Die Stiefmütter
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Von der Mutter und Ex Frau zur Stiefmutter

Stiefmutter und Exfrau. Foto: by Shayna Hobbs

Ich lebe seit 2 Jahren mit meinem Traummann zusammen. Der Unterschied von der Mutter und Ex Frau zur Stiefmutter ist immens, und ich dachte nicht, dass es so schwer sei. Ich habe drei Kinder, bin seit 6 Jahren geschieden. Meine Kinder sind mittlerweile 26, 17 und 19. Die beiden jüngeren Kinder leben noch bei mir. Ich war immer berufstätig und wurde von dem Vater meiner Kinder nur durch Kindesunterhalt unterstützt. Keine regelmäßigen Besuchswochenenden oder Taschengeld oder sonst irgendeine Hilfe bezüglich der Kinder. Also hab ich meine Kinder alleine großgezogen. Sie sind sehr selbstständig und ich konnte mich immer auf sie verlassen.

Mein Partner hat eine Tochter im Teenageralter (13). Da mein Partner beruflich oft längere Zeit weg war, sahen die Wochenenden an denen er da war so aus, dass die Tochter immer da war. Bis dahin konnte ich das akzeptieren. Nun hat mein Partner aber eine neue Arbeit gefunden, sodass er jeden Tag und jedes Wochenende zuhause ist. Allerdings ist der Verdienst nicht mehr so hoch. Er ist gerne Papa und er liebt seine Tochter sehr. Er würde alles für sie tun.

Er fing den neuen Job während der Sommerferien an, sodass wir keinen gemeinsamen Urlaub hatten. Die Mutter der Tochter, ständig in der Probezeit und folglich nie Anspruch auf Urlaub, hat ihr Leben damit verbracht, das Kind zu verhätscheln und zu verwöhnen. Essen wird serviert, trinken wird gebracht und überhaupt muss das Kind nichts selbstständig machen. Das Kind ist Fremden gegenüber sehr schüchtern. Sie bekommt selbst in Alltagssituationen kaum den Mund auf. Papa ist das dann Sprachrohr. Selbst beim Eis bestellen …..

Sowas macht mich wahnsinnig. Wenn sie was will, kann sie immer zu Ihrem Papa sagen … Kaufst du mir das, kaufst du mir dies, ich will das, ich will dies….mehr als 100 Mal bei einem normalen Einkauf. Nur bei Kindern und Erwachsenen bekommt sie kein Ton raus. Ich weiß nicht was ich von so einem Verhalten halten soll.

Jedenfalls hatte mein Partner seiner Exfrau zugesagt, dass die Tochter ihre Ferien (geplant waren 6 Wochen) bei uns verbringen darf. Er hatte nicht soweit gedacht, das vorher mit mir zu besprechen. Ok, ich dachte Papa ist täglich ab 16 Uhr zuhause, das klappt schon. In der ersten Woche war Papa noch zuhause, aber das Kind war krank und lag eigentlich nur im Bett. In der zweiten Woche fing Papa den neuen Job an, und ich hatte auch noch keinen Urlaub. Meine Kinder und seine Tochter verstehen sich gut, können aber bedingt durch den Altersunterschied nichts miteinander anfangen. In der dritten Woche sollte die Tochter dann doch zur Mutter, denn die musste Urlaub abbauen, weil sie mal wieder gekündigt wurde. Also wieder das Kind zur Mutter bringen. Sie ist nicht im Stande sich an Absprachen zu halten.

Nach der einwöchigen „Stiefkindpause“ startete  ich meinen Urlaub,  freute mich auf meinen dreiwöchigen Sommerurlaub und war bis dahin noch positiv. Meine Tochter hatte auch Urlaub und so waren wir, bis auf meinen Partner, alle zuhause. Auch meine Stieftochter war wieder hier und ich hatte keine Sekunde meine Ruhe. „Ich habe Hunger“, „ich habe Durst“…

Wenn ich sagte: „zieh dich an“ kam ein schlichtes “ Nö“ . Wenn ich nicht auf Ihre Gespräche über Beauty und Schminke und You tube Channel über  Schminktipps eingegangen bin, hatten wir kein Thema für Unterhaltungen. Meine Versuche, sie mit dem Nachbarmädchen zu verkuppeln, sind, aufgrund ihres komischen Verhaltens keinen Ton zu sagen, gescheitert. Das Kind hat keine Interessen außer Schminke und Assi TV. Für mich undenkbar. Selbst bei Spaziergängen immer wieder nur das Thema Schminke. Ich versuchte sie beim Schwimmen im Freibad abzulenken. Shopping im Drogerie Markt. Ich versprach ihr einen Beautytag. Aber es änderte nichts . Es ging immer so weiter. Ich wollte auch nicht ständig meckern. Also hörte ich es mir an. …

Schlicht weg freute ich mich immer auf 16 Uhr wenn mein Partner nachhause kam, dann konnte ich den Gesprächen mit ihr aus dem Weg gehen.

Ich habe nach den Ferien mit meinem Partner gesprochen und habe ihn gebeten mit mir vorher über solche Entscheidungen zu reden. Denn mir ist in dieser Zeit bewusst geworden, dass ich nicht der Babysitter für ein total unselbstständiges Kind bin. Ich habe ihm gesagt, dass ich ab sofort einen 14 Tage Rhythmus möchte und die Besuchszeiten in den Ferien nur noch, wenn auch er Urlaub hat.

Am Anfang freute ich mich sehr auf das Mädchen, ich dachte, ich habe dann nochmal eine Aufgabe. Denn meine Kinder sind so selbstständig sie brauchen mich nicht mehr. Wieso nervt mich jetzt dieses Verhalten meiner Stieftochter? Sie bekommt alles was sie möchte, jedes Wochenende wird Highlife und Konfetti versprochen wenn sie hier ist. Papa verspricht dann Shopping, Kino usw. Selbst bei Schulaufgaben wird ihr geholfen. Mein Sohn gibt ihr Hilfestellung in Mathematik.

Ich denke dann immer darüber nach, was meine Kinder alles nicht hatten und fühle mich einfach nur schlecht. Richtig erklären kann ich das gar nicht. Dieses Mädchen ist eine verwöhnte kleine Prinzessin. Sie bestimmt das Fernsehprogramm, sie bestimmt die Sitzverteilung auf dem Sofa. Sie bekommt alles, was sie möchte. Die Mutter weiß gar nicht wie einfach sie es hat, wenn ich die Situationen mal mit mir vergleiche. Papa zahlt viel Kindesunterhalt, zahlt Taschengeld, stattet das Kind mit Kleidern und Schuhen aus und zahlt Handyguthaben. Wenn die Mutter dann kommt, sie bräuchte noch was fürs Kind, zückt er sein Geld. Eigentlich sollte es mir egal sein, aber ich kann nicht anders, als mich darüber zu ärgern. Aber ich kann natürlich nicht von meinem Partner verlangen ein Papa zu sein wie der, den meine Kinder hatten. Er ist ein guter Papa und ein toller Partner.

Der Unterschied von der Mutter und Ex Frau zur Stiefmutter ist immens und ich dachte nicht dass es so schwer sei. Liebe Grüße, Lianne

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3 Kommentare

  1. kerstin sagt

    Ein sehr unschönes Gefühl. Man steht einfach nur da und ist erstaunt und auch traurig (für seine eigenen Kinder). Denn so überzogen, wie manches erscheint, was dann zelebriert wird, einen kleinen Funken davon hätte man sich für seine eigenen Kinder vielleicht auch gewünscht. Und das tut manchmal weh, dass sie dies nicht so bekommen haben.

    Die Kinder des Gatten und meine Jungs trennt altersmäßig nur 3 bzw. 4 1/2 Jahre. Und es war besonders hart, als seine Kinder dann in dem Alter waren, wie meine als wir uns kennen lernten, denn natürlich bis zu dem Punkt waren sie die „Kleinen“, nur dann in meinen Augen auch nicht mehr „soooo klein“, wie sie immer noch behandelt wurden. Da lagen Welten dazwischen, was Eigenständigkeit oder Benehmen betraf – einfach unvergleichlich.

    Ein Ding aus der letzten Zeit, einer meiner Jungs verputzt die Fliesen im neuen Bad und macht das wirklich super, nach anfänglicher pubertärer Desinteresse. Unterdessen erklärt der Vater dem 3 Jahre jüngeren Sohn, wie er den Müll runterbringen soll in die Tonne, die wirklich genau an unserer Haustür steht…. Und welche er nehmen soll und das er doch Schuhe anziehen möge… Ob er jetzt wirklich wisse, in welche Tonne????
    Mein Kommentar: „Bricht der Junge jetzt zu ner Polar-Expedition auf oder worum gehts grad???“

    Oder ich komme von der Arbeit Heim und muss erleben, wie die kleinen Prinzen sich von den soooo viel Älteren die Betten beziehen lassen… Ein Moment, wo mir echt die Halsschlagadern raus kamen und ich mal fragen musste, was das für ne Nummer werden sollte, ob man denkt, man befände sich hier in einem Hotel?

    Manchmal bekomme ich dann auch den Eindruck, dass das bewusst ausgespielt wird. „Je schusseliger ich mich anstellte, desto weniger muss ich machen und mich integrieren!“ Mit meinem Gatten habe ich das auch irgendwann thematisiert, dass es so einfach nicht geht. Bis zu dem Moment war ihm das gar nicht so wirklich bewusst, dass auch seine Kinder älter werden und eben nicht lebenslängliche Babys bleiben. Seit dem bemüht er sich auch.

    Das Materielle ist noch mal ein ganz anderes Thema. Aber auch da hat nach jetzt mittlerweile 8 Jahren die Zeit zu überraschender Einsicht geführt, dass es eben fair zugehen muss. Das keiner seinen Kindern die Butter vom Brot neidet, aber dass es einfach nicht geht, dass 2 ständig alles in den Popo geblasen bekommen und ich habe Müh und Not meinen Jungs das „gleiche“ zu bieten und das sind dann die, die dumm aus der Wäsche gucken oder das am Besten nicht mitbekommen sollen… Das geht so nicht.
    (Das ist in etwa so, wie wenn ein Partner mit seinem Porsche zur Arbeit an dem anderen vorbeifährt, der sich auf nen alten Drahtesel schwingt und grad durch nen Gewitter radelt). Das macht man ja einfach nicht – zumindest nicht in einer Partnerschaft/Ehe. 😉

  2. Kriesten,Jana sagt

    Hallo Lianne,wir Stiefmütter sind der Erziehung unserer Stiefkinder hilflos ausgeliefert.Was in 10 oder mehr Jahren anerzogen wurde,bleibt bestehen,man hat kaum eine Chance etwas zu ändern.Ich habe meine 2 Söhne auch sehr selbstständig erzogen,sie sind nun 30 und 25 Jahre alt.Dann traf ich auf meinen Stiefsohn,damals 9 Jahre ,heute fast 14 Jahre.Seit 3 Jahren lebt er komplett bei uns,mich hat auch niemand gefragt,und ist so selbstständig wie ein Erstklässler.In Schuljahr 8 muss man tgl. den Ranzen kontrollieren,da sonst meist was fehlt,er spielt mit kleinen Legosteinen für Kinder ab 6 Jahre.Seine Mutter hat ihn immer verweichlicht,alles abgenommen,sogar seine Hausaufgaben gemacht.Die Quittung bekommt er jetzt,kommt in der Schule nicht mit,hört gar nicht zu,will auch nix lernen,es wurde ja nie gefordert,warum denn jetzt von mir?Alles gute Zureden bringt nichts,auch Strafen haben keinen Erfolg,er lebt in seiner eigenen Welt.Wenn es ihm reicht,beschwert er sich bei Mama,die er allerdings immer seltener sieht,da ihr Interesse an ihm mit seinem zunehmenden Alter nachlässt.Wir wissen oft nicht weiter,haben auch Angst was aus ihm werden soll.Ganz ehrlich wenn ich damals gewusst hätte,was da auf mich zukommt,wäre ich davon gelaufen.Ich hatte immer gedacht mit Liebe und Geduld geht alles,war eine Täuschung.L.G.Jana

    • Christina sagt

      Liebe Jana, liebe Kerstin,

      mein Partner, dessen Söhne, die gleichaltrig bzw. 1,5 Jahre jünger sind als meine Tochter (13) ist oft traurig, wenn ich ganz spontane Kommentare abgebe zu der Unbelehrbarkeit des insbesondere jüngeren Sohnes oder aber auch deren Unselbständigkeit. Ich würde mein Kind immer über den grünen Klee loben, obwohl er häufig mitbekommt, dass ich mich mit ihr auch zoffe. Wir leben in einem Mehrfamilienhaus mit 2 Wohnungen, was sich NICHT ändern wird bis seine Kinder ausgezogen sind. Es macht mich wahnsinnig, wenn ich erleben muss, wenn man dem Kleinen (fast 12) immer noch JEDEN Tag sagen muss, dass er duschen muss, saubere Klamotten anziehen soll, bitte nicht dauertobt in der Wohnung, sondern nach draußen geht, nicht mit dreckigen Fingernägeln und Klohänden zum Essen an den Tisch geht etc.etc. Ich bin ne Schallplatte mit Sprung. Das sorgt für Sprengstoff in unserer Partnerschaft. Aber ich finde, dass kann doch wohl nicht zuviel verlangt sein, sich einfache Dinge über Benehmen oder Körperhygiene etc. zu merken, oder? Ich war lange alleinerziehend, hatte Existenzängste, war auch 2 Jahre (!) sehr krank, mein Kind war oft krank, habe es aber dennoch geschafft, meiner Tochter Selbständigkeit und auch gute Manieren beizubringen. Natürlich kombiniert mit Zeit und Liebe….Das alles in den ERSTEN 8-10 Lebensjahren. Die Jungs hatten es nicht einfach, alles richtig, aber ich dafür umso mehr schwerer, wenn frau Dinge erklären muss und auch Grenzen setzen muss, die bei meiner Tochter und mir mit ca. 8 Jahren abgeschlossen waren. Es zehrt an den Nerven und Kräften. Als Konsequenz: Seitdem ich diesen Sommer durch Unfall und danach heftigen Komplikationen 3 Monate komplett ausgefallen bin und ich ziemlich am Ende war, habe ich mich weitestgehend aus der Erziehung etc. heraus gehalten. Die Erziehung war auch allein mit meiner Tochter oft nicht einfach. Ganz klar. Mein Kind ist kein Engel, ABER die Weichen sind früh ganz konsequent, zumindest zu 90%, gelegt worden und das erleichtert vieles SPÄTER, wenn die Pubertät anbricht. Ich bin´s leid, JEDEN Tag die Körperhygiene zu kontrollieren. Nicht nur, weil ich meine das als Stiefmutter den Kindern beibringen zu müssen, sondern schlicht und ergreifend, weil es sonst am Tisch riecht. Dabei essen, sorry, aber das kann und muss ich nicht. Mein Partner wird damit konfrontiert, dass er auch in der Schule permanent nachhaken muss. Es wird vieles vergessen, wenn er nicht mindestens 3x täglich fragt ob gelernt wurde, Hausaufgaben gemacht wurden oder der Tonni gepackt wurde. Hilfe, die sind auf der weiterführenden Schule und nicht mehr in der 2. Klasse! Mein Kind lernte schon in der Grundschule ziemlich selbständig. Ich muss nichts nachfragen, gar nichts. Und das Argument, “ das sind ja Jungs!“ lasse ich nur bedingt gelten. Auch die können sich an Regeln halten. Die Jungs sind nett, nicht schlecht in der Schule, hilfsbereit, ich finde sie nicht doof, sondern einfach nur sehr anstrengend.
      Ich hätte NIEEE gedacht, dass es so einmal kommt. Ich dachte mit Zuneigung und vor allem Geduld schafft man alles oder vieles. Ich musste mich eines Besseren belehren lassen.
      VG

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