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Brief an meine Töchter

Brief an Töchter

Vor einigen Wochen fragte ich hier wessen Wahrheit die Richtige sei. Ich bekam daraufhin viel Post. Unter anderem schrieb mir Hartmut, ein Trennungsvater, der seine Töchter nicht mehr sieht und schickte mir seinen „Brief an meine Töchter“.

„Sie haben gefragt, welche Wahrheit die Richtige ist. Ich kann es Ihnen sagen. Die Wahrheit des Menschen, bei dem die Kinder leben. Nichts anderes zählt für Kinder. Ich wollte meine Kinder nach der Trennung nie dem Zwist aussetzen, sich entscheiden zu müssen. Ich dachte, unsere Trennung sei Erwachsenensache. Ich habe nicht damit gerechnet, dass immer zwei Menschen nötig sind, um diesen Vorsatz auch in die Tat umzusetzen. Heute bin ich schlauer. Heute sage ich: Wer zuerst erzählt und klagt, wer am lautesten schreit, dem wird geglaubt. Ich habe immer versucht, für meine Töchter alles richtig zu machen. Ich wollte ein Vater bleiben. Ich habe viel dafür eingesetzt, fast alles um genau zu sein. Ich fürchte, ich habe verloren. Hartmut“

Ich antwortete, ein Mailwechsel entstand und er erzählte mir seine Geschichte. Auch, dass er einen Brief an seine Töchter geschrieben hat, den er bis heute nicht abgeschickt hat. Hartmut hat mir erlaubt, den Brief an seine Töchter auf dem Stiefmutterblog zu veröffentlichen.

Brief an meine Töchter

Von Hartmut

Liebe Lisa, Liebe Lara,

Ihr Mädels und Eure Mutter, Ihr wart meine Welt. Meine Familie war mein Leben. Dafür habe ich gearbeitet. Viel gearbeitet. Euch sollte es gut gehen. Ich habe ein Haus für meine Familie gebaut, ein echtes Heim. Ich war viel unterwegs, das bringt ein Montagejob so mit sich, aber ich hatte euch immer im Herzen. Es gab keinen Tag, an dem ich mich nicht meldete.

Als eure Mutter mich dann vor die Tür setzen wollte, brach für mich eine Welt zusammen. Es gab da einen anderen Mann, es gab viel Streit deswegen, aber ich dachte, das bekämen wir hin. Dann standen da eines Tages meine Koffer im Flur. Ich fragte, was das solle, sie wischte nur mit einer Bewegung durch die Luft – als ob sie eine Mücke vertreiben wolle – und meinte, ich solle verschwinden, mir irgendwo etwas Neues suchen. Möglichst weit weg.

Ausziehen kam für mich nicht in Frage. Das war doch unser Zuhause, wir haben hier als Familie gelebt. Sie drohte mir, sie würde mich vernichten, wenn ich nicht das Feld räume. Ich stand unter Schock. Es konnte doch nicht sein, dass ich verschwinden muss, damit ein anderer Mann in meinem Haus leben kann. Mit meinen Kindern, mit meiner Frau. Und ich soll dafür zahlen und ruhig sein? Ich wollte mit Euch leben, meinen Kindern, ich habe nie etwas anderes gewollt.

Mit meinem Montagejob wäre das nicht gegangen. Ich war jeden Monat mindestens 12 Tage unterwegs. Ich wollte also einen wesentlich schlechter bezahlten Job in meiner Firma annehmen, bei dem ich vor Ort geblieben wäre. Dann hättet Ihr vielleicht bei mir leben können. Meine Anwältin lachte nur und sagte, das dürfe ich nicht. Ich müsste Euch den gewohnten Standard bieten. Finanziell. Das wäre mit dem Job vor Ort nicht möglich gewesen. Sie sagte auch, kein Gericht der Welt würde mir meine Kinder zusprechen. Ich hätte keine Chance. Plötzlich war alles um mich herum grau.

Eure Mutter machte damals Nägel mit Köpfen. Sie zog zu dem Neuen, nahm Euch mit. Ich war allein. Ach was, ich war nicht nur allein. Ich war unendlich allein. Ihr, meine Kinder, meine Familie, mein Leben – ihr wart weg. Ich saß in unserem Haus, jeden Moment hättet Ihr die Treppen runter stürmen müssen. Oder die Garagentür mit einem viel zu lauten Knall zu donnern. Aber da war kein Geräusch. Nichts. Es war Leere.

70 Kilometer entfernt wart ihr nun. Plötzlich wart Ihr Bayern, keine Schwaben mehr. Ich kannte plötzlich niemanden mehr aus Eurem neuen Leben. Keine Lehrer, keine Freunde. Ich dachte, ich würde das hinbekommen. Aber schleichend merkte ich, dass ich Euch verlor. Es waren Momente, aber sie waren wie Messerstiche.

Das Gesetz zwang mich, meinen Montagejob weiter zu machen. Eure Mutter legte Umgangswochenenden aber liebend gerne in die Zeit, in der ich eben nicht vor Ort war, sondern arbeiten musste. An meinen freien Tagen, und davon gab es ja genug, hattet Ihr angeblich nie Zeit oder andere Pläne.

Immer gab es andere Ausreden, warum Ihr nicht kommen konntet. Oder SMS, dass Ihr angeblich krank seid und nicht mal telefonieren könntet. Ich habe mich oft gefragt, warum Ihr nie krank wart, wenn ich arbeiten war. Irgendwann gab ich das Haus auf. Ihr wart sowieso maximal ein bis zwei Tage im Monat da, und der Kredit war zu teuer.

Wessen Wahrheit ist die Richtige? Im Zweifel die des Elternteils, bei dem die Kinder leben. Klick um zu Tweeten

Ich weiß noch, wie Lisa an einem Papa-Wochenende spät abends zu mir runter kam und weinte. Warum ich denn nicht für euch zahlen würde, ob ich euch nicht mehr lieb hätte. Ich war fassungslos. Ich zahlte jeden Monat pünktlich. Nicht nur Unterhalt, auch sämtliche Zusatzkosten. Ich gab alles für Euch. Lisa sagte, es sei seit Wochen das Thema bei Euch, dass ich nicht zahle. Ich zeigte ihr Kontoauszüge, versuchte meine Unschuld zu beweisen. Ich war so hilflos und spürte, etwas war kaputt gegangen.

Ein anderes Mal traf ich Egbert, Euren Onkel im Supermarkt. Mit den Worten: „Das hätte ich nie von Dir gedacht. Du bist für mich gestorben“ ging er an mir vorbei. Natürlich eilte ich ihm hinterher, wollte wissen, was er meinte. Er klärte mich auf, dass in Eurer Familie das Gerücht herumginge, ich würde keinen Unterhalt zahlen und die Kinder nie sehen wollen. Ich sei ein Drückeberger. Ich war fassungslos.

Dann kam der Tag, als Lisa mich Hartmut statt Papa nannte. Ich fragte, was das denn solle. Sie druckste rum, meinte, sie wolle das so. Es würde sie durcheinander bringen, weil der neue Mann von Mama doch auch Papa sei.

Ich habe um Euch gekämpft, mit Anwälten, vor Gericht. Bis ich so verschuldet war, dass ich nicht mehr konnte. Eure Mutter hat vor Gericht immer Ausreden gehabt, ihr passierte nichts. Nur Euch, Euch passierte viel. Ihr habt Euren Vater verloren. Ihr habt mich abgelehnt, immer mehr. Und ich konnte nichts dagegen tun.

Eines Tages kam ein Anruf von Eurer Mutter. Sie hatte ihren neuen Freund geheiratet und wollte, dass auch ihr seinen Namen annehmt. Ich wollte das nicht. Zwei Tage später kamen die Briefe von Euch, in denen Ihr mich böse beschimpft habt, warum ich nicht wolle, dass Ihr zur Familie gehört. Ich habe viel geweint in der Zeit. Ich spürte, wieder war etwas kaputt gegangen

Ich kann mich an ein Besuchswochenende erinnern als ich Euch abholte. Eine Freundin von Lara war bei Euch, ich hatte sie nie vorher gesehen. Ich wurde ihr vorgestellt mit den Worten: Das ist mein „Erzeuger“, mein biologischer Vater. Ich wollte keine Szene machen, tat so, als ob das eine lustige Bemerkung sei. Lara, auch wenn Du es nicht böse gemeint hast, mein Herz hat geblutet. Ich spürte wieder, etwas war kaputt gegangen.

Ich habe nie ein schlechtes Wort über den neuen Mann eurer Mutter verloren. Ich wollte nicht gegen ihn hetzen und euch dann am Sonntagabend zu ihm zurück schicken. Ihr solltet unvoreingenommen mit ihm leben können. Ich habe Euch nie gesagt, dass der neue Mann der Trennungsgrund war. Dass Eure Mutter mich mit ihm betrogen hatte, während ich auswärts geschuftet habe.

Ich habe nie ein schlechtes Wort über Eure Mutter verloren. Ich habe sie doch mal geliebt, sie ist Eure Mutter und Ihr sollt sie unbeschwert lieb haben können. Vielleicht war das ein Fehler. Vielleicht hätte ich zurück schießen sollen. Ich habe es Euretwegen nicht getan. Ich wollte den Konflikt, in dem Ihr stecktet, nicht vergrößern.

Ihr redet heute nicht mehr mit mir. Das, wovor ich immer Angst hatte, ist eingetreten. Der Mohr hat seine Pflicht getan, der Mohr kann gehen. Ich liebe Euch trotzdem. Meine Tür wird immer offen für Euch sein. Ich bin da, so wie ich es immer war.

Euer Papa

Ich fragte Hartmut, was er anderen Vätern in seiner Situation raten würde. Er wusste es nicht. „Würde ich noch einmal in der gleichen Situation sein – ich weiß nicht, ob ich wieder schweigen würde. Meine Töchter haben es mir nicht gedankt, dass ich versucht habe, einen Loyalitätskonflikt zu vermeiden. Sie haben es wahrscheinlich nicht einmal bemerkt. Ich habe nie Druck gemacht, nie gehetzt. Das tat nur die Mutter. Mit Erfolg. Für deren Seite haben sich meine Töchter dann entschieden. Ich denke oft an den Satz meiner Ex, ich würde es bereuen, wenn ich nicht freiwillig das Feld räume. Vielleicht hätte ich das tun sollen. Vielleicht hätte ich den Kontakt damals einfach abbrechen, und gehen sollen. Ich habe es nicht getan. Ich wollte ein guter Vater sein. Meine Kinder habe ich trotzdem verloren. Irgendwann werde ich den Brief an meine Töchter abschicken. Auch wenn ich weiß, es ist längst zu spät.“


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18 Kommentare

  1. Stephan sagt

    Hallo Hartmut,

    Deine Geschichte ist noch schlimmer als meine und ich kann Deinen Schmerz nachvollziehen … es ist sehr schlimm, was das Gesetz hier und bei vielen anderen auch anrichtet. Meine Tochter wird auch hier nur gegen mich und meine neue Frau aufgehetzt und leidet sehr darunter. Ich nehme viel in Kauf, um es meiner Tochter erträglicher zu machen, aber eines ist klar, der Verlierer bin neben meiner Tochter natürlich ich. Mit tut an dieser Stelle auch nur meine Ex leid, da sie nicht sehen will, was sie unserem Kind damit antut.

    Kopf hoch und Stärke an ALLE, die dasselbe mitmachen müssen …

    Ich grosser Traurigkeit,
    Stephan.

  2. Maria sagt

    Trauriger Gehts gar nicht. Sehr bewegend und doch so sehr realitätsnah . Ich glaube bei Trennung muss Mann all die Emotionen weglassen und beidseitig bereit sein den anderen gehen zu lassen.
    Leider ist es so dass heut zutage keine mehr lernt die Werte die man haben sollte , wie leben und leben lassen. Wenn man das kann dann kann man solche traurige Schicksale vermeiden . Ich bin aber überzeugt dass die Kinder egal wann fragen würden sich selbst findend automatisch mit die Wurzeln beschäftigen sei es in 20 Jahren oder später aber ein Frieden wird dann geben. Ich weiß dass es nicht einfach ist über die Jahre einsame Zeit zu verkraften Hartmut du musst dich aber auf dich konzentrieren. Du musst Leben und wünsche ein solches schönes Leben deine Kinder sie werden kommen glaubs mir aber du musst Leben !!!!
    Wir dürfen nicht vergessen Kinder sind Besucher in elternleben sie werden Weiterziehen und eigenes Leben leben . Daher egal auch wenn es naiv und einfach gesagt ist wie groß der Schmerz , wir müssen Leben damit am Ende belohnt werden. Ich wünsche vom Herzen dass er die Kinder egal wann wiedertrifft. Auch wenn es in 20 Jahren dann genießt und erklärt nicht warum wieso weshalb fängt dort einfach neu an.

  3. Anja sagt

    Ich weiß gar nicht, ob ich diesen Brief meinem Mann zum Lesen geben kann. Bei ihm war/ist es ähnlich und das bei 2 Kindern/Müttern. Die Neugründung unserer eigenen kleinen Familie scheint bei den Ex-Beziehungen so viel Hass entstehen lassen, dass ich mit meiner Wut oft nicht mehr klar komme und über eine Trennung von meinem Mann nachdenke. Eine tolle Reaktion – auf Grund von vorangegangen Trennungen und entwurzelten Kindern noch eine Beziehung zu beenden und wiederum 2 Kinder zu entwurzeln.
    Ich habe so oft ein schlechtes Gewissen, wenn mein Mann mit unseren gemeinsamen Kindern schöne Stunden verbringt und dann mal wieder die Absage für das Wochenende/den Urlaub von seinen Kindern bzw. deren Mütter aus den fadenscheinigsten Gründen kommt.
    Ich wünsche mir oft, er würde mehr um seine Kinder kämpfen, auch um Ihnen zu zeigen wieviel sie ihm wert sind, aber auf der anderen Seite möchte ich nicht, dass er zum seelischen Wrack wird.

    • Susanne Petermann sagt

      Sprecht Ihr über Deine/Eure Ängste, Wünsche und Gedanken? Zu dem Thema Kampf ums Kind gibt es wohl keinen allgemein gültigen Rat. Leider. Susanne

      • Tommi sagt

        Ich bin ebenfalls Scheidungskind und wurde von meinen Eltern abwechselnd geimpft. Ich habe dann meinen Eltern abwechseln die Gegenseite unter die Nase gehalten und sie zu einer Stellungnahmen aufgefordert.Das habe ich einige male getan Ich wollte die Wahrheit wissen. Heute reagiere ich noch immer sehr empfindlich auf Unwahrheiten . Heute bin ich mit einem Mann zusammen der 2 Kinder hat. Die Kindsmutter redet nicht schlecht über den Vater, da die Kinder ihn zum Glück vergöttern. Also redet sie sehr schlecht über mich und das vom ersten Tag an obwohl sie mich nie gesehen oder je mir mir geredet hat. Der ältere Sohn hat meinem Partner dann davon berichtet und hat sich zeitgleich immer mehr von mir entfernt obwohl wir uns anfänglich sehr gut verstanden haben. Dann hat mein Partner angefangen mit seinen Kindern offen über das Problem zu reden. Ich habe über 2 Jahre eingesteckt. Ich wäre eine doofe Kuh, der Papa hat keine Zeit mehr weil er lieber mit seiner neuen Freundin zusammen ist, Papa entfernt sich immer mehr von euch, ich will nicht dass ihr mit Papa’s neuer Freundin Nachrichten schreibt auch keine lustigen Bilder das ist nicht in Ordnung, Papa’s Freundin darf nicht mit euch Fussball gucken, sie darf nicht mit euch und Papa zu Omi und Opi fahren, sie darf nicht mit euch in den Urlaub fahren, sie darf euch keinen Kuss auf die Wange geben, ich darf nicht mit den Kindern und meinem Parnter in die Stadt zum shoppen gehen ect, ect, ect. Diese Anweisungen kamen von ihr jeden zweiten Tag per whatsapp, sms, E-mail und Anrufen. Ich habe mich natürlich nicht dran gehalten. Zum Schluß beging sie sogar Hausfriedensbruch und hat mich und den Vater ( also meinen Partner ) vor den Kindern gewaltsam zur Seite geschubst. Und ich habe still gehalten. Ich habe natürlich meinen Anwalt informiert, er wollte sofort ein Schreiben aufsetzen aber mein Partner bat mich meinen Anwalt zurück zu pfeifen. Aber dennoch führe ich seit Jahren eine mobbing Liste in der ich genau aufschreibe was sie wann sagt und tut. Ebenfalls hat meine Partner angefangen den Kindern von Ihren Nachrichten zu berichten und sie zu fragen was sie davon halten. Die Kinder scheinen langsam zu begreifen, dass nicht ich die doofe bin sondern dass sich die Mutter peinlich aufführt. Dennoch schämen sie sich natürlich für sie. Wenn sie sich mal über ihre Mutter beschweren z.B sie hat mir beim Kämmen die Haare heraus gerissen, nehme ich die Kindsmutter ( die bekloppte ) mit Absicht in Schutz und sage Dinge wie „das hat sie bestimmt nicht gewollt, das passiert beim Haare kämmen mal“. Da ich langfristig denke und hoffe, dass die Kinder irgendwann tatsächlich verstehen, dass nicht ich mit dem Zirkus angefangen habe . Ich würde es mir niemals verzeihen wenn die Kinder ihren Papa nicht mehr sehen wollen würden weil die doofe Freundin ja auch da ist. Dann würde ich lieber gehen, das allerdings will mein Partner nicht. Somit haben wir keine andere Wahl als den Spielen der Kindsmutter entgegen zu steuern. Vorsichtig, immer den richtigen Moment ausbalancierend und kurz und knapp. Sie hat mal verlauten lassen, dass ich es niemals schaffen werde das Band zwischen Ihr und den Kindern zu zereißen. Ich würde dieser fürchterlich eifersüchtigen Person gerne mal sagen, dass ich das gar nicht beabsichtige ,dass aber SIE auf dem guten Weg ist das Band selber zu zerstören.

      • Susanne Petermann sagt

        Ich bin immer wieder sehr traurig, wenn ich so etwas höre. Wie verzweifelt muss die Mutter selbst sein, dass sie ihre Kinder so zerreißt. Liebe Grüße und Hochachtung für Deine Geduld, Susanne

  4. Anna sagt

    Ein trauriger Brief, aber ein wichtiger Brief! Ich würde mich freuen, wenn viele liebevolle Eltern und Stiefeltern diesen Brief lesen, ihn verstehen, ihn richtig verstehen und sich darüber bewusst werden, dass es Leid verursacht, wenn sich ein Elternteil samt Kindern vom Partner/Vater/Mutter trennen! Leid nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei dem „nicht mit den Kindern lebenden Elternteil“. Möchte man wirklich sehenden Auges und fühlendes Herzens diesem Mann, der diesen Brief geschrieben hatten irgendetwas gut Gemeintes raten? Mir fällt nichts ein außer: „Es tut mir leid! Ich wünsche Dir, dass Deine Kinder irgendwann erkennen, was sie Dir bedeuten und dass sie die Chance bekommen Dich noch einmal neu kennen zu lernen!“

  5. Beatrix Mettler sagt

    Ich bin in einer ähnliche Situation. Und meine Tochter noch nicht ganz 16 möchte gerne meine Seite kennen lernen. Auch ich habe vieles aufgeschrieben. Wie es mir dabei ergangen ist. Warum ich mich loyal verhalte/verhalten habe da es die Elternebene betrifft. Loyal verhielt damit meine Kinder Kinder sein konnten.
    Bis jetzt dachte ich dass die noch zu jung sei. Aber ich glaube dies nun nicht mehr. Sie soll es jetzt erfahren die meinige Seite. Ich denke sie ist bereit dafür! Und ich bin auch bereit dafür!

    Hartmut ich wünsche dir auch den Mut den ich durch dein Schreiben und die Kommentare gefunden haben.

    Vielen Dank

  6. An solchen Chronologien des Ausstiegs aus der Vaterschaft darf man sich nicht lange festhalten. Das bringt den Kindern nichts mehr, man hält sich nur am Scheitern fest und konserviert die eigene Betroffenheit. Ich habe auch einige Jahre lang aufgeschrieben, was passiert und wie ich Stück für Stück aus der gelebten Vaterschaft hinausgedrängt werde. Auch unabgeschickte Briefe. Und jetzt, nach Kontaktende, das Kind halbwüchsig? Ich habe die Texte weggeworfen, ohne nochmal einen Blick hineinzuwerfen. Dasselbe erzählte mir ein befreundeter Trennungsvater unabhängig davon, auch er hat manches behalten und eben auch vieles losgelassen. An die KInder erinnern nur noch Kontoauszüge voller Abbuchungen, Auskunftsforderungen über jedes finanzielle Detail, böse Briefe vom Jugendamt und Anwälten, denn Unterhalt haben wir -gott bewahre- natürlich in vollster Höhe mittels unbegrenzt gültigen Titel weiterhin zu blechen, auch wenn wenn wir längst zu ferngehaltenen Feinden der „Unterhaltsberechtigten“ gemacht worden sind.

    Statt auf eine Zukunft zu hoffen, sollte man die Gegenwart leben. Es wird ohnehin kaum eine Zukunft geben. Mit den wenigsten Kindern (etwa ein Drittel) kommt es später wieder zu Kontakten und wenn dann nur sporadisch. Da ist längst nichts mehr aufzuarbeiten und keine Wahrheit mehr zu verkünden.

    „Die Wahrheit“ ist eigentlich ein Begriff ohne Wert. Mag sie für sich reklamieren, wer will. Es sagt schon alles, dass sehr viele Begriffe in Kombination mit „Wahrheit“ sie sofort relativieren: Die „halbe Wahrheit“, die „verdrehte Wahrheit“, die „bittere Wahrheit“ und nicht zuletzt die hochheiligen Beteuerungen, wenn es juristisch wird: „Die Wahrheit, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit“. Danke, verzichte.

    Nicht verzichten sollte man darauf, die Energie aus der Tragik in positive Projekte umzuleiten. Das können auch die Mitbetroffenen wie z.B. Stiefmütter machen, wie es Susanne Petermann tut, wie etwa mit Abgeordneten zu sprechen. Da kommen dann auch die Perspektiven der Mitbetroffenen zur Sprache, die angesichts der starken Betroffenheit des Vaters zu leicht in den Hintergrund geraten.

    Im Rückblick schwanken die meisten Väter ohne Kontakt zwischen „ich hätte sowieso nichts anders machen können“ und „hätte ich mich einfach umgedreht und wäre gegangen ohne mich umzudrehen, hätte ich mir bei identischem Ergebnis jede Menge Ärger und Dahinsiechen erspart“. Ich bereue nicht, es trotzdem probiert zu haben, kann aber jeden verstehen, der sich ganz verabschiedet.

    • Susanne Petermann sagt

      Vor einigen Jahren hätte ich all das nicht für möglich gehalten. Ich hätte auch gedacht, dass die Kinder sich immer wieder auf den Vater besinnen, Fragen stellen, Kontakt wollen. Heute glaube ich das nicht mehr. Ich bin sehr traurig darüber, dass wir, als Gesellschaft, nicht nur zulassen sondern durch Gesetze fördern, dass unseren Kindern all das angetan wird – die es vielleicht irgendwann ihren Kindern antun. Susanne

  7. Doreen sagt

    Das tut mir sehr leid. Solch einen Vater hätte ich gern für meine Söhne. Das Verhalten ist Lobenswert. So sollte es sein zwischen getrennten Eltern. Schade das es immer wieder genau so endet. Armer Mann. Mir tut das so leid. Ich hoffe seine Mädels werden später mal fragen stellen. Und er hat dann die Chance seiner Sicht zu erklären und zu Beweisen.

    Alles Gute Hartmut

    • Susanne Petermann sagt

      Ich würde es ihm wünschen, aber die Mädchen sind schon erwachsen und fragen nicht. Vielleicht, wenn sie selbst einmal Kinder haben oder mit einem Trennungsvter zusammen kommen?

  8. Ilona Resch sagt

    Lieber Hartmut,

    Es hat mir richtig weh getan, den Brief an die Töchter zu lesen.

    Meinem Mann ist es ähnlich ergangen, Haus fertig…Mann raus.
    Die Sachlage war eine andere. Aber es wurde auch alles! versucht den Vater auf die Erzeugerebene zu verschieben.
    Abgezockt und bei den Kindern dermaßen schlecht gemacht, das es der ständig von der Exfrau bemühten Anwältin auch ein bisschen viel wurde.
    Für meinen Mann ist es besser ausgegangen.

    Es tut mir so leid für dich.

    Bitte sende doch den Brief an deine Töchter wenn sie volljährig sind.
    Dann denken sie selbst, haben Beziehungen, ein wenig mehr Lebenserfahrung ….
    Tue es einfach, du hast nichts mehr zu verlieren, aber eine Chance etwas zu gewinnen.

    Ganz lieber Gruss

  9. Eileen sagt

    Oh mein Gott, das ist ja ein trauriger Brief. Warum schickt Hartmut ihn denn jetzt nicht ab? Jetzt wo er sowieso nichts mehr zu verlieren hat. Ich finde die Mädchen sollten zumindest SEINE Wahrheit kennen. Nicht nur die der Mutter.
    Wie alt sind die Mädchen denn? Alt genug dass sie den Brief so verstehen wie er gemeint ist….dann ab zur Post damit. Vielleicht ändert das nichts an der momentanen Situation aber die Mädchen sollten das wissen.
    Unsere große Tochter (also meine Stieftochter) merkt auch so langsam, dass die Geschichten ihrer Mutter gelogen sind…

    Ich wünsche Hartmut dass sich das Blatt vielleicht noch wendet

    • Susanne Petermann sagt

      Liebe Eileen, ich habe ihn das auch gefragt. Ich glaube, er hat einfach resigniert. Es hat ihn psychisch und physisch sehr mitgenommen und er hat Angst, dass gar nichts passiert oder er vielleicht sogar noch beschimpft wird. Ganz traurig. Susanne

    • Solche Briefe sind nicht zum Abschicken gedacht. Was sollen die gross gewordenen Kinder damit anfangen? Würde man sie abschicken, dann

      – würden sie entweder gar nicht beim Adressaten ankommen
      – oder negativ interpretiert. „Da jammert er rum, er hätte doch jederzeit kommen könnnen, stattdessen hat er uns im Stich gelassen. Will er jetzt einen auf Familie machen, wo es zu spät ist? Uns gehts auch ohne ihn gut.“ Geprägt wurden die Kinder schliesslich allein von Mutter und ihrem neuen Mann, ihrer Welt. Diese Welt benötigt den Kitt der Ablehnung der Vaters, sonst hätte sie gar nicht zusammengehalten.

      Meistens passiert der erste Kontaktversuch durch den Vater nach langen Abbrüchen mit der Volljährigkeit. Dann müssen die Kinder ihren Unterhalt selbst einfordern. Es kommt ein Brief vom Kind mit der Forderung. Spätestens dann, wenn der Vater den Unterhaltstitel heruntersetzen will, weil keine Nachweise der Bedürftigkeit geliefert werden und sich die Situation durch die Pflicht beider Eltern ändert.

      Angemessen sind dann höfliche Angebote, sich doch mal zusammenzusetzen und miteinander zu reden. Aber höchstens eines von zehn Kindern trifft sich dann auch. Selbst bei diesem einen Kind bleibt es meist bei Smalltalk und Entfremdung.

      Wenn wieder Kontakte entstehen, dann geht das vom erwachsenen Kind aus und passiert aufgrund eigener biographischer Brüche. Beispielsweise wenn es selbst Elternteil wird und der Partner fragt, ob es eigentlich einen Grossvater gibt? Oder wenn die nächste strittige Trennung passiert, der Stiefvater krachend verabschiedet wird. Die Vergangenheit ist dann aber weit weg und der Fokus ein ganz anderer.

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