahr. Das kann Mütter und Väter betreffen, je nachdem, wer die Kindererziehungszeiten in seinem Rentenversicherungskonto hat. Dadurch können sich Altersrenten, Erwerbsminderungsrenten und Hinterbliebenenrenten erhöhen.

Weniger in die Pflegeversicherung einzahlen
Auch die Beiträge zur Pflegeversicherung können sich für die Stiefmutter verringern.
Wer in der sozialen Pflegeversicherung pflichtversichert ist und kein Kind hat (oder hatte), muss nämlich einen Beitragszuschlag in Höhe von 0,25 Beitragssatzpunkten zur Pflegeversicherung zahlen. Auch hier lohnt sich die Anrechnung, wenn das Stiefkind im eigenen Haushalt lebt. Wann wird das anerkannt – also wann geht der Rententräger von Elterneigenschaft (schönes Amtsdeutsch, oder ;)) aus? Als Eltern in diesem Sinne können leibliche Eltern, Adoptiveltern, Stiefeltern und Pflegeeltern gelten. Näheres hat die Deutsche Rentenversicherung in in diesem Formular gut erläutert.

Bitte E-Mail mit Stichwort „Rente“ an: Stiefmutterblog@gmail.com oder einfach einen Kommentar hinterlassen.

In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die Ratschläge oder Links in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

Foto: Stocksnap, Ryan McGuire

5 Kommentare

  1. Andrea Kasper sagt

    1997 wurde ich geschieden,die Kinder lebten bei mir und mein Ex hat wieder geheiratet. Bekommt sie Rente für meine Kinder obwohl sie nie zusammen gewohnt oder sie sich nie um die Kinder gekümmert hat ?

  2. Susanne Petermann sagt

    Ob Du das bist oder Dein Mann könnt Ihr entscheiden. Wenn Du Dich hauptsächlich um seine Kinder kümmerst, solltest Du Dir überlegen, ob es Dir nicht auch angerechnet werden sollte. Die leibliche Mutter bekommt die Mütterrente, da das jüngste Kind ja schon 5 war.

  3. Also erhält mein Mann für seine beiden die Erziehungszeiten? Und ich auch für beide? Und er dann auch für meine beiden aus erster Ehe?

    • Susanne Petermann sagt

      Kommt auf das Alter der Kids an. Aber wenn sie bei ihm leben, und du auch mit beiden lebst, und ihr verheiratet seid, grundsätzlich ja. Also einer von Euch, nicht beide. Anrechenbar ist es bis zum maximal 10. Lebensjahr der Kinder. Und falls Du es bei dir anrechnen lässt, kommt es zu deinen leiblichen Kindern hinzu.

      • Achso, nur einer. Dann wird es für meine Stiefkinder mein Mann sein. Bei Scheidung waren seine Kinder 12 und 5. Jetzt sind sie 15 und 8. Ein Versorgungsausgleich wurde ja auch bei Scheidung gemacht. Der Kleinere lebt erst seit unserer Heirat vor 2 Jahren bei uns. Die Große von Trennung an. Bekommt die leibliche Mutter dann gar nichts ab von den Rentenpunkten?

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