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Witwer mit Problemkind

Witwer mit Problemkind

Seit eineinhalb Jahren rudere ich irgendwie gegen Windmühlen, und es scheint bei uns kein anderes Thema mehr zu geben, als seinen Sohn. Er lehnt mich ab und die Familie unterstützt ihn dabei. Vielleicht weiß hier jemand eine Antwort für meine eventuelle Betriebsblindheit.

Vor zwei Jahren zogen meine zwei Mädels und ich zu meinem Mann. Zum gleichen Zeitpunkt zog sein Großer zu uns, weil er nicht mit seiner Mutter in den Nachbarort ziehen wollte. Er war dort nicht wirklich glücklich und kam mit dem Partner der Mutter nicht zurecht. Wir arrangierten uns aufgrund von Platzproblemen in der Wohnung so, dass meine Mädels ins Erste Geschoss zogen, praktisch eine eigene Wohnung erhielten, und der Junior ein Zimmer bei uns im Erdgeschoss bekam.

Im Vorfeld hatte ich schon so meine Zweifel. Ich wusste der Junge ist schwierig – aber alles lief prima. Er erhielt seinen Kuchen zum Geburtstag, Nikolaus wurden alle gleich gestellt, wir machten gemeinsame Ausflüge.  Wahnsinn, dachte ich, doch so leicht.

Doch nach einigen Monaten wendete sich das Blatt. Die Mutter erkrankte an Leukämie und verlor kurze Zeit später den Kampf. (Übrigens hielt sich die Trauer bei dem Sohn in Grenzen). So zog der kleine Bruder, der gerade in die Pubertät kam, selbstverständlich auch zu uns. Wir rutschten zusammen, unser Schlafzimmer wurde Büro und Haushaltsraum, ich hatte großes Verständnis. Schließlich haben die Kinder ihre Mutter verloren, und wir sind erwachsen. Auch wenn mir ein Rückzugsraum fehlte und ich das Gefühl hatte, nur Gast in unserer Wohnung zu sein.

Der Kleine passte sich gut an und kommt auch mit meinen Mädels zurecht. Unsere Probleme weilen eher beim Großen. Geredet hat der junge Mann mit uns so gut wie nie, er kam und ging wie im Hotel. Guten Tag, abmelden oder geschweige denn „bitte“ und „danke“ sagen waren Fremdwörter für ihn.

Freunde besitzt er keine, Emotionen zeigt er außer Schadenfreude ebenso wenig. Im Urlaub sprach er soviel mit uns, das hatte auf einem halben DIN A4 Blatt Platz. Nicht mal Quad fahren durch die Wüste oder schnorcheln brachten ihn zur Freude. Wir waren verzweifelt und der Urlaub eine reine Katastrophe. Aber das Schlimmste war, er rannte immer zu Oma und Opa und beschwerte sich, wir würden nie mit ihm reden. Er ging zur Tante, erzählte, wir wollen ihn nie dabei haben, obwohl man vorher alle fragte wer mit möchte zum Pizza essen ect…

So mischten sich alle mit ein, schwätzten mit in der Familie und spielten „Rettet den Jungen“. Er bekam gesagt, der Papa sei nur wegen mir so. Die Probleme in der ganzen Familie wurden immens groß, alles stritt untereinander und streitet heute noch, weil der Sohn mich nicht akzeptieren wollte und klar gesagt hat, er wollte nur seinen Vater und es wäre egal, welche Frau da gekommen wäre. Aber alle, Oma, Opa, Tante, Onkel meinen, es liegt an uns.

Wie schon mal erwähnt, zeigt er keine Emotionen, hat immer ein böses Gesicht und so glaubten wir, dass da etwas in ihm schlummert. Wir suchten Hilfe – erst bei der psychologischen Beratungsstelle und später in einer Klinik für Kinder mit psychologischen Problemen. Nach einem Gespräch dort  kam die Psychologin darauf, dass er eventuell einen leichten Autismus hätte. Wir sollten bitte Fragebögen ausfüllen lassen von allen Bezugspersonen, die ihn von Baby an kennen. Da hatten wir vielleicht eine Welle losgetreten. Es hieß, wir wollen ihn in die Klapse bringen und wir seien es, die den Psychologen brauchen.

Mittlerweile ist alles aus dem Ruder gelaufen. Der Junge zog zur Tante, weil es bei uns ja unerträglich für ihn war.  Erst dachte ich, jetzt kehrt Ruhe ein. Anfangs war es auch so, aber der Junge soll wieder zurückziehen. Mit der Forderung, in die Wohnung zu ziehen, wo meine Mädels wohnen, weil er keinesfalls zu uns will. Das geht aber nicht, der Platz fehlt.

Er müsste dann mit seinem Bruder nach oben, meine Mädchen zu uns nach unten. Aber dann müssten auch alle Sachen von mir oben raus, weil er meine Sachen nicht dulden würde. So müsste ich selbst das Sofa entsorgen. Wenn ich nur wüsste, was ich falsch gemacht habe. Mittlerweile soll mein Mann mich und die Mädels rauswerfen. Wenn einer von denen durch unseren Garten läuft, grüßt mich keiner. Alles sei nur wegen mir, der Junge hätte vollkommen Recht, dass er mich blöd findet.

So langsam geht mir die Kraft aus. Meinem Mann, der unter der ganzen Sache mächtig leidet , muss ich den Rücken stärken. Er wollte sich schon fast umbringen, da hat nicht viel gefehlt. Ich kann das alles nicht verstehen und vermutlich glaubt mir die Geschichte keiner. Aber heute sage ich: Lieber eine Ex-Frau, als vier Familienmitglieder, die mitreden.

Warum mach ich das alles? Weil ich meinen Mann liebe und unsere Zeit allein traumhaft ist. Aber ich weiß nicht weiter. Hat jemand einen Rat?

Gruß Doris

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In eigener Sache: Ich weise darauf hin, dass der Stiefmutterblog kein juristisches oder medizinisches Forum ist. Ratschläge, die hier gegeben werden, sollten ggf. von Ihrem Familienanwalt oder Arzt geprüft werden. Ich übernehme keine Haftung für die  Ratschläge oder Links in den Kommentaren, freue mich aber sehr über die vielen guten Tipps, die hier gegeben werden.

11 Kommentare

  1. Pingback: Eine verstorbene Mutter wirft lange Schatten - Der Stiefmutter Blog

  2. BigBrother sagt

    Hallo Doris,
    ich kenne deine Geschichte……und ganz ehrlich : wenn sich Euer Umfeld aus euren Angelegenheiten raushalten würde, so wie Ihr euch raushaltet, wäre alles gut. Aber Ihr werdet einfach nicht in Ruhe gelassen, und alle Wissen es besser und haben selber genug vor Ihre eigenen Türe zu kehren. Es ist immer einfacher den Spiess im Auge des anderen zu finden, als den Balken im eigenen. Das finde ich sehr bedauerlich. Wenn es eigentlich keine Probleme gibt, muss man sich welche machen.

    Wer sich immer in der Mitte aufhalten muss, und von allen Seiten Prügel bekommt, bleibt einem irgendwann nur eins : seine Sachen packen und gehen. Ich finde die Lösung die Ihr für euch gefunden habt, ein Haus zu bauen und für euch eine Insel zu schaffen auf der Ihr in Frieden leben könnt den einzig richtigen Weg. Viel Glück damit.

    Lieber Gott halte mir meine Verwandschaft vom Hals, um meine Feinde kümmere ich mich selber.

  3. Doris sagt

    Hallo zusammen,

    Vielen dank für eure Kommentare, es ist gut zu wissen, dass man verstanden wird. Der Junge ist 15 j.
    Wir sind Jetzt soweit das wir ausziehen , haben einen Bauplatz und sind am planen . Das tut gut und gibt hoffentlich genug Platz für den jungen Mann. Er bleibt im alten Haus. Alle anderen freuen sich auf die Zukunft und das gibt Kraft für uns weiterzumachen.

    Liebe grüße Doris

  4. Silke sagt

    Hallo
    Wie gut kann ich dich verstehen!!!!!
    Ich bin seit 3 Jahren mit einem Witwer zusammen. Auch er hat 2 Kinder davon eines mit einer geistigen Behinderung. Ich selber bin Mutter einer pubertierenden 15 jährigen und mein Sohn ist Autist. Ich bin seit mehr als 3 Jahren getrennt von meinem Erkannt.
    Am Anfang unsrer Beziehung lag unser Fokus sehr stark auf unsren Kindern. Wir als Paar merkten garni Ht wie sehr sie uns bestimmten. Gerade die behinderten Kids bestimmten unseren Rhythmus. Auch ich kenne das, mein eigenes Leben hat kaum noch Raum. Ich fühlte mich auch wie ein Gast in meinem eigenen Haus.
    Wir wurden beide so müde vom Leben. Unsere Beziehung zueinander ist sehr stark und wir durften viele Dinge erkennen. Holten uns Hilfe von außen. Mein Sohn macht schon Jahrelang eine Therapie im Autismutherapiezentrum. Dort finden regelmäßig auch Elterngespräche statt, die uns sehr hilfreich und Unterstützend sind. Meine Tochter und auch seine Tochter arbeiten ihre Trauer auf. Auch dort hatten wir Elterngespräche, die uns halfen. Das geistig behinderte Kind geht sehr stark an unsere Substanz.
    Aber wir als Paar haben beschlossen, das wir zusammenbleiben wollen und das wir die Richtung vorgeben wollen,nicht unsere Kinder. Inzwischen haben wir geheiratet.
    Renovieren ein Haus und gestalten es als Paar. Die Kinder dürfen in ihren Zimmer entscheiden, wie sie es gestalten wollen,aber im Haus haben entscheiden wir.
    Man braucht schon ein dickes Fell,
    Es gibt immer Mitmenschen, die es besser wissen.
    Unsere beiden Besonderen Kinder kommen prima mit klaren Grenzen zurecht.
    Ich wünsche dir viel Kraft und lass dir die Freude nicht rauben.
    LG Silke

  5. Christine Tietz sagt

    Hallo Doris,
    ich schließe mich den Gedanken meiner Vor-Schreiberinnen an.
    Test wegen Autismus ist sicher angesagt, ggf. eben ohne die Verwandtschaft.

    Ich empfehle euch dringend eine Familienaufstellung zu machen.
    Nur über einen Gesamtblick auf die verschiedenen – Familiensysteme (Herkunftsfamilie der Mutter, Herkunftsfamilie des Vaters) kann mal das Grundthema erkannt werden.
    Unabhängig davon empfehle ich dir auch eine Aufstellung zu machen, um deine Beteiligung an der ganzen Situation zu finden.
    Warum bist du in der Partnerschaft mit deinem Mann, in diese Abwehr/Kampf gegen dich einbezogen?
    Vieleicht hast du, aus Liebe zu deinem Mann, ihm einige Päckchen abgenommen. Dann bekommst du „das Fett ab“, welches eigentlich zum Vater gehört.
    Auch eine Doppelbelichtung kann ich mir gut vorstellen. Das heißt der Junge projeziert seine Wut etc. auf dich, die jedoch im Grunde auf den Vater gerichtet ist. Auf den Vater kann er sie aber nicht richten, weil er ihn ja doch auch liebt und nicht auch noch verlieren möchte.

    Alles diese Programm laufen meist sehr unbewusst ab. Hier gibt es also keine Schuld. Nur eine Eigenverantwortung genau hinzuschauen und sich dann ggf. zu entscheiden.

    Wenn du magst kannst du dich gerne direkt bei mir melden.
    Ich bin Coach (selbst seit 34 Jahren Vizemutter) und arbeite viel mit Aufstellungen.
    Gerne unterstütze ich dich dabei dich auf eine Aufstellung vorzubereiten, deine Fragen zu beantworten und Tipps zum Finden eines geeigneten Aufstellers in deiner Gegend zu finden.

    Alles Liebe dir derweil
    Christine
    0160 – 7222445

  6. Kriesten,Jana sagt

    Du schreibst nicht,wie alt der Junge ist.Aber wenn er schon 15 oder 16 ist,solltet ihr dringend mit dem Jugendamt über eine betreute Wohngruppe sprechen.Das hat nichts mit los werden zu tun,sondern mit sorge um ihn und die anderen Kinder.Denn es wird,je älter die Kinder werden,immer schwieriger.In einervWohngruppe lebt er unter Gleichaltrigen,die auch alle irgendwo Probleme haben,vielleicht hilft ihm das mit sich sselber besser zu recht zu kommen.Es muss ja nicht für immer sein,lasst eure Türe für ihn offen,aber denkt auch an eure anderen Kinder.Und was die Verwandten sagen,sorry,das müsst ihr ausblenden,wenn sie nicht helfen,sollen sie einfach ruhig sein

  7. Christine sagt

    Wer weiß, was dahinter steckt..
    Vielleicht trauert er seit Jahren um seine Mutter und kann es nicht äußern…
    Das tut jeder auf seine Weise – da gibt es kein Rezept!
    In Bremen gibt es Familienhilfen – die kommen ins Haus und schauen direkt und bei allen…
    Es lieft fast immer nicht nur beim Kind…..
    Das ist eine tolle Möglichkeit!
    Geht hier übers Amt für soziale Dienste, aber auch das Jugendamt….

  8. Stefanie sagt

    Oh je..das ist eine schwierige und belastende Situation für euch alle.
    Wie alt sind denn die Jungs?
    Wäre es eine Option ihn in einer Wohngruppe unterzubringen oder kann er bei der Tante bleiben? Ich meine damit nicht ihn abzuschieben, aber manchmal ist es besser, Druck rauszunehmen damit alle mal zur Ruhe kommen. Es gibt ja nicht nur den Jungen sondern noch weitere Kinder. Und es belastet euch ja alle.

    Hilfe hattet ihr euch ja schon gesucht – kam da was bei der Beratungsstelle raus ausser das mit dem Verdacht auf Autismus?
    Und wurde das inzwischen diagnostiziert?

    Die Jungs werden (zusätzlich) noch traumatisiert sein durch den Tod der Mutter, eventuell machen sie sich auch Vorwürfe das sie schuld seien o.ä. Ich würde euch da auch nochmal raten Hilfe zu suchen. Es gibt spezielle Therapeuten die auf Traumatas ausgebildet sind.

    Blöd ist es, weil jeder an ihm rumzerrt. Er findet es scheisse bei euch/bei dir – ab zur Oma und Tante. Dort bekommt er recht und den Bauch gepinselt.
    Es sollten alle an einem Strang ziehen denn IHR seid die jenigen die die Richtung und den Ton angeben. IHR seid es die den Alltag mit den Kindern bewerkstelligen müssen und nicht die Verwandten.

    Wären die vielleicht bereit mal gemeinsam mit euch zu einer Beratungsstelle zu gehen? In einer Aufstellung (am besten einen systemisch arbeitenden Therapeuten suchen) merkt und spürt und sieht man am besten wie der Junge und wie sich alle um ihn herum fühlen.

    Ich wünsche dir viel, viel Kraft und schau das du „Inseln“ hast auf denen du regelmäßig Kraft tanken kannst 🙂

  9. Manuel sagt

    „Der Junge zog zur Tante, weil es bei uns ja unerträglich für ihn war. Erst dachte ich, jetzt kehrt Ruhe ein. Anfangs war es auch so, aber der Junge soll wieder zurückziehen.“
    Das stellt sich mir doch die Frage nach dem „warum“. Du sagst nicht „er will“ zurück ziehen sondern „er soll“ zurück ziehen. Kann es sein, dass die Tante es sich mit dem Jungen auch einfacher vorgestellt hat und jetzt merkt, dass es das nicht ist?

    „Mit der Forderung, in die Wohnung zu ziehen, wo meine Mädels wohnen, weil er keinesfalls zu uns will.“
    Sorry, aber wie kommt er auf das schmale Brett Forderungen stellen zu können? Er kann ja sicher wieder einziehen. In sein vorheriges Zimmer. Du schreibst nicht wie alt er ist. Sofern er schon alt genug ist kann er ja auch in eine WG ziehen. Auf Forderungen würde ich mich nicht einlassen und das auch ganz klar kommunizieren. Wenn ihr nämlich nachgebt dauert es nicht lange bis die Mädels anfangen mit „Wegen dir mussten wir aus unseren Zimmern raus“. Das gibt dann auch wieder Stress. Ruckzuck habt ihr auch ALLE Kinder gegen euch.

    „Mittlerweile soll mein Mann mich und die Mädels rauswerfen.“
    Das ist ja wohl immer noch seine Sache mit wem er unter einem Dach lebt und von wem er sich trennt oder auch nicht. Das geht andere gar nichts an!

    • Amanda sagt

      Ich schließe mich an dieser entschieden an: Der Junge ist nicht in der Position irgendwelche Forderungen aufzustellen! Lasst euch nicht tyrannisieren.
      Möglicherweise hat ihn der Verlust der Mutter mehr traumatisiert als irgendjemand wahrnimmt. Nicht jedes Trauma wird ausgedrückt. Es könnte also auch sinnvoll sein, wenn der Junge einem Kinder- und Jugendtherapeuten vorgestellt wird.
      Wenn er euren Rahmen sprengt, wäre in der Tat der Kontakt zum Jugendamt sinnvoll, damit er in einer Einrichtung untergebracht wird, die ihm ggf. einen Rahmen bieten kann, den ihr aktuell nicht leisten könnt. Das soll kein Vorwurf sein! Aber in manchen Problemlagen muss das System auch erst einmal entzerrt werden.
      Zur Problematik mit der Verwandtschaft möchte ich dringend anraten, selbst Beratung bei einer Erziehungsberatungsstelle aufzusuchen. Die beraten nicht nur in reinen Erziehungsfragen, sondern allgemein bei Problemlagen von Familien.
      Alles Gute!

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